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Markthallen in Kreuzberg {12tel Blick September}

Markthallen in Kreuzberg, wie es war und wie es heute ist

Einkaufen muss man immer. Markthallen gibt es in ganz Europa. Berlin war eine der letzten Metropolen, die keine hatte. Damals wie heute, braucht eine große Bevölkerung Nahrungsmittel und andere Dinge zum täglichen Leben. Es gab bis 1867 zwanzig freie Märkte, die unter freiem Himmel unter nicht immer hygienischen Zuständen stattfanden, um zirka 1,15 Millionen Menschen zu versorgen. Höker die von Haus zu Haus gingen verkauften ihre Waren direkt an der Tür. Außerdem einige etablierte Läden.

Die Bevölkerung in Berlin bekam durch Missernten immer weniger, dafür teure Nahrung zu kaufen. Die Händler ließen sich schlecht kontrollieren. Am 21. April 1847 kam es  zu der Kartoffelrevoulution. Am Belle-Alliance-Platz (Mehringplatz),  an einem Kartoffelstand, reizte eine Bäuerin mit „derben Antworten“ eine Menschenmenge so weit, dass mehrere Frauen sich gewaltsam auf sie stürzten und ihr die Kartoffeln raubten. Auch Bäckerläden und Schlachtereien fielen dem Pöbel zum Opfer. Einem Bäcker wurde vorgeworfen, er verkaufe zu kleines Brot und hätte noch gar kein Brot heraus gegeben. Woraufhin der Laden gestürmt, Waren im Wert von 50 Silbertalern  und sein Verkaufsschild entwendet wurden.

Die Polizei war machtlos und konnte nur Zuschauen, wie die Menschen sich Wurst, Brot und Mobiliar unter die Nägel rissen. Scheiben wurden eingeschmissen. Sogar die Fenster vom Kronprinzenpalais, der Bethlehemskirche und des Café Kranzler kamen zu Schaden. Man ging davon aus,  dass insgesamt fünf- bis zehntausend Personen sich an der Kartoffelrevolution beteiligten. Die Missstände hielten allerdings noch einige Zeit an.

Es musste sich etwas ändern

Erst 1881 beschloss der Magistrat von Berlin, gemeinsam mit dem Arzt Rudolf Virchow, dem ein Ende zu setzen und die Verkäufer zu mehr Ordnung zu zwingen. Der Magistrat war damals das oberste exekutive Organ in der Stadt Berlin. Man beschloss, überdachte Hallen zu bauen und verpflichtete eine “Polizei” darauf zu achten, dass die Marktvorschriften eingehalten wurden. Die Bevölkerung konnte nun witterungsunabhängig einkaufen gehen. Noch dazu bekam man an den Ständen Fleisch, Wild und Geflügel und Fisch angeboten. Obst und Gemüse, Butter, aber auch Kolonialwaren, Gewürze und vieles andere konnte man einkaufen.

Blankenstein Hermann Wilhelm Albrecht (1829-1910), Markthalle IV, Berlin: Innenansicht. Foto auf Papier, 31,00 x 40,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. F 8255.

14 Hallen wurden ab 1886 nach dem selben Prinzip geplant und gebaut. Eine der ersten Markthallen entstand in der Mitte der Stadt. Die Größte hatte sogar einen eigenen Eisenbahnzugang, sowie Kühlkammern im Keller. In Kreuzberg bzw. Friedrichstadt entstand die nächste Markthalle. Diese Halle existiert heute in einer modernisierten Form, da sie während dem zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche zerfiel. Heute befindet sich dort der Blumengroßmarkt, bzw. die Hallen wurden an das Jüdische Museum weiter gegeben.

Der städtische Baurat Hermann Blankenstein war dafür verantwortlich, dass alle Hallen nach einem Schema entstanden. Die Dächer wurden von gußeisernen Stützen und Stahlbindern getragen und die Fassaden waren verklinkert und mit Terrakotta-Schmuck verziert. In der Ackerstraße in Berlin Mitte steht eine der wenigen noch erhaltenen Hallen, Markthalle IV bzw. die Ackerhalle.
Auch einige andere Bezirke bekamen eine Markthalle. Eine meiner Lieblingshallen ist die in Moabit, die Arminiushalle. Sie war die Zehnte, die 1891 fertig gestellt wurde. Noch heute kann man dort Lebensmittel und andere Dinge zum Leben kaufen. Ganz nebenbei, gibt es verschiedene Gastronomen und an manchen Abenden Livemusik.

Moderne Markthallen

Am 15. März 1892 wurde die Markthalle in der Zossener Straße, in Kreuzberg fertig. Sie war die Elfte Halle in der Stadt. 290 Marktstände boten ihre Waren feil. Im ersten Weltkrieg gab es dort eine Suppenküche für 15.000 Berliner, die sich hier täglich die leeren Mägen füllen konnten. Der Zweite Weltkrieg lies von der Halle nur den westlichen Kopfbau und den Keller übrig. Aber das hielt die Berliner Händler nicht davon ab, ihre Waren zu verkaufen. Irgendwoher musste man ja seine Nahrung bekommen. Schon nach Kriegsende fand ein Verkauf im Keller statt.

Die Halle wurde vom Architekt ist Paul Friedrich Nieß wieder aufgebaut, nicht mehr so schick, aber effizient. Nicht weit von der Marheineke Halle bin ich auf die Welt gekommen. Meine Mutter ist auch sehr oft dort einkaufen gegangen. Meine Erinnerung daran ist, dass es immer etwas dunkel war, die Gänge recht eng. Es gab dort alles, was man brauchte. Ein Kurzwarenstand, mehrere Metzger, Zeitungen, Bücher, Kleidung, Käsehändler. Am Eingang standen zwei Schaukeltiere auf denen man für 10 Pfennige 3 Minuten hin und her geschaukelt wurde. Und daneben das Highlight: einen Softeis-Verkäufer.

Inzwischen wurde die Marheineke Halle ein weiteres mal umgebaut. Ich finde sie hat ihren Charm verloren und wirkt kalt. Allerdings siedeln sich immer mehr interessante Gastronomen hier an. Die Bevölkerung und der Tourismus nehmen die Markthalle sehr gut an, da sie sozusagen am Ende des BergmannKiez steht. Die Gastronomie dort ist aber auch wirklich zu empfehlen.

Auch die Markthalle Neun, hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Allerdings war das nicht immer so. Erst als sich 2001 die Anwohnergruppe Lausitzer Platz für die Halle zu engagieren begann, wurde es ein toller Treffpunkt für Menschen, die gerne gut, exotisch, interessant außergewöhnlich essen wollen. Durch zahlreiche Veranstaltungen und Medienpräsenz werden immer mehr Menschen in die Markthalle gelockt. Sie ist fast noch komplett erhalten und abgesehen von den Events, einen Blick wert.

Die Markthallen haben ihren besonderen Status längst verloren. Supermärkte und Fachgeschäfte haben den Marktbuden den Rang abgelaufen. In der großen Stadt Berlin gibt es nur noch wenige gute und üppige Wochenmärkte. Doch lohnt es sich immer wieder einmal, einen Blick zu riskieren, denn dort scheint alles frischer, regionaler zu sein.

Der 12tel Blick auf und vom Kreuzberg

Der Herbst ist noch kaum zu spüren. Die paar kalten, regnerischen Tage haben die Pflanzenwelt eher dazu angestachelt, noch einmal alles zu geben. Die Bäume tragen fast keine bunten Blätter. Was ist das bloß für ein Jahr? Auch an dem Tag, als ich die Bilder machte, trugen die Menschen noch kurze Ärmel und liefen ohne Jacken herum. Ich bin auf den Oktober gespannt. Vielleicht wird es etwas bunter. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und ihrem Blog Verfuchst und Zugenäht

2+

Übergrößen {Samstagsplausch 40/20}

Übergrößen, und damit meine ich nicht unbedingt Konfektionsgrößen

Bei Übergrößen muss ich fast immer an Autos denken. Liegt wohl auch zu größten Teil daran, dass ich viel mit dem Fahrrad unterwegs bin und die dicken Autos an mir vorbei schieben. Oftmals auf Straßen, die ohne Radweg sind und dazu möglichst eng. Im Grunde sollten die Fahrzeuge 1 1/2 Meter Abstand zum Radler haben. Die Fahrer der übergroßen Autos, kennen aber obendrein die Maße ihrer Fahrzeuge nicht. Wenn sie an mir vorbei sind, dann kann ich ja auch sehen, wieviel Platz sie noch zur Mitte/ Seitenstreifen haben. Sie hätten mir noch gut einen halben Meter schenken können.

Was mich aber auch oft ärgert, ist dass die Übergrößen sich in Parkplätze stellen, den sich zwei Kleinwagen hätten teilen können. In dem Bezirk in dem ich Arbeite, ist parken nämlich fast ein Luxus. Sollte es Katzen und Hunde regnen, fahre ich mit dem Auto. Und dann kreise ich notgedrungen, bis ich mich in eine Minilücke zwänge.

Maine Coon

Meine Katzen haben auch Übergröße. Ich mag die großen Katzen. Sie sind besonders menschenfreundlich und werden manchmal auch Hundekatzen genannt, weil man mit ihnen spazieren gehen kann und ihnen Tricks beibringen kann. Angeblich mögen sie zwar gern bei ihrem Dosenöffner liegen, aber nicht auf ihrem Schoß. Davon haben unsere beiden Übergrößen allerdings keine Ahnung. Sie versuchen möglichst gleichzeitig auf meinem Schoß Platz zu nehmen. Dazu kurz mal die Maße meiner Fellnasen: 50 cm Rückenlänge (unausgestreckt und ohne Schwanz) und eine Höhe von 30 cm. Das in doppelter Form… passt nicht auf einen Schoß.

Gestricksel

Liebst du auch die übergroßen Pullover, in die man sich an kühlen Herbstnachmittagen fast einrollen kann? Sich mit dem riesen Pulli auf dem Sofa oder dem Lieblingssessel eingemummelt, mit einer Tasse Tee und einem guten Buch den Nachmittag vollkommen vertrödelt? Leider komme ich nicht all zu oft dazu. Aber wenn, dann geht es mir genau so gut!

Ich war diese Woche bei Yarn over Berlin. Da hatte ich einen Strang in der Hand, der mich bezaubert hat. Allerdings hat mich der Preis dann doch davon abgehalten ihn mit zu nehmen. Mein Teststrick für Making Stories ist schon fast fertig. Noch ein Ärmel und ich kann ihn anziehen. Der war nicht einfach zu stricken. Aber dafür ein herrliches Rätsel.
Als ich mich mit meinen Schlemmerstrickerinnen getroffen hatte, haben wir die Anfänge eines Tuches von Steven West bewundert. Alle 4 sind der Meinung, das könnte ein Prima Schlemmerstrick-kal sein. Nur gut, dass ich so viele Reserven in meinen Kisten habe. Einen Stashabbau könnte ich gut vertragen. Übergröße eines Wollvorrates, sage ich da nur. (Allerdings scheine ich eher zu den Harmlosen zu gehören).
In meinem Bujo vermerke ich immer meine Projekte. Die, die ich noch anschlagen will und die, die ich schon in der Mache habe. Ich staune jedesmal, wieviel ich will und wieviel ich mache. So in den Projektbeuteln verstaut, fallen sie ja nicht sonderlich auf.

Kein Übel ist so groß, dass es nicht von einem neuen übertroffen werden könnte.

(Wilhelm Busch)

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5+

Schnelle Geschenke

Schnelle Geschenke oder wie ich meinen Wollberg abbaue

Wieder einmal brauchte ich spontan ein Geschenk. Das Jahr ist immer so schnell vorüber, dass ich fast vergaß, meiner Schwester ein Geschenk zu besorgen. Die Jahre vorher hatte sie schon eine Tasche oder ein paar Socken von mir bekommen. Schon lange ist es her, dass ich ihr ein Tuch zum Geschenk gemacht habe. Aber so viel Zeit blieb mir dieses mal nicht.

Geschenke braucht man manchmal wirklich spontan. So fiel mir der Topflappen von Ducathi Baker’s Twine ein. Baumwolle hatte ich noch. Aber wie sollte es anders sein, nicht die Farben, die zu meiner Schwester passen. Und schon gar nicht zu ihrer Küche. Doch der Zufall wollte es, dass meine Strickfreundin Magda eine kleine Reise nach Pankow zu Simply Stitch, unternehmen wollte. ich hielt also den Daumen raus und lies mich mitnehmen. Anke hat unglaublich viele schöne Wollen, die unbedingt mitgenommen werden wollen. Genug, um ein Jahrhundert lang Geschenke zu stricken.

Mir reichten zwei Knäuel Baumwolle in hellen Grautönen.Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, ich habe diese Topflappen so schnell angenadelt, dass ich die Banderolen von der Baumwolle ziemlich schnell entsorgt hatte und mir dabei den Namen nicht gemerkt hatte. (Zum Glück gibt es Magda. Die weiß noch welche Wolle ich gekauft habe) Ich glaube aber, dass es ein Katja Garn ist. Die Anleitung von Ducathi ist recht verständlich. Wie immer muss man nur einfach anfangen und dann klappt das schon.

Aber Vorsicht, wenn man das Muster begriffen hat und merkt, wie gut die Topflappen in den Händen liegen, dann kann diese Anleitung schnell zu einer Sucht führen. Ich habe dann gleich noch aus meinem Vorrat zwei verschiedenen Grüntöne, mit den Resten der neuen grauen Baumwolle, zu zwei weiteren Lappen verarbeitet. Es macht wirklich Spaß schnell ein Geschenk zu stricken. Ich habe noch einige Baumwollreste und denke, die werde ich zu soliden Präsenten verarbeiten können.

Die Schwester bekommt aber erst einmal die Grauen. Und die Grünen gehen an die Frau, die mich gerade mit den besten Biokartoffeln versorgt hat, die ich jemals gegessen habe.
Eine Rezension zu dem Kochbuch, findest du übrigens hier!

Eckdaten

  • Muster: Ducathi
  • Nadelstärke: 3,5 Rundstricknadel
  • Material: 70gr Baumwolle/ -Reste
  • Zeit: eine Spielfilmlänge, ein Lappen
6+

Überraschung ist schön! {Samstagsplausch 39/20}

Überraschung ist schön!

Liebst du auch Überraschungen! Also nur, wenn man positiv überrascht wird. Nicht die Überraschung, wo man am Ende wieder nur Ärger hat! Ich liebe es jedenfalls. Man merkt, der Andere führt irgend etwas im Schilde, doch weiß man noch nicht, was es sein wird. (Übrigens eine nette Redensart, die auf das Mittelalter zurückgeht. Damals konnten Herolde noch anhand der Schilde erkennen, wer da vor einem stand und welche Eigenschaften der Schildträger hatte)

An einer solchen Überraschung waren wir am letzten Wochenende auch beteiligt. Der beste Freund meines Kerls hatte uns schon vor zwei Monaten eine Einladung zu der Geburtstagsparty seiner Frau geschickt. Alles sehr geheim. Alles weitere käme etwas später. Später war dann tatsächlich vor 14 Tagen. Eine Einladung zu einer Liste, wo jeder statt eines Geschenk, etwas zu Essen mitbringen kann. Die Liste fand ich sehr praktisch. Wäre ja blöd, wenn alle nur Kartoffelsalat mitbrächten. Die Richtung war dabei auch ein wenig vorgegeben. Italienische Kochkünste waren gefragt.

Als es noch so furchtbar warm war, hatte meine Kerl ein Rezept im Internet gefunden, welches ich gerne mit ihm zusammen ausprobiert hatte. Wir waren überrascht, wie lecker das war. Ich habe noch ein wenig daran herumprobiert und etwas verfeinert. Am Ende kamen ganz leckere gefüllte Paprikaschoten dabei heraus. Die brachten wir mit. Und natürlich mussten wir pünktlich sein. Ein Unterfangen, dass etwas Schwieriger war, denn der Kerl hat sein eigenes Zeitgefühl 😉. Doch man staunt immer wieder, wir waren die ersten Gäste. Die großen Jungs des Geburtstagskindes waren schon da und bereiteten den Picknickplatz vor.

Alle waren zeitnah da und halfen es gemütlich zu machen. Dann warteten wir nur noch auf die Ehrengästin. Sie machte mit ihrem Mann eine kleine Radtour. Und ganz zufällig, steuerte der Mann seine Frau in Richtung Picknick. Sie staunte noch: “Schau mal der E-Rolli sieht aus wie der von meiner Mutter!” Und dann war sie nur noch mehr überrascht, dass auch ihre Söhne da waren und deren Freundinnen. Der Blick schweifte etwas unsicher über die Gruppe und ein Grinsen breitete sich in ihrem Gesicht aus, als sie erkannte, was es mit dem Büffet und den Anwesenden auf sich hatte. Wir unterstützten noch mit einem Ständchen und schon war es ein tolles Hallo. Der Nachmittag verflog wie schon lange nicht mehr…

Und sonst noch?

Ich war am Sonntag bei einer wundervollen Strickerin zu besuch. Es sollten eigentlich noch mehr Gäste kommen, aber aufgrund von Corona (das wird langsam zu einem geflügelten Wort!), blieben einige aus, oder sie waren auf Reisen. So blieben wir in einer kleinen Runde, was auch sehr schön war. Wir konnten bei bestem Wetter im Garten stricken und genossen leckere Kuchen. Die Nadeln klapperten wieder fleißig. Am Ende quatschten wir uns wieder so fest, dass ich im dunkeln nach Hause radeln musste. Belohnt von einem tollen Blick über den Teltowkanal.

Spätdienst und Nachtdienst machten mir die Woche dann nicht unbedingt schöner. Ich traf an einem Tag, mein Monstermädchen und ging mit ihr Essen. Dabei konnten wir mal ungestört reden. Weil das uns nicht genug war, fuhren wir dann in verschiedenen Bastelläden vorbei, um uns wegen der bevorstehenden Weihnachtsüberraschungen Gedanken zu machen. Die Ideen nehmen schon leichte Gestalten an.
Beim letzten Mal bin ich ja ausgefallen. Gestern dann, war es endlich mal wieder so weit, Die Schlemmerstrickerinnen trafen sich in geselliger Runde. Eine Ehrengästin war auch noch dabei.  Wir hatten es wieder besonders gut!
Noch etwas zu meinem letzten Samstagsplausch: Ich danke allen, die mir Mut zugesprochen haben und mich von einer Demenz losgesprochen haben. Ich bin bestimmt noch einige Meter von einer Solchen entfernt. Es ist wohl wirklich nur, dass mein Kopf zu überfrachtet ist und wie ein Lastkahn ins schlingern gerät.

Und nun zu dir. Freust du dich auch immer über Überraschungen? Oder bist du immer so neugierig, das Geheimnis vorher schon zu knacken?

Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues, und man glaubt, man sei im Himmel.

(Edith Piaf)

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4+

Vergesslich? Echt jetzt? {Samstagsplausch 38/20}

Vergesslich? Ich? Echt jetzt?

Letzten Samstag habe ich von einem Patienten geschrieben der vergesslich war und nun ereilt mich die Demenz mit einem nassen Waschlappen. Echt jetzt? Ich will dir erzählen, warum ich an mir zweifle und glaube, mich wird die Demenz ordentlich ärgern.

Am Mittwoch hatte ich Frühdienst und freute mich sehr auf meinen Donnerstag. Ich plante einen Ausflug mit der Strickfreundin nach Pankow zu Simply Stich. Das liegt von meinem Zuhause nicht gerade um die Ecke. 19 km sind es in direkter Linie. Bei guter Verkehrslage bin ich in 35 Minuten mit dem Auto da. (Der echte Berliner behauptet in so einem Fall, das liegt doch um die Ecke!) Nach erfolgreicher Wolljagd wollten wir uns dann mit einer anderen Freundin treffen, um noch ein paar Maschen zu stricken und den jetzt kühleren Herbst, im Garten zu genießen.

Alles haarklein geplant. Und dann … fragt mich die Kollegin, mit wem sie denn am Donnerstag Dienst hätte. Ich gehe und schaue auf den Dienstplan. St…, J…, M… und Andrea stehen da… Ähh? Gibt es noch eine Andrea auf unserer Station? Was? Ich habe Frühdienst! Mist. Ich musste alles in die Tonne werfen, meinen Plan konnte ich vergessen, weil ich es mir nicht gemerkt hatte, dass ich Dienst habe. Meine Kolleginnen ließen sich auch nicht dazu erweichen, dass ich zu Hause bleiben könnte. Sie lachten mich nur freundlich an und freuten sich, dass ich morgen auch da bin!

Aber das ist nicht der einzige demente Moment in meiner Woche. Ich wollte etwas zum basteln kaufen und stand wie bestellt und nicht abgeholt in dem Bastelgeschäft. Ich blickte mich einen Moment lang um, damit mir vielleicht das ins Auge springen mag, das ich gesucht habe. Aber alles was ich sah, war nicht das was ich vergessen hatte. Ich verließ den Laden wieder und fuhr zu meiner Verabredung. Als ich 10 Minuten unterwegs war, traf es mich wie der Blitz, was ich vergessen hatte.

Ich suche nun schon seit Monaten meine Brille. Sie hat sich an einem Ort versteckt, der sich mir nicht erschließt. Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann aus ihrem Versteck hervorspringt. Ich kaufe Wolle für ein bestimmtes Projekt und kaum bin ich zu Hause, habe ich vergessen welches Model das war. Wenn das so weiter geht, stehe ich eines Tages im Badezimmer und weiß nicht mehr, dass ich auf die Toilette wollte.

Aber wie kann man sein Hirn trainieren? Hüften kann man mit Hula Hoop Reifen trainieren. Das Herz bekommt ordentlich was zu tun, wenn wir walken (oder schnell spazieren) bzw. Fahrrad fahren. Aber das Hirn? Ich habe mal gelesen, dass stricken und musizieren gegen den Verlust des Gedächtnis helfen soll. Also trainiere ich doch ausreichend. Na, ich werde berichten, wie es mit mir weiter geht.

Und sonst so?

Der Montag war ein furchtbarer Arbeitstag. Wir waren nur zu Zweit im Spätdienst und hatten die Station voll. Viel Arbeit für uns zwei. Schwamm drüber, ist noch mal gut gegangen.
Am Dienstag habe ich mit meinem Kerl einen kleinen Kurzurlaub an einem See gemacht. 32° C im Schatten und eine Wassertemperatur von 18° C. Beim ins Wasser gehen, blieb mir kurz die Luft weg, dann war es aber richtig schön, noch einmal eine Runde schwimmen zu können.
Den Donnerstag habe ich in einer geschrumpften Version genossen. Der Wollladen wurde gestrichen und ich fuhr gleich zu der Freundin zum Maschen stricken. Das brachte mir einige Kilometer beim Stadtradeln ein.
Den Freitag hatte ich nun endlich frei und den ganzen Tag, hatte ich das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Das Wetter war aber so schön, dass ich eine große Runde mit dem Rad gedreht habe.

Wie geht es dir mit der Vergesslichkeit? Hast du auch solche Tage/Wochen, wo du einiges vergisst oder verdrängst? Vor der Demenz selber habe ich keine Angst, der Übergang zwischen noch Wissen und dem Vergessen, macht mir Angst.

Altern ist ein hochinteressanter Vorgang: Man denkt und denkt und denkt – plötzlich kann man sich an nichts mehr erinnern

(Ephraim Kishon)

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