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Vogelgezwitscher überall {Samstagsplausch18/20}

Vogelgezwitscher überall in der Stadt

Und das schönste ist, dass man das Vogelgezwitscher beinah überall sehr gut hören kann. Die Stadt ist still. Immer noch. Obwohl viele Menschen das Bedürfnis haben, sich zu bewegen, einkaufen zu gehen und andere Menschen zu sehen. Inzwischen dürfte fast jedem die Decke auf den Kopf fallen, der nicht arbeiten gehen kann.

Wir, also mein Kerl und ich, waren letzte Woche in einem großen Park. Da gab es tatsächlich einen Imbiss, der Kaffee im Pappbecher verkaufte. Nur hinsetzen war keine Option! Die Bänke und Tische waren mit Flatterband abgesperrt. Überall hingen Zettel, dass man den Platz möglichst nicht zum Aufenthalt nutzen soll. Die meisten Besucher hielten sich auch nicht in der Nähe der Bude auf, sie suchten sich lieber einen schönen Sonnenplatz am Wasser. Wir ebenso. Mit einem heißen Kaffee in der Hand möchte man ja auch nicht herum spazieren. Also ich nicht! Da ich ja nicht mal meinen ökologischen Gedanken ausleben darf, indem ich meinen mitgebrachten Becher auffüllen lassen kann,(es könnten ja Viren daran kleben!), musste ich mit dem Pappding zurecht kommen. Aber auf den Deckel konnte ich wenigstens verzichten.

Es war ein schöner Nachmittag. Ich habe es genossen, im freien meinen Kaffee zu trinken. Dazu findet man ja zur Zeit nicht oft eine Gelegenheit. Dafür kann man die Vögel zwitschern hören. Aber auch in der Innenstadt ist das zur Zeit möglich. Die Straßen in Berlins Mitte sind so leer, dass man sogar die Spree fließen hört. So ohne die ganzen Touristen entdeckt man als Urberliner plötzlich Ecken, die man noch nie zuvor gesehen hat.

Schönes diese Woche

Was habe ich Schönes diese Woche erlebt? Lass mal nachdenken… Ich habe meinen Auberginen Mantel tatsächlich wieder aufgeribbelt und die Wolle ließ sich prima trennen. Der war nämlich doppelfädig gestrickt. Jetzt mache ich mir Gedanken, welchen Ersatz ich für den Auberginen Faden nehmen werde. Denn es steht fest, ich will diesen Mantel haben. Schön war auch, dass ich die meiste Zeit auf unserer Terrasse sitzen konnte, weil das Wetter so angenehm war. Außerdem habe ich es endlich geschafft eine Freundin anzurufen. Ich habe meine Tomaten umgepflanzt, damit sie ordentlich Platz zum Wachsen haben.

Und noch etwas fällt mir da ein… Unsere Tiger haben es tatsächlich geschafft eine junge Meise aus der Luft zu fangen. Übermütig muss sie den “Hungrigen” direkt vor die Krallen geflogen sein. Ihre Beute haben sie sofort in das Wohnzimmer verschleppt. In prima Katzenmanier, wurde der Vogel bespielt. Ich hörte nur ein flehendes Kreischen und schaute nach, was die beiden Damen in der Mache hatten. Todesmutig schmiss ich mich zwischen die messerscharfen Krallen und rettete den kleinen Pieper. Die Tiger waren nicht erfreut. Die Meise büste einen Großteil ihrer Schwanzfedern ein, was sie aber am Ende nicht davon abhielt davon zu fliegen. Seitdem habe ich das Gefühl, dass sie ihre gesamte Familie zum Vogelgezwitscher vor unserer Terrasse einlädt. Entweder zum Dank oder sie singen ein lautstarkes “Ätschlied”

Ein weiteres Highlight war der 12tel Blick am Kreuzberg. Die Menschen rund um meinen Blick lümmelten auf den Wiesen und sogar auf dem noch nicht in Betrieb genommenen Wasserfall. Die Bilder kannst du dir hier ansehen. Und wenn du Lust hast noch eine kleine Geschichtsstunde genießen.
Die Monatsbücher im April sind auch schon wieder abgeschlossen. Die gesammelten Bücher sind wieder richtig interessant. Die neue Linkparty werde ich heute noch fertig machen. Und nun zu dir… Was war bei dir das Schönste, das du erlebt hast?

Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

(Franz Kafka)

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5+

Revolutionsgebiet Kreuzberg {12tel Blick April}

Revolution in Kreuzberg

Irgendwie waren die Menschen in Kreuzberg immer schon ein wenig auf Krawall und Revolution gebürstet. Vielleicht lag es an dem Zusammenleben der verschiedenen Menschen mit ihren Eigenarten, die sie aus ihren jeweiligen Kulturen mitgebracht haben. Eventuell lag es auch daran, dass schon 1863 der Allgemein Deutsche Arbeiterverein in der Gitschiner Straße gegründet wurde. Immerhin lebten in Kreuzberg überwiegend Arbeiter.

Im Mai 1868 fand im Tivoli auf dem Kreuzberg (du erinnerst dich, vom Tivoli hatte ich hier geschrieben) eine Volksversammlung gegen die Mietsteuer statt. Zur Reichstagswahl im Januar 1877 waren 22.000 Menschen im Tivoli dabei gewesen.  Eng an eng standen die Menschen, so dass man kaum den Arm heben konnte und lauschten dem in Berlin überaus beliebten Arbeiterpolitiker August Heinsch.
1878 starb August Heinsch an der Schwindsucht mit nur 31 Jahren. Sein Tod führte zu einer Beerdigungsdemonstration sonder Gleichen. Menschenmassen stehen dem Leichezug im Weg herum und weil es ein Verbot, Fahnen zutragen gab, war es fast unmöglich den Zug zu sortieren. Mit größer Verspätung setzte sich der Zug dann in Bewegung.

Randale und Revolution

Soldaten der Berliner Garnison durften einige Wirtschaften im Jahre 1878 nicht betreten, da dort die Sozialisten verkehrten. Es konnte aber auch sein, dass so mancher Sozialist einer “bürgerlichen” Kneipe verwiesen wurde. Bebel und Liebknecht wurde zum Beispiel angeraten, das Lokal am Moritzplatz zu verlassen, da Gäste sich über ihre Anwesenheit beschwert hätten. 
Immer wieder kam es zu Ausschreitungen gegen die Sozialdemokraten. Während einer Arbeiterfrauen und -Mädchenversammlung in einem zu kleinen Ballsaal, mussten die Männer den Saal verlassen. Als die Versammlung dann zu Ende war, die einfach gekleideten Frauen das Gasthaus verließen, traf sie ein Steinhagel. Zum Glück verletzte sich kaum eine der Frauen. Emma Ihrer war damals die Rednerin.

1882 wurde zehn Mitglieder der SPD ausgewiesen. Weshalb sich zu ihrer “Verabschiedung” 1000 Menschen im Wartesaal des Anhalter Bahnhofs drängten. Als es der Polizei dann zu bunt wurde, versuchte diese die Versammlung aufzulösen. Die Arbeiter antworteten mit der Arbeiter-Marsellaise und stürmischen Hochs. Das führte dazu, dass die Polizisten Frauen an den Haaren aus dem Gebäude zogen und sie ausgiebigen Gebrauch ihrer Plempe machten.

Revolution im Zeitungsviertel

Die SPD hatte ihren Hauptsitz in der Lindenstraße. Dort wurde auch der Vorwärts herausgegeben. Das Lokalblatt der Sozialdemokraten. 100.000 Exemplare wurden verkauft. Und vielfach nach dem Lesen weitergereicht. 1911 starb der Gründer Paul Singer des Vorwärts. Auch zu diesem Trauerzug strömten die Menschen aus allen Richtungen. Die Menschen verstopfen die Straßen rund um das Kottbusser Tor. Noch mehr Menschen hingen aus den Fenstern und warten auf den Trauerzug. Zu den Wartenden begleiten 150.000 Menschen  den Parteivorsitzenden auf seinem letzten Weg.

Am 9. November 1918 wurde der Kaiser zum Abdanken gezwungen. Es kam zum Spartakusaufstand, der um das Zeitungsviertel in der Kochstraße statt fand. Wer Macht haben wollte, der musste das Nachrichtenzentrum unter seine Kontrolle bringen. Augenzeugen berichteten davon wie das Verlagsgebäude des Vorwärts gestürmt wurde. 295 Menschen wurde gefangen genommen und auf dem Hof misshandelt und teilweise erschossen. Mit schweren Maschinengewehren wurden die Fenster zerschossen. Durch Granaten wurden Wände eingerissen,  Gasleitungen platzten, es breitete sich Feuer aus. Menschen die aus dem Gebäude flüchteten, liefen den Regierungstruppen direkt in die Arme.
Die Auseinandersetzungen zwischen KPD und SPD hielten an und erleichterten den Nazis den Weg zur Macht.

Gegen die Nazis

Es gab auch Revolutionen gegen die Nazis in Kreuzberg. Flugblätter, von Wolfgang Thiess von der Hochbahn am Halleschen Tor geworfen, Parolen an die Hauswände geschrieben, versuchten das Schlimmste zu verhindern. Es gab einige geheime Treffpunkte zum Austausch von Nachrichten. So z.B. in der Hornstraße 3, die Wohnung von der Studentin Ursula Goetze. Dort trafen sich Mitglieder der Roten Kapelle, eine der größten Widerstandsorganisationen.

Aber wie im ganzen Land, gab es nicht genug Revolution gegen die Nationalsozialisten. Auch in Kreuzberg wurden zu viele Menschen inhaftiert, misshandelt und gemordet. Von den 6.000 Juden die 1933 in Kreuzberg gelebt haben, waren bei Kriegsende nur noch 400 “übrig”. Geschützt durch arische Lebenspartner oder als U-Boote im Untergrund, haben sie überlebt. Tatsächlich durfte ich einen Menschen kennen lernen, der als U-Boot in Berlin gelebt hat. Isaak Behar hatte mir damals sein Buch geschenkt.

Mauerbau und 80er Jahre

Kreuzberg hatte Einiges abbekommen im Krieg. Einiges war zerstört und wurde notdürftig instandgesetzt, bzw. abgerissen und neu gebaut. Die Russen habe sich ihren Teil vom (Berliner) Kuchen abgetrennt und eine Mauer  (u.a. quer durch Kreuzberg) gezogen, die viele Berliner auf den Plan rief, um zu demonstrieren. Ein Ausschlag war wohl, als Peter Fechter mit einem Freund 1962 über die Mauer machen wollte, angeschossen wurde und vor der Mauer im Gebiet der DDR verblutete, ohne dass ihm jemand zu Hilfe gekommen wäre. Hunderte West-Berliner zogen am Abend durch die Straßen, Autos gingen in Flammen auf. Die Westberliner Polizei hatte Mühe die Grenze nach Ost-Berlin zu schützen. Eine Revolution!

1975 viel ein kleiner türkischer Junge (Ceti Mert) in die Spree, weil er seinen Ball aus dem Wasser fischen wollte. Die Spree galt als Grenzgebiet. Der Junge konnte von den Westberliner Rettungskräften nicht gerettet werden, weil die Spree extrem gut bewacht wurde und die Soldaten auf die Retter geschossen hätten. Erst eine dreiviertel Stunde später trafen die Ostberliner ein und bargen, eine weitere Stunde später, 5 Meter von der Westberliner Seite, die Leiche des Fünfjährigen. Die kleine Leiche wurde aber nicht den Eltern übergeben, sondern in die Ostberliner Charité gebracht. Erst Tage später durften die Westberliner Eltern ihren kleinen Jungen zurückbekommen, um ihn zu beerdigen. Das löste unter den Westberlinern große Proteste aus. 2.000 Menschen stellten sich wütend ans Spreeufer, mit Plakaten und Transparenten. Lautstark forderten sie “Nieder mit dem Mördersystem Kommunismus”. Beobachtet und dokumentiert von der Stasi auf dem Ostufer der Spree.

Ich habe dir jetzt so viel von den Revolutionen in Berlin erzählt. Dabei fehlt noch ein ganzes Stück zu diesem Thema. Aber das hier sollte erst einmal reichen. Im 12tel Blick Mai, geht es dann weiter. Dieser Blick geht nun zu Verfuchst und zugenäht, wo noch mehr Blicke zu finden sind. Einmal im Monat immer von dem selben Standort aus fotografiert, sieht man den Wandel der Zeit …

3+

Kochst du schon? {Samstagsplausch 17/20}

Kochst du schon?

Bei uns steht das Kochen gerade hoch im Kurs. Vielleicht, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen, oder weil zusammen kochen einfach so viel Spaß macht. Der Kerl fragt schon am Mittag, was wir am Abend essen wollen. Oder wenn ich kurz mal in die Küche verschwinde: “Kochst du schon?” Tatsächlich koche ich ja sehr gerne. Ich mag es sogar andere zu bekochen und wenn es mir gut geht, dann lade ich Freunde ein und bekoche sie mit einem Drei- bis Viergang Menü. In meinem Kerl habe ich dann einen perfekten Gastgeber, der ordentlich dabei hilft, dass die Gläser nie alle sind, der Tisch auf- und abgedeckt wird.

Aber zur Zeit steht mir nicht der Kopf nach Viele-Gänge-Menüs. Dafür aber nach gemeinsamen Kochst du schon. Angespornt von verschiedenen Kochsendungen im Fernsehen. Dabei holt man sich wirklich gute Anregungen. Letztens haben der Kerl und ich Tim Mälzer dabei zugesehen, wie er oder sein Gegner in einer Pizzabäckerei im Herzen Florenz einen Pizzateig zubereitet hat. Der Inhaber der Pizzeria erklärte, wie man den besten Teig herstellen kann. Abgeguckt, ausprobiert… Ich glaube, ich habe noch nie so eine perfekte Pizza gebacken. Und das ohne holzbefeuerten Steinofen.

Kein Dinkel-Mehl im Handel!

Ich backe auch meine Brötchen und Brot selber. Der Sauerteig steht immer im Kühlschrank bereit. Und normalerweise habe ich immer einen kleinen Vorrat an Dinkel und Roggenmehl im Schrank. Aber seit 5 Wochen habe ich wirklich Schwierigkeiten, meine Mehle zu bekommen. Erst gestern war ich im Ökomarkt. Das Mehlregal war gut gefüllt… Mit Weizenmehl! Wenn auch das Gute, so doch kein Dinkel. Als ich an der Kasse dann den Verkäufer nach Nachschub fragte, musste er lachen und meinte, nachdem die Leute sich mit Toilettenpapier eingedeckt hatten, plünderten sie das Mehlregal. Coronabacken oder so. Heute würde der Markt 7 Paletten Nachschub bekommen, aber ob da Mehl bei sei, dass könne er mir nicht versprechen.

Tatsächlich habe ich beim Discounter dann noch einen einzigen Beutel Dinkelmehl bekommen. So können der Kerl und ich heute frische Brötchen zum Frühstück essen. Bist du auch so viel am kochen? Hast du in den letzen Wochen gar zugenommen? Ich fürchte, ich bin etwas fülliger um die Hüften geworden. Aber macht ja auch nichts, an den Strand kommen wir ja in der nächsten Zeit auch nicht so schnell…

Wenn ein Mann für dich kocht und der Salat enthält mehr als drei Zutaten, meint er es ernst

(Penelope Cruz)

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4+

Fiona, ein auberginer Mantel

Fiona

Fiona ist mein neuer Mantel. Ein Mantel aus Merinowolle und einem Fädchen Alpaka. Als ich die Anleitung in dem Buch Edle Maschen gesehen habe, wollte ich genau diesen Mantel stricken. Nur fehlte mir die passende Wolle. Ha, es wäre ja wohl auch was, wenn ich genau die richtige Wolle in meinem geheimen Kisten hätte.

Durch einen Zufall bekam ich von einer Freundin dann aber einen Sack auberginer Merinowolle von Schachenmayr. Kaum, dass ich das Paket in der Hand hielt, dachte ich an den Mantel. Wie fein der damit aussehen würde. Ich hatte aber scheinbar die Anleitung wieder einmal nicht ganz gelesen. Die Nadelstärke wich um einiges von dem ab, was auf der Banderole der Merinowolle stand.

Doppelfädig!

Eigentlich wird der nämlich mit 6er Nadeln gestrickt. Und mit zwei Fäden. Was ich überhaupt nicht bedacht hatte, der wird mit dem Merino richtig schwer! Wie gesagt, ich habe es nicht bedacht und fand bei Simply Stitch in Pankow ein passendes Alpacafädchen. Die Farben waren wie füreinander gemacht. Kaum war ich wieder zu Hause, schlug ich schon die ersten Reihen an. In Krausrechts, ging es recht zügig voran. Ich strickte mit 5,5 Nadeln.

Ganz schick finde ich die eingestrickten Kanten. Durch Hebemaschen setzten sie sich fein auf dem Strickstück ab. Als ich mit dem Mäntelchen dann fast fertig war, die Ärmel hatte ich noch nicht gestrickt, zog ich es kurz über und …er war zu eng! ich hatte mich vermessen. Wie ärgerlich. Also ribbelte ich das ganze Teil wieder auf und schlug eine Größe größer an. Alles auf Anfang. Irgendwann hatte ich dann die größere Variante fertig gestrickt. Mit ribbeln, habe ich fast zwei Monate dafür gebraucht..

Knopf und Co

Eigentlich hat das Original Knopflöcher. Bei meinem Mantel habe ich darauf verzichtet und will mir Knebelknöpfe dafür machen. Die Knopflöcher haben mir nicht gefallen, zerstören sie die Optik.
Der Mantel war nun also fertig. Aber irgendwie sagte er mir nicht zu. Irgend etwas störte mich. In so einem Fall, lasse ich meiner Irma la Douce den Vortritt, zog es meiner Schneiderpuppe über. Der Mantel ist zu schwer! Auf Irma la Douce Schultern, zog er sich immer mehr in die Länge. Das Originalgarn ist dagegen federleicht!!!

Siehst du, wie der Mantel über meiner Brust sich in die Länge zieht? Ich bin wirklich versucht das ganze ein zweites mal zu ribbeln und mir stattdessen das passende Federleichtgarn zu besorgen. Was meinst du? Ich denke, dass ich diesen Mantel niemals anziehen werde und dass, sollte ich ihn tragen, er immer länger wird.

Eckdaten

Nadeln 5,5
Wolle: Merino extrafine 120GGH Suri Alpaka
Anleitung: Edle Maschen aus dem Topp Verlag
Zeit: viel zu viel
Gewicht: 800 Gramm
Fotografin: Magda

4+

Licht und Sonne {Samstagsplausch 16/20}

Licht und Sonne gegen schlechte Laune

Ich bin anfällig. Anfällig für schlechte Laune und miese Gedanken. Wenn ich nicht an die frische Luft kann, wenn man mir ununterbrochen schlechte Nachrichten einflößt, dann macht mein Kopf zu. Nun geht es ja schon eine Weile so, dass wir dauerhaft mit dem Corona-Dings zugetextet werden. Das sind ja schlechte Nachrichten per se. Das erklärt nun vielleicht auch, warum sich meine Laune auf einem Tiefpunkt befand. Ich war schon so weit, dass ich jeden auf der Straße am liebsten angeschrien hätte.


Nun war ich am Donnerstag nach dem Frühdienst mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, im Gleisdreieckpark unterwegs. Die Sonne schien und es war wirklich herrlich warm. Ich hatte Hunger auf einen vegetarischen Döner. Am Südkreuz gibt es einen recht guten türkischen Imbiss. Ich hatte Glück und es stand nur ein Mann vor mir an. Der Budenbesitzer strahlte so eine Freunde aus, dass ich ein bisschen grinsen musste, als er mich fragte, was ich haben möchte.

Kurz nach mir tauchte eine Frau auf, die sich artig in einem Abstand von 1 1/2 Meter von mir in die “Reihe” stellte. Sie wurde genauso schnell nach ihrem Begehr gefragt wie ich und ebenfalls mit so viel Spaß am Beruf. Sie lachte lauthals und meinte, sie würde gerne den Döner zum Mitnehmen haben. Alle lachten mit ihr mit. Das ganze strahlte so viel Zuversicht aus, dass es mir ganz warm wurde. Meine miesen Gedanken fingen an sich zu verflüchtigen. Natürlich nahm ich meinen Döner auch zum Mitnehmen.

Draußen in der Sonne

Der Weg bis in den Park ist nicht weit. Eine kleine Mauer, mitten in der Sonne, an einer Wiese, auf der Kinder mit ihren Eltern Ball und Frisbee spielten. Die Kinder lachten und tobten durch die Sonne. Radfahrer fuhren auf den Wegen und Spaziergänger genossen das schöne Wetter. Ich genoss den Döner in der Sonne und schaute den Kindern zu. Wieder spürte ich, wie die eisernen Schellen um meine Seele immer lockerer wurden.

Mein Telefon klingelte, eine Freundin rief mich an. Wir schnatterten im Sonnenschein eine Weile. Und wieder wurde mir etwas leichter ums Herz. Den letzten Rest schaffte dann meine Mutter, die ich im Garten besuchte. Sie freute sich sehr, dass ich mal vorbei komme, denn ich halte mich weit weg von meinen Eltern. Nicht nur die Vorgaben “auf Abstand” bleiben, hält mich fern, sondern auch, dass ich nicht weiß, welche Keime ich aus dem Krankenhaus anschleppen könnte.

Auf meinem Weg nach Hause störten mich die Menschen mit ihren falsch sitzenden Masken und 20x getragenen Handschuhen überhaupt nicht mehr. Meine Seele fühlte sich leicht an. So kann es bleiben! Auch gestern war meine Seele leicht. Licht, Sonne und die Fröhlichkeit, haben mich aus meinem negativen Gedankenkarussell heraus gezogen.
Geht es dir vielleicht auch gerade so? Dann kann ich dir nur ein Rezept über Lachen, Licht und Sonne ausstellen.

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