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Laufmaschen {Sammstagsplausch 21/21}

Laufmaschen gehören zum Stricken dazu. Es muss dir ja nur eine Masche von der Nadel rutschen und sich nach unten davon machen… schwupps ist da eine Laufmasche. Im Grunde nicht schlimm, weil man sie ziemlich schnell wieder einfangen kann. Da kommt am besten ein Häkelhaken zum Einsatz. Masche für Masche kannst du sie retten.

Grüne Tasse Kaffee, Muffins und keine Laufmasche in Sicht

Laufmaschen waren bei mir auch schon immer ein Problem, wenn ich Perlonstrumpfhosen (heute heißen sie wohl Nylons?) angezogen habe. Immer wieder habe ich mir eine Laufmasche gezogen. Der Trick war, keine spitzen Nägel zu haben und ein Fläschchen Nagellack in der Handtasche zu haben. Ich vermeide die Strumpfhosen, soweit es geht. Einerseits, weil ich sie nicht gerne trage und anderer Seits, eben wegen den Laufmaschen.

Laufmaschen im Kopf

Die Laufmaschen, die mich aber am meisten quälen, sind die, die ich im Moment im Kopf habe. Wie die da hin gekommen sind, ist ganz einfach. Der Corona-Keim hat sich in meinem Kopf mit spitzen Nägeln an meinem Erinnerungsvermögen heran gemacht. Immer wieder vergesse ich Wörter oder ganze Sätze, die ich dir gerade erzählen wollte. Dann sitze ich vielleicht vor meinem Monitor und starre die Zeilen an, ohne zu wissen, was ich dir gerade schreiben wollte. In diesem Fall nicht schlimm. Ich kann ja den Laptop zu machen und nachher weiter schreiben. Schlimmer ist es, wenn ich dir gegenüber sitze und den Faden verliere. Sich meine Gedanken wie eine Laufmasche durch mein Hirn ziehen und ich Mühe habe sie aufzuhalten.

Manchmal kann ich das dann weglachen. Aber meistens gucke ich mein Gegenüber mit einem entschuldigenden Blick an, zucke mit den Schultern und sage: Corona! (Meine Schwester schaute mich diese Woche etwas irritiert an, konnte es nicht glauben. Aber ja, doch, so ist es… Der Satz war einfach in meinem Kopf verschwunden!)
Ich stehe tatsächlich nicht allein mit den Laufmaschen im Hirn da. Es gibt einige, die an dem Keim erkrankt waren, denen es genauso geht. Es ist nicht immer so. Inzwischen gewöhnt sich mein Hirn daran immer besser zu funktionieren. Ich denke das auch das Gedächtnis und die graue Masse trainiert werden kann.

Und sonst so?

Meine Woche verlief sehr gelassen. Weil mir mal wieder das Herz schwer und die Gedanken so wirr sind (schönen Dank auch an die Depressionen!), habe ich die Woche zu Hause verbracht. Möglichst nur Schönes machen, möglichst viel spazieren gehen und die Sonne (hahaha) genießen. Magda hat ein paar schöne Bilder von mir und meinem Spinel Love gemacht. Am Freitag habe ich mich mit den Freundinnen im Garten zum Stricken getroffen und bin in einem Aprilregen nach Hause geradelt. Ich habe jeden Tag ein leckeres Eis genossen und mit dem Kerl gemeinsam gekocht. Ich fühle mich tatsächlich besser und meine Laufmaschen konnte ich etwas retten. Ein Hörbuch habe ich rezensiert und einen Roman, den ich am liebsten nie beendet hätte. Was heute sein wird, das weiß ich noch nicht. Der Kerl wird es ausnutzen, das letzte Spiel der Hertha gemeinsam im Freien in seiner Lieblingskneipe gucken zu können. Die Hoffnung ist, dass es nicht regnen wird. Dann könnte ich wieder in den Wald gehen. Bäume-atmen!
Wie geht es dir, mit den Laufmaschen des Lebens? Ribbeln, Retten, Reparieren?

Zuerst verwirren sich die Worte, dann verwirren sich die Begriffe, und schließlich verwirren sich die Sachen

(chinesische Weisheit)

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Spinel Love {Nadelgeplapper 9-21}

Spinel Love, hieß nicht gleich von Anfang an so.  Als ChrisBerlin ihren neuesten Schal in der Teststrickgruppe gezeigt hat, kamen gleich von den Strickerinnen die passenden Namen. Ich finde es immer wieder spannend, wie dynamisch eine solche Gruppe sein kann. Ich glaube, es hat keine 20 Minuten gedauert, da hatten die Damen ihre Wollen schon ausgesucht und sozusagen schon die Nadeln in der Hand. Ist ja auch nicht zu verdenken, denn das Tuch Spinel Love, ist sozusagen der Nachfolger vom Kolding.

Andrea Karminrot mit dem neuen Tuch Spinel Love von ChrisBerlin

Meine Wahl ist auf ein Seidengarn von Zauberwiese: Ayana Silk und einem Fädchen Seide Mohair von Lang Yarns: Lang Yarns Lace, gefallen. Im Grunde hätte ich das Tuch auch nur aus dem Seidenfaden stricken können. So aber ist es ein wahrer Halsschmeichler geworden. Allerdings hat das Kerlchen auch ein ordentliches Gewicht. 335 Gramm… Ist schon ziemlich schwer! 😉

Was dazu gekauft?

Gekauft habe ich übrigens nur den Mohairfaden. Die Seide hatte ich noch im Vorrat. Ich hatte drei verschiedene Garne schon heraus gesucht, aber die Seide schien mir perfekt.

Da saßen wir nun, mit unseren Wollen und warteten, dass Chris ihre Anleitung für uns heraus gab. Dann ging das Geklapper los. Ich kann ja immer nur staunen, wie schnell ChrisBerlin ihre Anleitungen produziert. In ihrem Kopf müssen unglaublich viele Ideen herum schwirren. Denn während wir noch am Testen waren, fiel ihr schon wieder etwas ein und sie lockte mit einer Erweiterung des Spinel Love. Und nicht nur das, sondern ihr ist auch gleich noch eine Idee zum X-Faktor eingefallen… Ich habe sie mal gefragt: wo hast du denn dass schon wieder her?…

ChrisBerlin sagt über den Spinel Love

Guten Morgen ihr Lieben, @⁨Andrea Karminrot⁩ und @⁨A… würde jetzt sagen, “Wo sie das schon wieder her hat…” 😂 …. aber jetzt mal der Reihe nach…
der Spinel Coral ist mir beim stricken des X-Faktors eingefallen. So nach dem Motto, das muss doch auch breiter gehen. Und wie gewinnt man Höhe, na durch mehr Reihen.
Wie das ganze hinterher genau aussehen würde, ich hatte keine Ahnung und da ich ihn auf einer 80er Nadel gestrickt habt war das auch wirklich nicht zu erkennen.
Dann kam der Augenblick des kleinen Zaubers… (wenn die Tücher die Nadel verlassen – so wars ja auch beim Kolding) und ich hab mich so gefreut. Das Stricken fand ich übrigens auch sehr kurzweilig statt “nur noch eine Reihe” könnte man hier sagen “nur noch eine Raute”….
Als er fertig war hab ich übrigens direkt das Potential erkannt – und bald gibt es mehr zum Thema Spinel….

Der Spinel Love in blau

Nur noch eine Reihe

Was soll man dazu noch sagen? Sie hat ja recht: “Schatz, ich stricke nur noch eine Reihe”, hat bei diesem Tuch eine ganz neue Bedeutung. Denn jede Raute ist mit verkürzten Reihen gestrickt. So hat dieses Tuch, wenn man es genau nimmt, nur 14 Reihen! Es hat schon fast etwas meditatives, wenn man sich auf das Muster einlässt. Mir kommen dann noch die großen glatt gestrickten Felder entgegen. Ich stricke nicht gerne Kraus… (habe ich das schon mal erwähnt?)

Solltest du dich jetzt fragen, warum das Tuch an manchen Stellen noch ein wenig beult, liegt es daran, dass ich dem Spinel Love keine Chance gegeben habe, ein Bad zu nehmen. Ich hatte es heute nämlich gleich im Einsatz und war sehr glücklich, dass es eine angenehme Wärme bietet.

Spinel Love (Tuch) um die Schultern gelegt

So jetzt noch einmal die Zusammenfassung:

  • 335 Gramm Seide und Mohair
  • 3,5 Holznadeln mit einem 80cm Seil
  • 25 Tage (nicht ununterbrochen) gestrickt
  • Größe 240 cm lang 80 cm tief (ungewaschen/ungespannt)
  • Anleitung demnächst bei ChrisBerlin 

Verlinkt mit dem Nadelgeplapper im Mai

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Es grünt so grün … {Samstagsplausch 20/21}

Mein Gott jetzt hat sie’s…

Kennste ne?! 🎵 Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen (Eliza) …🎵 Das ist aus dem Musical My Fair Lady. Immer wenn der Frühling so richtig loslegt, dann muss ich an das Musical denken, in das mich meine Großeltern mitgenommen haben. Ich muss so gerade 10 gewesen sein. Es ist also schon eine wirklich lange Zeit her. Durch die beiden alten Herrschaften habe ich eine Menge Kultur präsentiert bekommen.

Es grünt so grün. Aber nicht hier auf dem Bild. Tablet und Kaffee, Strickzeug und Ebook

Es grünt also da draußen, wollte ich sagen. Und zwar ganz dolle. Die Bäume haben beschlossen innerhalb von nur wenigen Tagen so schnell Blätter zu bekommen, dass man glauben könnte, eine grüne Hexe ist durch die Straßen gezogen. Selbst zwischen den Mauern sprießen kleine Pflänzchen mit winzigen lila Blüten und eine Menge Grün drum herum. Es riecht sogar nach Grün.

Grünt so Grün

Da macht das Spazierengehen auch gleich viel mehr Spaß, wenn all das Graue hinter dem Grün verschwindet. Am letzten Sonntag waren das Monstermädchen und ihr Gefährte kurz zu Besuch. War ja auch Muttertag. Sie brachten mir eine Clematis, die sich demnächst als grüner Sichtschutz, hoffentlich an der Hausseite, entlanghangeln wird. Ich hatte schon mal eine. Die mochte mich nicht und ist wieder gegangen. Die Monsters und ich sind dann noch auf die Jagd nach einem Cache gegangen, den ich schon dreimal gesucht aber nicht gefunden habe. In Begleitung ging es dann hoppla hopp.

Zwei Tage durften wir schon auf unserer grün so grünen Terrasse verbringen. Es war sehr warm. Allerdings blieb es nicht so, denn schwupps, hatten wir wieder Regenwetter. Und was für ein Regen. Tiefe Pfützen säumten meinen Weg von der Arbeit nach Hause. Freundlicherweise hat der Regen nach meinem Feierabend tatsächlich Pause gemacht. Aber das Grün, habe ich trotzdem genossen.
Gestern bekam ich ein Bild von der Freundin geschickt. Im Herbst letzten Jahres, hatte ich ihr Ableger meiner Balkonerdbeeren übergeben. Sie hatte sie in ihrem Garten (oder Terrasse?) eingepflanzt. Heuer tragen sie nun schon wunderschöne kleine Blüten und es grünt so grün! Sie hat sich so sehr gefreut darüber…

Genug vom Grün!

Viel ist in meiner Woche nicht gerade passiert. Oder vielleicht doch? Der 12tel Blick ist endlich online und ich mache mir schon wieder Gedanken um das nächste Thema. Ich finde es selber spannend, immer wieder etwas über meine Stadt zu erfahren. Die Ribbeljacke (ihren Namen hat sie wohl weg), ist auch endlich online gegangen. (Der Kerl kann wieder Korrekturlesen! Jippieh) Und mein Lesezimmer ist auch wieder gut gefüllt worden. Das hellblaue Ding auf meinem Bild, ist das Tuch in 13 Reihen. Das Spinel Coral – Teststricktuch. Und weil ich immer wieder die Anleitungen neu ausdrucken musste, habe ich mir ein neues Tablet zugelegt. Da muss ich nämlich nicht mehr ausdrucken. (Ganz klar eine Ausrede!!!) Außerdem kann ich nun wieder meine Bilder von meiner Kamera leichter bearbeiten.

Wenn man es mal genau nimmt, dann erlebt man doch eine ganze Menge in einer Woche. Den Tag der Pflege habe ich wieder einmal verpasst. Aber eine Kollegin stand für uns vor dem Roten Rathaus und hat das Plakat hochgehalten. Welches Plakat? Das, welches daran erinnert, dass Applaus nicht ausreicht!

Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen

(Albert Schweitzer)

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Ribbeljacke, wie man immer mal was Neues strickt

Immer wieder kommt es vor, dass ich mich zu einem Teststrick anmelde. Dann schnappe ich mir auch gerne mal meine vorhandenen Wollen. Bei diesem Model hat mich eine Strickjacke von Kerstin Bovensiepen, sprich Knitding, angesprochen. Ich habe mich zu dem Teststrick angemeldet und in meinen Kisten nach einem passenden Material gesucht. Und tatsächlich habe ich noch die Schachenmayr Wolle von meinem auberginen Mantel, den ich geribbelt hatte. So entstand eine Ribbeljacke…

Die Anleitung war schnell verstanden und strickte sich wirklich richtig prima. Aber dann stolperte ich über die asymmetrischen Zöpfe, die Kerstin dort einbaute. Ich fand den Aufbau der Jacke echt klasse, aber dass die Seiten nicht egal sind, fand ich nicht so schön. Ich entschuldigte mich bei Kerstin und stieg aus der Testgruppe aus. Wieder ribbelte ich das Gestricksel. Die Jacke trägt also sehr zu recht ihren Namen: Ribbeljacke! Ich schlug neu an und strickte nach meinem eigenen Muster. Die Konstruktion wandelte ich nach dem Buch von Cocoknits ab.

Andrea Karminrot in ihrer Ribbeljacke

Auf einen Zopf wollte ich aber auch nicht verzichten und zauberte einen Kaffeeböhnchen-Zopf in die Ribbeljacke. Ein recht einfacher Zopf, für den man keine Zopfnadel braucht. Diesen Zopf habe ich schon öfter gearbeitet. Er verzeiht auch so manchen Fehler. Wo die allerdings sind, werde ich dir nicht verraten 😉 Das bleibt mein Geheimnis.
Fast die ganze geribbelte Wolle von dem Auberginefarbenen Mantel ist in der Ribbeljacke untergekommen. Die Jacke ist sehr gemütlich.

Ribbeljacke von hinten

Ich habe den Rücken etwas länger gemacht, damit sie ein wenig über den Rücken zieht. Meine Oma hat immer großen Wert darauf gelegt, dass man seine Nieren schön warm hält. Scheinbar hat sie mir das während des Strickens in die Ohren geflüstert.

Knöpfe für die Ribbeljacke

Knöpfe für die Ribbeljacke

Die Knöpfe habe ich schon vor der Pandemie gekauft. Warum die bei mir in den Knopfschubladen gelandet sind, weiß ich gar nicht mehr. Ich habe aber nur zwei davon gehabt, weshalb die Jacke nun auch nur zwei Knopflöcher bekommen hat. Reicht auch. Knöpfe sind immer besser als Spangen. Auch wenn in den Anleitungen der Designerinnen keine Knopflöcher eingeplant sind, mogel ich welche dazu.

Was mich ein wenig an der Wolle stört ist, dass sie sehr pillt. Es bilden sich kleine Knötchen, die man mit einem Wollkamm leicht entfernen kann. Ärgert aber schon. Ich würde aber immer wieder zu der Merinowolle greifen, denn sie hat eine schöne Haptik und lässt sich sehr gut verarbeiten. Auch das ich sie geribbelt habe, hat sie mir verziehen.

Ich fasse nun mal zusammen:

gestrickt mit der Merino-Wolle von Schachenmayr
Nadelstärke 4
Strickzeit: viel zu lange
Zwei Knöpfe von Idee

verlinkt mit DvD 127 , auf den Nadeln im Mai und natürlich mit dem Nadelgeplapper im Mai

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Haus der Kulturen im Tiergarten {vierter 12tl Blick 2021]

Das Haus der Kulturen steht direkt an der Spree, nicht weit von der nicht mehr vorhandenen Kroll-Oper. Die Kongress-Halle, wie sie ehemals genannt wurde, ist ein Geschenk der Amerikaner an die Stadt Berlin. Nur 18 Monate hatte es gedauert, um die Halle den Berlinern übergeben konnte. Das Gelände an der Spree war im 19. Jahrhundert ein Manövergebiet und staubig wie die Sahara. Und genauso nannten die Berliner diese Ecke des Tiergartens.  Nach dem zweiten Weltkrieg war wiederum nicht viel mehr übrig als staubiger Wüstensand.

1956 trieb man 1200 Pfeiler in die Erde, um dort die Halle zu errichten. Die Kongresshalle sollte außergewöhnlich werden. Ihr geschwungenes Dach soll wie ein Leuchtfeuer der Freiheit erstrahlen. So wollten es zumindest die Architekten Hugh Stubbins und die „Berlin-Beauftragte“ Eleanor Dulles den Sowjets beweisen, deren Sektor nicht weit von hier beginnt. Zur Grundsteinlegung waren sie alle da, auch der Regierende Bürgermeister Otto Suhr. Eine Botschaft von Präsident Eisenhower wird verlesen: die Kongresshalle sei Symbol wie Werkzeug elementarer menschlicher Werte, die es zu verteidigen gelte.

Ein besonderes Haus

Das Haus soll ganz besonders werden, hat Hugh Stubbins beschlossen, der schon mit 28 Jahren Assistent von Walter Gropius war. Eleanor Dulles ist die Schwester des amerikanischen Außenministers John Foster und Allen Foster, der seit 1953 CIA-Chef ist. Eleanor Dulles hat eine Einladung zur Bauaustellung von der Interbau angenommen und sollte sich an der Gestaltung des Hansaviertels beteiligen. (Darüber werde ich auch noch schreiben!) Ihr Anliegen war aber mehr der Bau des Hauses der Kommunikation. Hugh Stubbins hatte die Idee dem Haus Flügel zu geben. Es wie ein großes Zelt aussehen zu lassen.

Am 19. September 1957 gab es eine Fünftägige Einweihungsfeier. Eine Champagnerflasche wurde an den tragenden Pfeilern zerschlagen. Zwischen den Pfeilern hängt ein Stahlbetondach wie zwei riesige Flügel. Das Ganze wirkt irgendwie beschützend. Der Architekt Hugh Stubbins ist zufrieden, die Statiker waren ängstlicher und verordneten dem Dach einen extra versteckt abstützenden Hilfsbetonring. Der Architektenwelt bringt dieser Ring Debatten und 23 Jahre später eine Katastrophe.
Aber bis dahin ist man begeistert und die Berliner geben dem Ding einen eigenen Namen Die schwangere Auster. Aber erst einmal wird eingeweiht, mit Tanz, Konzert, Theater und Ausstellungen. Modern ist das, was aus Amerika in der Kongresshalle vorgetragen wird. Vielleicht zu modern für die Deutschen. Modern ist es auch, denn neuste Technik verbirgt sich in seinem Inneren der Kongress-Halle.

In den Sälen wird getagt und Konzerte gegeben. Es treffen Menschen zu verschiedensten Veranstaltungen aus der ganzen Welt dort zusammen. Der gemeine Berliner kann sich währenddessen gemütlich ein Bier zu Gemüte führen, denn es gibt eine wunderbare Bierterrasse und eine Dampferanlegestelle. Im hauseigenen Postamt kann man seine Post mit einem Sonderstempel verschönern.

Die Konkurrenz und Katastrophe

1971 bekommt die schwangere Auster Konkurrenz. Das ICC, Internationale Kongress Centrum in Charlottenburg soll gebaut werden. Größer, moderner, fast in der Mitte Westberlins und zeitgemäß. Die kleine Kongresshalle in der John-Foster-Dulles Allee reichte wohl nicht mehr aus. Und trotzdem ist es fast schon ein Ritual, dass sich die amerikanischen Präsidenten und Abgeordneten in der Kongress Halle sehen lassen, wenn sie in Berlin sind. John F. Kennedy, Carter, Kissinger… und wie sie alle hießen.

Und dann kam es zur Katastrophe. Am 21. Mai 1980 sehen die Berliner fassungslos zu, wie ihre schwangere Auster einstürzt. 600 Tonnen Beton reißen einfach ab und fallen auf die Vorderfront und den Eingangsbereich. Die Brücke zu den Teichen vor der Halle führt ins leere und Kilometerweit ist der Knall zu hören. Es werden 800 Menschen unter den Trümmern vermutet. Am Ende waren es zum Glück nicht so viele Menschen im Inneren der Kongress Halle. Ein RIAS Reporter, der an einer Pressekonferenz teilgenommen hatte sagte:

Das ganze Gebäude vibriert, dann beginnt es zu zittern, Fensterscheiben zerbrechen. Schließlich hört es sich an wie eine schwere niederstürzende Lawine, eine Lawine aus Staub und Beton. Als dann ein berstendes Krachen das ganze Gebäude erbeben lässt, beginnen die Menschen zu flüchten. Das Geräusch des Einsturzes wird später mit der Lautstärke eines Düsenjägers verglichen

Am Ende sind es “nur” 5 Menschen, die zu Schaden kommen. Einer verstirbt an seinen Verletzungen. Die Spekulationen sind so bunt wie die Stadt. Pfusch am Bau, Materialermüdung und sogar von einem Anschlag wird gesprochen. Und dann die Frage, soll man dieses Haus wieder aufbauen? Die Berliner werden wohl mit dieser Ruine leben müssen, so der regierende Bürgermeister Stobbe. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…

Aufbau und was dann? Haus der Kulturen

Aber bevor das Haus wieder aufgebaut wird, gehen die Debatten los, welchen Nutzen dann dieser symbolträchtige Bau haben wird. Kammermusiksaal? Einen Teil der Berliner Regierung hier unterbringen? Festhalle für moderne Musik? Events, Theater… Aufbau, aber bitte ohne die Betonangst „Brüchiger Baumodernismus“, denn noch einige andere Bauwerke der Stadt stehen unter Beobachtung wegen des modernen Materials. Die Hochschule in Darmstadt nimmt sich der Sorgen dann an: „Das geschwungene Dach wird wie eine Brücke über der Halle schweben, auf zwei superstarken Pfeilern ruhen. Das flache Dach des Auditoriums wird verstärkt und hat mit der Auster darüber keine Verbindung mehr.“ Das ist genau die Konstruktion, wie sie Architekt Hugh Stubbins ja ursprünglich auch vorgesehen hatte, ohne brüchige Hilfsstützen…

Am 9. Mai 1987 wird die Kongress Halle wiedereröffnet. Pünktlich zur 750 Jahr-Feier Berlins. 1988 findet dann die Kongresshalle zu einer neuen Aufgabe. Sie wird zu dem Haus der Kulturen der Welt GmbH Seitdem finden dort wieder Ausstellungen statt und zeitgenössische Künste haben hier einen Platz. Es wird debattiert und es werden Zusammenkünfte organisiert. Die Berliner nutzen wieder das Lokal auf der Dachterrasse oder an der Spree. Es finden Musikabende dort statt und man kann immer noch das Dach bewundern, das fast so schön ist wie vor dem Zusammenbruch. Es ist dort bunt, weltoffen und unterhaltsam, geht wissenschaftlich und genussvoll zu.

Der 12tel Blick

ich mache meine Bilder immer Mitte des Monats. Es war kalt an dem Tag als wir im Tiergarten an der Spree standen. Und gerne verlinke ich wieder bei Eva und ihrem Blog Verfuchst und zugenäht.

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