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Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

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Kreuzberger Wein { 12tel Blick Februar 2020}

Kreuzberger Wein und der Viktoria Park

Glaubst du nicht? Ist aber so. Es gab ein Wein vom Kreuzberg. Aber wie es dazu kam,  erzähle ich dir gleich. Erst einmal, knüpfe ich an den 12tel Blick vom Januar an.
Nun hatten die Berliner eine tolle Domspitze, ohne Kirchenschiff, mitten auf einem großen Berg. (Du erinnerst dich, ganze 66,11 m hoch). Aber das reichte noch nicht. Ein schicker Park sollte noch drumherum entstehen. Friedrich Schinkel hatte sich da so seine Gedanken gemacht. Aber erst 70 Jahre nach seinen Ideen entstand ein Park auf dem sandigen Hügel nach den Plänen von Hermann Mächtig. Ein Volkspark, wie der Tiergarten oder der Friedrichshain, sollte es werden. Zu Ehren der Königin wurde der Viktoria Park 1894 eröffnet. Der Park hat einen gebirgsähnlichen Charakter. Es gibt kleine, und einen großen Wasserfall (24 Meter). Es blubbern sogar einige kleine Quellen. Manche Wege sind hübsch verschlungen und es gibt große Wiesen und mächtige Bäume. Und an einem Nordhang des Kreuzberg wächst in einer Gärtnerei (heute wieder) Wein.

Nun hieß der Stadtteil von Großberlin aber immer noch nicht Kreuzberg. Erst 1921 erhielt die Luisenstadt den Namen Kreuzberg, nach dem Denkmal auf der Erhebung.

 

Um den Kreuzberg drumherum

Auch davon hatte ich in meinem letzten Post schon erzählt. Die vielen Einwanderer brachten viel handwerkliche Fähigkeiten mit. Vor allem im Bereich des Textil- und Bekleidungsgewerbe siedelten sich einige spätere Fabrikanten an dem Ufer der Spree an. Mit ihrem weichen Wasser, war die Spree optimal. Aber auch Töpfereien entstanden. Unter anderem ein Betrieb der sich auf Ofenbau (Zimmeröfen) spezialisierte. Gleichzeitig produzierte die Firma von Tobias Christoph Feilner glasierte Ziegel, die Farbe in die unverputzten Backsteinbauten brachten.

Carl Friedrich Schinkel wünschte sich, dass viel mehr Bauten damit verziert werden sollen. So entstanden einige Schulen, Kasernen, Hospitäler und Bahnhöfe mit diesen hübschen farbigen Verblendsteinen, die man immer noch in der Stadt finden kann. Kreuzberg ist ein Bezirk der Arbeiter und Fabriken. Auch wenn man es den herrschaftlichen Häuser von außen kaum ansehen kann, auf den Hinterhöfen (manchmal bis zu 6 an der Zahl), herrschte starke Betriebsamkeit, brodelte das Leben, florierten die Fabriken.

Damit die Handwerker auch genügend Material bekommen konnten, und Berlin den Anschluss an die Welt nicht verlor wurden einige Bahnhöfe und vor allem Bahnlinien gebaut. Ein besonders imposanter Bau war der Anhalter Bahnhof. So wurde das rohstoffarme Berlin zu einem Knotenpunkt Mitteleuropas. Dabei spielte auch das Gleisdreieck eine große Rolle.

Technische Entwicklung

1816 wurde ein Mann in der Nähe von Hannover geboren, der ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung Berlins spielte. Werner Siemens wurde durch den Militärdienst nach Preußen verschlagen, wobei er mit der Entwicklung des Telegrafenapparates betraut war. Scheinbar gefiel es ihm in dem quirligen Berlin. Er gründete  1847 mit dem Mechaniker Johan Georg Halske die Telegrafenbauanstalt Siemens & Halske in der Nähe vom Anhalter Bahnhof. Zwei Jahre später war der Betrieb schon mit 25 Arbeitern die größte mechanische Werkstatt Berlins und 1851 waren die Räume zu klein geworden, um für Feuerwehr, Polizei, Bahn und wer weiß für wen noch alles, Telegrafensysteme zu bauen. Nebenbei erfand Siemens auch noch die Dynamomaschine. Strom war für Berlin eine Bereicherung. Siemens und Halske entwickelten später eine elektrische Lok und sorgten dafür, dass in Berlin eine Untergrundbahn (U-Bahn) gebaut wurde.
Aber nicht nur die Technik machte Siemens bekannt. Er engagierte sich auch im Sozialen. Er richtete Pensionskassen für seiner Arbeiter ein, damit sie sich immer mit ihrer Firma identifizieren können.
1903 erhielt Siemens den Auftrag, die Beleuchtungsanlage für den künstlichen Wasserfall am Kreuzbergdenkmal wieder herzurichten.

Jetzt habe ich wieder die Kurve zu meinem Blick bekommen. Ich habe dir eine Menge aus der Stadt und insbesondere von Kreuzberg erzählt. Es hat dir hoffentlich wieder Spaß gemacht, etwas über meine Stadt zu erfahren.  Den Blick verlinke ich wieder zu Evas 12tel Blick. Ach ja, der Wein! Den gibt es noch heute. Ich selber habe ihn noch nie probiert, er soll nicht besonders süß sein. Aber es ist eine Rarität und man kann ihn nicht kaufen, man bekommt ihn nur geschenkt.

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Kreuzberg, ein Teil Berlins (12tel Blick 2020)

Kreuzberg, ein Stadtteil von Berlin

Ich will dir heute wieder ein Stadtteil von Berlin vorstellen. Meinen Blick habe ich auf den Kreuzberg gerichtet. Und Ich  ich werde dir einiges über den Berg selber und noch mehr über die Bewohner Berlins erzählen.

Im 17. Jahrhundert war Kreuzberg noch Weideland vor den Stadtmauern Berlins und hieß Luisenstadt. Die dort ansässigen Bauern waren Hugenotten, die wegen ihrem Glauben aus Frankreich geflüchtet waren,  die ersten Bewohner. Friedrich der III. fand es prima, dass sich Einwanderer als gut ausgebildete Handwerker, vor den Toren der Stadt niederließen. Wie immer fehlte es an guten Handwerkern (So wie heute auch) Die Berliner fanden das aber gar nicht witzig, da das Fürstenhaus den Hugenotten einige Privilegien zugestand. Die Berliner beschimpften die Einwanderer als Paddenschlucker (Froschfresser) und noch so einiges mehr.

Das hielt die Adoptivkinder Preußens aber nicht davon ab, weiterhin nach Berlin zu strömen. Französisch wurde bald nicht nur am Hofe, sondern auch in der Stadt gesprochen. Etepetete (être peu-têtre), Muckefuck (mocca faux) und todschick (tout chic), mutterseelenallein (moi tout seul), ratzekal (radical) waren Worte, die man überall hörte und immer noch hört.

Die Vorstadt

Das Bild der Vorstadt prägten Gärten. Die Franzosen machten es vor, die Berliner/Brandenburger nahmen es an und verfeinerten es. Es entstanden Gewächshäuser und Obstgärten. Es tauchten Gemüsesorten auf, die waren den Einheimischen noch gar nicht bekannt. Grüne Erbsen, Spargel, Blumenkohl und Maulbeerbäume, bis hin zu Orangen- und Zitronenbäume und Artischocken. Die Gärten waren bemerkenswert. Einige Straßen Berlins tragen tatsächlich auch noch Namen, die an die Gärten erinnern. So hieß zum Beispiel die Oranienstraße bis 1894 Orangenstraße. 

Erst als Napoleon Berlin besetzt hielt, streiften die Hugenotten ihre französische Identität ab. So wurde aus Henri Lejueune Heinrich Junge, aus François Chanille Franz Schnalle und aus Charles Leclerc Karl Klericke. Namen, die man immer noch in der Stadt lesen kann. Seitdem sich Napoleon in Berlin aufhielt, wurde auch kein französisch mehr gesprochen!

Noch mehr Einwanderer strömen in die Stadt

Es blieb aber nicht bei den Franzosen, die Böhmen tauchten ebenfalls als Flüchtende vor den Toren der Stadt Berlins auf. Nur wollte die keiner haben, da sie Hungerleider waren, die nur bettelten. Doch auch unter den Böhmen waren Handwerker, vor allem in der Textilverarbeitung. Der König hatte ein Einsehen und gab den frommen Menschen ein Stück Land und etwas Geld, damit sie ein Schul- und Predigerhaus bauen können. Die Berliner blieben dabei, auch diese Flüchtenden zu beschimpfen “Hundsfötische Kollonisten”, eine der liebevollen Bezeichnungen. Die Böhmer haben sich lange Zeit nicht in dem Leben der Berliner integriert. Sie sprachen lange ihre eigene Sprache und heirateten auch nur untereinander.

1725 war jeder sechste Einwohner Berlins Soldat. Preußen hatte das viert größte Heer in Europa. Die Soldaten wurden in den Privathäusern der Bürger untergebracht und es gab nur wenige Ausnahmen. Erst später wurden Kasernen gebaut und die Bewohner atmeten vermutlich auf, die Soldaten nicht mehr durchfüttern zu müssen. Aber den Soldaten erging es trotzdem nicht gut. Sie wurden misshandelt und mussten unendlich viel exerzieren. Viele desertierten. Ein Grund mehr, dass eine Stadtmauer errichtet wurde, um die Männer in der Stadt zu halten. Die Namen einiger U-Bahnhöfe erinnern noch an die Stadttore. Aber dazu demnächst mehr.

Der Kreuzberg

Ist tatsächlich sagenhafte 66,11 Meter hoch! Er ist eine natürliche Erhebung und gehörte zu den Tempelhofer Bergen. Im Jahr 1290 befand sich eine Lehmkute, eine Ziegelei am Fuße des Hügels. Betrieben wurde die Ziegelei von Tempelrittern, die sie Franziskaner Mönchen als Geschenk übergaben. Auf dem Hügel wurde viele Jahre später, über 200 Jahre lang, Wein gezogen (1533). Zwischendurch gab es den Versuch dort Maulbeerbäume wegen der Seidenraupenzucht zu ziehen. Der kalte Winter 1739/40 machte auch dem Wein den Garaus.

Von der Höhe des Berges wurde die Stadt Berlin beschossen. Ein Kurfürst rettete sich auf den Hügel, weil ihm ein Unwetter mit einer Sintflut vorhergesagt wurde. Friedrich Wilhelm der III. ließ “Lärmkanonenschanzen” als eine Befestigungsanlage auf dem Kreuzberg errichten, um Berlin von Napoleon zu befreien. 1817/18 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag ein Monument auf dem Kreuzberg zu errichten. Zur Erinnerung an  die gewonnen Siege über Napoleon. Ursprünglich wollte Schinkel einen ganzen Dom auf dem Berg errichten, aber das Geld war mal wieder zu knapp, weshalb es nur zu einer Domspitze reichte. Trotzdem zog das Denkmal täglich viele Menschen an.

Das war der Anfang meiner 12tel Blick Serie aus Kreuzberg. Mein Blick geht von der Kreuzbergstraße nach oben zum Denkmal. Und der zweite Blick schweift vom Denkmal über den Stadtteil Kreuzberg bis nach Mitte. Bei gutem Wetter vielleicht noch etwas weiter.
Noch mehr tolle 12tel Blicke findest du bei Eva von Verfuchst und Zugenäht

Vieles was du hier zu lesen bekommen hast, stammt aus dem Buch kleine Kreuzberggeschichte von Martin Düspohl. Herausgegeben vom Berlin Story Verlag.

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Charlottenburg im Dezember 2019

Der 12tel Blick im Dezember

Ich kann es immer gar nicht fassen, wie schnell die Monate an mir vorbei streichen. Jetzt ist schon wieder Ende Dezember und ich bin ´noch den 12tel Blick vom November schuldig. Lässt sich aber ziemlich schnell nachholen. Der November war am Ende recht diesig und ungemütlich. Aber der Weihnachtsmarkt vor dem Schloß war schon aufgebaut.

Schlossstrasse in Charlottenburg

Am anderen Ende der Schlossstraße geht es nach links in den Otto-Grüneberg-Weg. Dort hinter einer Schule steht eine alte Villa. Die Villa der Oppenheims. Die steht dort seit 1881 und trug mal den schönen Namen Villa “Sorgenfrei”. Damals lies Otto Georg Oppenheim das schmucke Haus als Sommersitz errichten. Bevor die Villa dort errichtet wurde, stand dort schon einmal ein eindrucksvolles Haus, das den Mendelsons gehört hatte. Gleich neben der Villa kann man in dem Schustehruspark spazieren gehen. Der Park ist ein Teil der Gartenanlage der Oppenheimers. Allerdings möchte ich nicht mit dir durch den Park, sondern dir von dem Haus und seinen Bewohnern erzählen. Otto Oppenheim hatte ein ziemlich großes Herz und wies an, dass jedem Bettler der an seine Tür klopft, eine Mark zu schenken. Das führte dazu, dass die Schlange vor seinem Haus so lang wurde, dass der Verkehr auf der Straße zum erliegen kam. Die Polizei bat den Freizügigen darum, andere Wege zu finden, die Armen zu unterstützen.

Inzwischen ist aus der Villa ein Museum geworden und wer mag, bekommt dort auch in dem Hausinternen Café einen leckeren frischen Kuchen nebst Kaffee. In den Räumen der Villa kann man sich schöne Kunstwerke anschauen. Wenn man vor dem Haus steht, dann kann man fast ahnen, wie es dort in Charlottenburg zur Jahrhundertwende ausgesehen haben mag. Doch hat das Haus nicht nur Schönes gesehen. Zwischenzeitlich war es sogar ein Seuchenlazaret, davor war die Villa mit der neben an entstandenen Schule verbunden. 1945 verlor das Haus sein Dach bei einem Luftangriff, Jahrelang blieb ein Flachdach der Abschluss des Hauses. 2012, nachdem es umfassend saniert wurde, wurde es zum Museum. Eines kann ich bestimmt sagen, der Kaffee ist wirklich gut!

Der Dezember Blick hinter das Schloss

Das ist nun der letzte Blick in diesem Jahr auf den “Hinterhof” des Charlottenburger Schloss. Ich fand es eine tolle Serie und habe mir auch schon Gedanken um ein Nachfolge-Objekt gemacht. Ich werde dir jeden Monat etwas aus dem Kreuzberger Kiez erzählen. Ein passendes Objekt habe ich mir auch schon ausgesucht.

Die Spree werde ich allerdings vermissen. Schade finde ich, dass mir 3 Monate der Blick verbaut war, weil die Brücke saniert wurde. Auch fehlte der Blick auf einen der Dampfer, die mehrmals am Tag unter der Brücke durchfahren.

Ich freue mich schon auf ein neues Jahr mit Dir, Eva von Verfuchst und zugenäht  und den Blick auf meine Stadt. 12 mal den Blick schärfen, finde ich eine gelungene Aktion.

Morgen haben wir die erste leere Seite eines 365 Seiten leeren Buches – machen wir ein gutes Buch daraus.

Brad Paisley, Country-Sänger

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In Charlottenburg nix los {12tel Blick}

In Charlottenburg nix los

Der Blick auf (mein) Schloss in Charlottenburg, kommt mal wieder etwas verspätet. Ich will mich gar nicht herausreden. Am letzten Wochenende hat mich der Kerl zu meinen Blickpunkten gefahren und ich konnte bei denkbar ungünstigstem Wetter die drei Bilder machen. Bei dem Wetter hatten nicht mal die Spaziergänger Lust auf der Schlossstraße in Charlottenburg zu wandeln.

Bei einem solch tristen Wetter bleibt man am Besten ohnehin auf der Couch sitzen, wenn man es kann. Nix los auf den Parkwegen. Dabei kann es richtig schön sein, mit Gummistiefel und Regenschirm durch den Park des Schlosses zu laufen.

Die Gärtner des Schlosses haben bestimmt eine Menge zu tun, so dass sich keiner bemüssigt fühlt, hier mal die Hecke kurz zu schneiden. Wie soll ich da einen ordentlichen Blick hin bekommen. So geht das nicht. Wo kann ich mich beschweren? Aber irgendwie hat dieser Blick auch seinen Charm, oder?

Die Brücke ist fertig!

Drei Monate hat es gebraucht, die Brücke über die Spree fertig zu stellen. Wie immer, wenn etwas aufgerissen wird, findet man eine weitere Katastrophe. Die Bauwerke in unserer Stadt haben teilweise schon eine Menge Jahre auf dem Buckel. Einiges braucht halt dann etwas mehr Aufmerksamkeit. Ich bin wirklich schon darauf gespannt, was sie noch entdecken werden, wenn sie Rudolf-Wissell-Brücke neu bauen. Zum Glück habe ich mir einen weit entfernten neuen 12tel Blick ausgesucht.

Zum November-Blick, werde ich dir wieder etwas über Charlottenburg schreiben. In diesem Monat kamen keine Ideen, in meinem verklebten Rotznasen-Hirn an. So lange musst du eben nur mit den Bildern vorlieb nehmen. Und wenn du nicht genug bekommen kannst, von den Aussichten, dann schau einfach mal bei Eva vorbei. Die sammelt nämlich unsere Beiträge, auf ihrem Blog Verfuchst und Zugenäht. Oder du liest dir meine vergangenen Post zu den 12tel Blicken noch einmal durch… Es sind ja erst fünf Jahre 😄

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Marathon in Berlin {12tel Blick September 19}

Marathon und der SCC

Ende September ist Berlin immer auf den Marathon geeicht. So viele Straßen sind dann gesperrt und der gemeine Berliner kennt seine Schleichwege. Alle anderen, sollten mit dem Auto besser zu Hause bleiben!
Seit 1974 laufen die Jogger durch Berlins Straßen. Anfangs noch in dem geteilten West-Berlin und seit 1990 auch durch die wiedervereinigte Berliner Mitte. 1974 nannte man den Lauf noch Volkslauf, inzwischen hat der Lauf so viele Sponsoren. Der Größte darf seinen Namen vornean stellen, weshalb der Lauf offiziell BMW Berlin Marathon  heißt. Aber schon immer hat ein Verein seine Finger beim Marathon oder Volkslauf im Spiel, der SCC. Der Charlottenburger Sport Club. (Jetzt habe ich die Kurve…😄)

Der Charlottenburger Sportclub

Der SCC, damals noch ChSC 02, wurde 1902 in Charlottenburg, in einer Kneipe ( wie soll es anders sein!) Namens Eckmann’s Tanzinstitut, gegründet. Ein gewisser Paul Martin und seine 15 Freunde hatten sich in den Kopf gesetzt, einen Sportclub zu gründen. Sie hatten kurz vorher ein Barlaufspiel in der Radrennbahn Halensee (die ist längst nicht mehr gibt) gesehen. Angetan von dem Sport beschlossen sie, selber einen Verein zu gründen.
1909 leierten die Mitglieder dem Bürgermeister ein Grundstück in Witzleben (da steht das ICC heute drauf) aus den Rippen und bauten in Eigenleistung die erste Aschenbahn mit Überhöhung in Deutschland. Das Besondere, war eine Duschanlage, ein auf einem 3 m hohen Gerüst verankerter Tank, aus dem nach Betätigung einer Reißleine, eiskaltes Wasser lief. 1910 wurde der Sportplatz (schon) mit einem riesigen Sportfest eingeweiht. Bis 1908 war das Barlaufspiel und die Athletik noch die Hauptabteilungen, dann kam der Fußball dazu und das Barlaufspiel verschwand.

1911 verband sich der Sport-Club Westen 05 mit dem SCC. Sie erstellten ein gemeinsames Vereinswappen, das heute fast noch genauso aussieht. Nach der Verbindung waren die Sportler sehr erfolgreich. Aber dann kam der erste Weltkrieg. Die Mitglieder wurden eingezogen. Der Verein hielt aber mit den Soldaten durch eine Feldpoststelle Kontakt.

Nach dem Krieg, kam die Inflation und trotzdem stiegen die Mitgliederzahlen. Die Sportler  brauchten mehr Platz. Aber Sportplätze waren kaum vorhanden. Durch etliche Behördengänge und Verhandlungen, leierte der Verein der Stadt ein Grundstück an der Avus aus den Rippen.
Auf diesem Gelände bauten die Mitglieder, wiederum in Eigenleistung, ein Stadion. Am 26. Juni 1926 wurde das neue SCC-Stadion an der Avus feierlich eingeweiht. Der Club verfügte nun über eine 400 m Bahn mit Spielfeld, drei Fußball bzw. Handballplätze, 8 Tennisplätze und einen Hockeyplatz. Das Tribünengebäude hatte über 1.600 Sitzplätze und enthielt Umkleide-, Büro- und Clubräume. Ein paar Wochen nach der Stadioneröffnung wurde der Lange Lulatsch (Berliner Funkturm) unmittelbar neben dem Stadion eingeweiht.

Schon wieder neu

Nicht lange, währte die Freude über das neue Stadion, denn die Messe nebenan wollte das Grundstück wieder haben, um dort Messehallen zu bauen. Erneut bauten die Mitglieder ein Stadion. Das heutige Mommsenstadion. 1929 hing das schwarze C über dem Eingang und der Sportbetrieb konnte weitergehen. Bis heute werden die Sportanlagen intensiv genutzt.

Nach 1945 waren sämtliche Sportvereine in der Stadt verboten. Der SCC hatte allerdings etwas Glück, da in dem Vereinsnamen der Bezirk enthalten war. Dadurch konnte der eingeschränkte Sportbetrieb als Sportgruppe Charlottenburg wieder aufnehmen. Erst nach der politischen Teilung Berlins, gab es offiziell wieder den Sportclub Charlottenburg. Die Sportveranstaltungen nahmen wieder Fahrt auf. Wenn auch in abgespeckter Form, da ja nun der Osten nicht mehr zur Verfügung stand.

Im Laufe der Jahre veränderten sich die Wettkämpfe, wurde mehr zur Belustigung der Zuschauer und die Mitglieder arbeiten nicht mehr auf der freiwilligen Basis. Der Verein brauchte dadurch mehr Geld, das heute die Sponsoren liefern. So steht eben, neben dem Berlin-Marathon, der Name eines Autobauers.

Jetzt bleibt mir nur noch meinen 12tel Blick bei Eva zu verlinken, Leider ist die Baustelle auf der Brücke immer noch nicht abgeschlossen. Vielleicht schaffen sie es zum Oktober. Aber meine Serie ist leider futsch. Zumal sie mir auch noch einen Bauzaun vor die Nase das Objektiv gestellt haben.

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