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Frauen in Kreuzberg {12tel Blick Juni}

Frauen in Kreuzberg

Es ist wieder so weit, ich will dir etwas aus meiner Stadt erzählen. Dieses mal habe ich das Thema Frauen in Kreuzberg ausgesucht. Natürlich lebten und leben in jedem Bezirk spannende Frauen. Da es sich in meinem 12tel Blick um Kreuzberg dreht, bleiben wir bei den Frauen, die hier etwas besonderes veranstaltet haben. Nicht alles war gut. Es gab auch einige Frauen, die sich verkauft und andere denunziert, gemordet und geklaut haben. Ich habe allerdings nur eine von vielen herausgesucht:

Die Frau, die ich heute vorstellen möchte ist Lina Bauer (spätere Morgenstern). Sie wurde am 25. November 1830 in Breslau als drittes von sechs Kindern geboren. Sie stammt also aus Schlesien, (was für eine Überraschung… Ich hatte hier schon davon erzählt, wie viele Menschen in die große Stadt strömten). Als Kind einer jüdischen Fabrikantenfamilie ging sie zu einem liberalen Rabbiner in den Religionsunterricht.

Doch damit wollte sie sich nicht zufrieden geben und studierte selber Literatur und Kunstgeschichte. Außerdem erhielt sie privaten Unterricht in Sprachen, Musik und Gesang. Sie begann sich mit 18 für Politik zu interessieren und gründete mit Freundinnen den „Pfennigverein zur Unterstützung armer Schulkinder“, der Schulbücher, Kleidung  und Schulmaterial für bedürftige Kinder sammelte.

Ab nach Berlin

Die junge Lina Bauer traf den armen polnischen Juden Theodor Morgenstern und 1854 war sie zum Missfallen ihrer Eltern mit ihm verheiratet. Scheinbar hielten es die Beiden nicht in Breslau aus, weshalb sie nach Berlin gingen. Doch auch da verdiente Theodor nicht mehr Geld, doch Lina hatte eigene Ideen. 1859 bekam sie ihr erstes Kind und weil sie scheinbar damit nicht ausgelastet war, gründete sie den „Berliner Frauen-Verein zur Beförderung der Fröbel’schen Kindergärten“ und später den ersten Berliner Kindergarten nach Ideen des Reformpädagogen Friedrich Fröbel.

Ein bisschen gewagt, denn seit 1851 waren Kindergärten von der preußischen Regierung verboten. Die Theorien des Herrn Fröbel ( Selbstständigkeit fördern, spielen bildet,…) widersprachen dem Gedanken der Preußen, selbstständige und -denkende Einwohner zu verwalten.

Zwei Jahre später hob die preußische Regierung das Kindergartenverbot auf und sofort gründete Lina Morgenstern den ersten Fröbelschen Kindergarten. Genau am Fuße des Kreuzbergs. Ein Idyll mit Obst- und Laubbäumen, Kühen und Hühnern. Täglich kam ein Arzt vorbei und die betreuten 20 Kinder fanden hier viel Platz zum spielen. Die Kinder wurden nach ihrem Entwicklungsstand und ihren Fähigkeiten gefördert.

Volksspeisungen

Lina Morgenstern war damit aber immer noch nicht zufrieden. Sie gründete auch den Verein der Berliner Volksküchen. Für kleines Geld (25 Pfennige), bekam man dort eine ordentliche Portion. Schon bei der Eröffnung wurden zwischen 11 und 13 Uhr 400 Personen in den, für diese vielen Menschen zu kleinen Räumen, versorgt.

Die Speisen mussten so besonders sein, dass Lina später ein Kochbuch heraus gab. Die Volksküchen trugen sich selber, Verwaltung, Leitung und Essensausgabe oblag jungen Bürgerinnen, die sich in neuen Pflichten üben sollten. Bis zur Jahrhundertwende entstanden sieben Volksküchen in Kreuzberg und noch mehr in der ganzen Stadt. Das Konzept ging so gut auf, dass Lina bald schon den Spitznamen Suppenlina erhält.

Sie bleibt aber nicht die Suppenlina, 1868 gründet sie die Akademie zur Fortbildung junger Damen, 1873 den Berliner Hausfrauenverein. Von 1874 an gibt sie die Deutsche Hausfrauen-Zeitung heraus. Als radikal wird diese Zeitung innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung genannt. Sie fordert die politische Gleichberechtigung von Frauen.
Als sich 1894 der Bund deutscher Frauenvereine gründet, setzt sich Lina vergeblich für die Aufnahme der Arbeiterinnenvereine ein. Sie lässt sich damit aber nicht aus dem Konzept bringen und spricht vor 1800 Delegierten aus aller Welt auf dem auf dem ersten Internationalen Frauenkongress in Berlin.

Ihr Leben

Lina Morgenstern hat ihr ganzes Leben dem sozialen Gefüge und  Frauenrecht gewidmet, ganz nach dem jüdischen Gebot der Gerechtigkeit ( Dem Bedürftigen die Möglichkeit zu geben, sich selbständig zu ernähren: Hilfe zur Selbsthilfe. Wohltätig sein in einer Weise, dass der Spender und der Bedürftige nicht voneinander wissen. Der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme erfährt nicht von der Identität des Spenders. Der Gebende kennt nicht die Identität des Bedürftigen, aber dieser kennt den Spender. Geben, bevor man gebeten wird. Geben, nachdem man gebeten wird. Zwar nicht ausreichend, aber mit Freundlichkeit geben.)

Am 16. Dezember 1909 verstarb sie in Berlin. Ihr Grab findet man auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.

Wieder habe ich dir etwas über meinen Bezirk Kreuzberg erzählt. Die Bilder gehen wieder zum 12tel Blick, den Eva auf ihrem Blog Verfuchst und zugenäht sammelt.

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Mitte Juni {12von12}

Mitte Juni

Ist es schon wieder so weit? Fast schon wieder Mitte Juni? Und mein Urlaub ist auch schon fast wieder vorbei. Egal, jetzt genieße ich erst einmal meinen Kaffee. Und blättere noch ein bisschen in meinem neuen Strickbuch.

Mein BuJo wurde diese Woche vernachlässigt. Dabei war sie doch so entspannt, die Woche. Während mein Kaffee kalt wird, kann ich einiges nachtragen.

Der Kerl wünscht sich einen Kaffee. Dann mache ich ihm doch gerne einen. Am liebsten trinkt er ihn schwarz. In einem Café würde er wohl einen Americano bestellen.

Kaffee für den Kerl

Im Grunde wäre heute Hemdenwaschtag. Aber scheinbar wird meine Arbeit vereitelt. Mit vorwurfsvollem Blick werde ich vom Wäscheberg vertrieben.

Ich sitze in der Sonne und grübel über Maschenproben nach. Zwischendurch habe ich die Rosen beschnitten und mir einen zweiten Kaffee gemacht.

Allerlei

Die Zeit vergeht manchmal viel zu schnell. Ich bin doch verabredet! Und so spurte ich mit dem Fahrrad los. Beim fotografieren, fahre ich fast in ein parkendes Auto. Weg mit dem Spielzeug…

Auf dem Markt steht immer ein guter Espressowagen. Die machen wirklich ganz leckeren Kaffee. Ausserdem, baruche ich dort keine Maske hervor zu kramen. Ein süßes Teilchen noch vom Bäcker …husch husch zum Treffpunkt

Wer soll es glauben. Die Freundinnen sind noch gar nicht auf dem Platz. Dann machen Karminchen und ich es uns eben erst einmal alleine bequem. Auf dem Mäuerchen muss ich mein Franzbrötchen gegen Maus und Spatz verteidigen.

Wieder zu Hause, ist das Monstermädchen da. Sie hat ihr Paket zu uns senden lassen. In der Post anzustehen, dazu hat doch heute keiner Lust. Die Katzen sind wieder sehr neugierig.

“Hast du es eilig? Oder isst du noch mit uns” Klar bleibt das Monstermädchen zum Essen. Tortelini mit Tomatensoße und frischem Salat aus dem Garten, kann man eben nicht widerstehen.

Danach noch einen Spaziergang zur Lieblingseisdiele. Gebrannte Mandel gibt es heute. Und Orange, die isst der Kerl so gerne, ist aber nicht immer im Angebot.

Ich warte die ganze Zeit, dass es regnet, weshalb ich heute keine Radtour gemacht habe. Aber außer winzigen Tröpfchen, passiert nichts. Jetzt muss ich wohl doch noch gießen.

Mehr 12von12 Bilder und Tagesabläufe findet man bei Draußen nur KännchenJeden Monat versuche ich dabei zu sein. Nicht immer klappt es.

 

 

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Ein Tag wie jeder andere {12 von 12 im Mai}

Ein Tag wie jeder andere

12 Bilder von meinem Tag. Eigentlich ein ganz normaler Tag. Ein Tag wie jeder andere eben. Zur Zeit habe ich ohnehin das Gefühl, dass alles gleichläuft. Nicht dass ich mich langweilen würde…
12 Bilder vom 12. des Monats Mai sammelt mal wieder Draußen nur Kännchen. Nicht immer schaffe ich es dabei zu sein. Mal sehen, wie weit ich heute komme:

Natürlich starte ich mit einem Kaffee. Gemütlich in meiner Schlafanzughose, denn es ist heute sehr kalt.

Dann arbeite ich mein Bullett Journal auf. Ich notiere mir zu jedem Tag, was ich gemacht habe und vor allem, was besonders schön war. Gestern zum Beispiel habe ich einen Aquarellkasten von Magda vermacht bekommen 😊

Dann hat sich Toffie zum kuscheln auf meinem Schoß breit gemacht. Eigentlich wollte ich in meinem neuen Strickbuch blättern, dass ich gewonnen habe. Aber Katze geht nun einmal vor.

Zum Muttertag habe ich von dem Monsterjungen ganz besonders schöne Blumen geschenkt bekommen. Eigentlich habe ich keine Schnittblumen mehr in meiner Wohnung, weil die Katzen jedesmal an den Blüten knabbern. Die scheinen sie aber zu ignorieren. Vielleicht duften sie zu doll. Beschnitten mussten sie aber werden, damit sie länger halten.

Blogarbeit. Karminchen hilft mir dabei ein bisschen. Gestern schon habe ich 5 Stunden an einem neuen Post geschrieben. Erstaunlich, wieviel Zeit so ein Blog frisst.

Duschen musste ich natürlich auch noch. So viel Zeit habe ich dann doch nicht mehr. Ich muss ja heute noch zur Arbeit.

Aber für eine Waschmaschinenladung reicht es noch. Es wird wohl passen, dass ich sie noch aufhängen kann. Ich bin noch ein bisschen hin und her gerissen, ob ich heute mit dem Fahrrad fahre. Es ist so kalt.

Da fällt mir ein, ich habe ja das Geschenk für die Kollegin noch nicht eingepackt, die Geburtstag hatte. Zum Glück habe ich so viele hübsche Tüten. Ob ihr mein Geschenk gefällt? Ich hoffe doch.

Es wird Zeit, dass ich mein Abendbrot vorbereite. Dieses Mal habe ich noch etwas von meinem vegetarischen Gulasch übrig. Mit etwas Tomaten, frischen Champignons, Salat, Feta und gekochter Hirse, wird es mich heute Abend bestimmt satt machen. Wirfst du viele Lebensmittel weg? Oder findest du immer noch eine Verwertung?

Ich stricke jetzt noch ein bisschen an meinem Ufo weiter. Nervös sitze ich jetzt wie auf Kohlen. Manchmal schleicht die Uhr und manchmal hat sie es so eilig, dass man nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht…

Prima, die Waschmaschine ist doch noch fertig geworden, dann kann ich die Wäsche ja gleich aufhängen, bevor ich gehen muss. Strickzeug in die Ecke schmeißen, aufstehen, was tun. Dann geht die Zeit schneller vorbei.

Ich habe mich gerade für mein Auto entschieden. Vorausgesetzt es springt an. denn die Batterie ist zur Zeit ziemlich schlapp. Ich warte auf eine Neue. Mein Schrauber weiß bescheid. Es war schön mit dir, aber ich muss jetzt los zur Arbeit. Dahin kann ich dich nicht mitnehmen.

Meine 12 Bilder vom 12. Mai verlinke ich wieder bei Caro...

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Revolutionsgebiet Kreuzberg {12tel Blick April}

Revolution in Kreuzberg

Irgendwie waren die Menschen in Kreuzberg immer schon ein wenig auf Krawall und Revolution gebürstet. Vielleicht lag es an dem Zusammenleben der verschiedenen Menschen mit ihren Eigenarten, die sie aus ihren jeweiligen Kulturen mitgebracht haben. Eventuell lag es auch daran, dass schon 1863 der Allgemein Deutsche Arbeiterverein in der Gitschiner Straße gegründet wurde. Immerhin lebten in Kreuzberg überwiegend Arbeiter.

Im Mai 1868 fand im Tivoli auf dem Kreuzberg (du erinnerst dich, vom Tivoli hatte ich hier geschrieben) eine Volksversammlung gegen die Mietsteuer statt. Zur Reichstagswahl im Januar 1877 waren 22.000 Menschen im Tivoli dabei gewesen.  Eng an eng standen die Menschen, so dass man kaum den Arm heben konnte und lauschten dem in Berlin überaus beliebten Arbeiterpolitiker August Heinsch.
1878 starb August Heinsch an der Schwindsucht mit nur 31 Jahren. Sein Tod führte zu einer Beerdigungsdemonstration sonder Gleichen. Menschenmassen stehen dem Leichezug im Weg herum und weil es ein Verbot, Fahnen zutragen gab, war es fast unmöglich den Zug zu sortieren. Mit größer Verspätung setzte sich der Zug dann in Bewegung.

Randale und Revolution

Soldaten der Berliner Garnison durften einige Wirtschaften im Jahre 1878 nicht betreten, da dort die Sozialisten verkehrten. Es konnte aber auch sein, dass so mancher Sozialist einer “bürgerlichen” Kneipe verwiesen wurde. Bebel und Liebknecht wurde zum Beispiel angeraten, das Lokal am Moritzplatz zu verlassen, da Gäste sich über ihre Anwesenheit beschwert hätten. 
Immer wieder kam es zu Ausschreitungen gegen die Sozialdemokraten. Während einer Arbeiterfrauen und -Mädchenversammlung in einem zu kleinen Ballsaal, mussten die Männer den Saal verlassen. Als die Versammlung dann zu Ende war, die einfach gekleideten Frauen das Gasthaus verließen, traf sie ein Steinhagel. Zum Glück verletzte sich kaum eine der Frauen. Emma Ihrer war damals die Rednerin.

1882 wurde zehn Mitglieder der SPD ausgewiesen. Weshalb sich zu ihrer “Verabschiedung” 1000 Menschen im Wartesaal des Anhalter Bahnhofs drängten. Als es der Polizei dann zu bunt wurde, versuchte diese die Versammlung aufzulösen. Die Arbeiter antworteten mit der Arbeiter-Marsellaise und stürmischen Hochs. Das führte dazu, dass die Polizisten Frauen an den Haaren aus dem Gebäude zogen und sie ausgiebigen Gebrauch ihrer Plempe machten.

Revolution im Zeitungsviertel

Die SPD hatte ihren Hauptsitz in der Lindenstraße. Dort wurde auch der Vorwärts herausgegeben. Das Lokalblatt der Sozialdemokraten. 100.000 Exemplare wurden verkauft. Und vielfach nach dem Lesen weitergereicht. 1911 starb der Gründer Paul Singer des Vorwärts. Auch zu diesem Trauerzug strömten die Menschen aus allen Richtungen. Die Menschen verstopfen die Straßen rund um das Kottbusser Tor. Noch mehr Menschen hingen aus den Fenstern und warten auf den Trauerzug. Zu den Wartenden begleiten 150.000 Menschen  den Parteivorsitzenden auf seinem letzten Weg.

Am 9. November 1918 wurde der Kaiser zum Abdanken gezwungen. Es kam zum Spartakusaufstand, der um das Zeitungsviertel in der Kochstraße statt fand. Wer Macht haben wollte, der musste das Nachrichtenzentrum unter seine Kontrolle bringen. Augenzeugen berichteten davon wie das Verlagsgebäude des Vorwärts gestürmt wurde. 295 Menschen wurde gefangen genommen und auf dem Hof misshandelt und teilweise erschossen. Mit schweren Maschinengewehren wurden die Fenster zerschossen. Durch Granaten wurden Wände eingerissen,  Gasleitungen platzten, es breitete sich Feuer aus. Menschen die aus dem Gebäude flüchteten, liefen den Regierungstruppen direkt in die Arme.
Die Auseinandersetzungen zwischen KPD und SPD hielten an und erleichterten den Nazis den Weg zur Macht.

Gegen die Nazis

Es gab auch Revolutionen gegen die Nazis in Kreuzberg. Flugblätter, von Wolfgang Thiess von der Hochbahn am Halleschen Tor geworfen, Parolen an die Hauswände geschrieben, versuchten das Schlimmste zu verhindern. Es gab einige geheime Treffpunkte zum Austausch von Nachrichten. So z.B. in der Hornstraße 3, die Wohnung von der Studentin Ursula Goetze. Dort trafen sich Mitglieder der Roten Kapelle, eine der größten Widerstandsorganisationen.

Aber wie im ganzen Land, gab es nicht genug Revolution gegen die Nationalsozialisten. Auch in Kreuzberg wurden zu viele Menschen inhaftiert, misshandelt und gemordet. Von den 6.000 Juden die 1933 in Kreuzberg gelebt haben, waren bei Kriegsende nur noch 400 “übrig”. Geschützt durch arische Lebenspartner oder als U-Boote im Untergrund, haben sie überlebt. Tatsächlich durfte ich einen Menschen kennen lernen, der als U-Boot in Berlin gelebt hat. Isaak Behar hatte mir damals sein Buch geschenkt.

Mauerbau und 80er Jahre

Kreuzberg hatte Einiges abbekommen im Krieg. Einiges war zerstört und wurde notdürftig instandgesetzt, bzw. abgerissen und neu gebaut. Die Russen habe sich ihren Teil vom (Berliner) Kuchen abgetrennt und eine Mauer  (u.a. quer durch Kreuzberg) gezogen, die viele Berliner auf den Plan rief, um zu demonstrieren. Ein Ausschlag war wohl, als Peter Fechter mit einem Freund 1962 über die Mauer machen wollte, angeschossen wurde und vor der Mauer im Gebiet der DDR verblutete, ohne dass ihm jemand zu Hilfe gekommen wäre. Hunderte West-Berliner zogen am Abend durch die Straßen, Autos gingen in Flammen auf. Die Westberliner Polizei hatte Mühe die Grenze nach Ost-Berlin zu schützen. Eine Revolution!

1975 viel ein kleiner türkischer Junge (Ceti Mert) in die Spree, weil er seinen Ball aus dem Wasser fischen wollte. Die Spree galt als Grenzgebiet. Der Junge konnte von den Westberliner Rettungskräften nicht gerettet werden, weil die Spree extrem gut bewacht wurde und die Soldaten auf die Retter geschossen hätten. Erst eine dreiviertel Stunde später trafen die Ostberliner ein und bargen, eine weitere Stunde später, 5 Meter von der Westberliner Seite, die Leiche des Fünfjährigen. Die kleine Leiche wurde aber nicht den Eltern übergeben, sondern in die Ostberliner Charité gebracht. Erst Tage später durften die Westberliner Eltern ihren kleinen Jungen zurückbekommen, um ihn zu beerdigen. Das löste unter den Westberlinern große Proteste aus. 2.000 Menschen stellten sich wütend ans Spreeufer, mit Plakaten und Transparenten. Lautstark forderten sie “Nieder mit dem Mördersystem Kommunismus”. Beobachtet und dokumentiert von der Stasi auf dem Ostufer der Spree.

Ich habe dir jetzt so viel von den Revolutionen in Berlin erzählt. Dabei fehlt noch ein ganzes Stück zu diesem Thema. Aber das hier sollte erst einmal reichen. Im 12tel Blick Mai, geht es dann weiter. Dieser Blick geht nun zu Verfuchst und zugenäht, wo noch mehr Blicke zu finden sind. Einmal im Monat immer von dem selben Standort aus fotografiert, sieht man den Wandel der Zeit …

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Frohe Ostern {12von12 April 20}

Frohe Ostern

Trotz Ostern ist doch heute der 12. Und natürlich mache ich wieder gerne bei Draußen nur Kännchen mit. Mein Oster-Sonntag begann mit einem schnellen Kaffee, denn husch husch musste ich los zum Frühdienst. Die Straßen sind so leer und Sonnenaufgang inklusive.

Selbst auf der vielbefahrenen Yorkstraße, kein Auto in Sicht. Ich fahre mit meinen Fahrrad, mitten auf der Straße.

Mal sehen, wie es nach der Arbeit aussieht…

Selbst der Fahrradkäfig ist ziemlich leer. Ich habe aber keine Zeit darüber zu grübeln.

Dafür gibt es kaum Wäsche für mich.

Scheinbar herrscht heute bei mir die Farbe Rot vor… Vor der Übergabe einen Kaffee und Tee für den Tag.

Frühstücken mit Quark, Joghurt und verschiedenen Obst. Lecker, wie immer. Osterhasen gibt es auch. Aber nach meinem Schüsselchen geht keine Schokolade mehr rein.

Feierabend. Ich freue mich auf den Heimweg, denn es ist richtig schön warm. Nur die Sonntagsradfahrer sind etwas anstrengend.

Diese Baustelle wird nicht fertig. Zum Glück kann ich daran vorbei fahren. Mit dem Rad geht so etwas.

Oster-Cupcake’s vom Monstermädchen gebacken. Super lecker. Dazu noch ein Tässchen Kaffee.

Verdammt! Ich habe meine Tabletten vergessen. Wie war das, der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe? Ich werde es nie lernen!

Bis der falsche Hase fertig ist, gucken wir noch ein bisschen Fluch der Karibik. Disney sei dank…

Die Osterhasen halten so lange ein Schwätzchen.

Das war bis hierher mein  Ostersonntag. Zu Hause bleiben, geht bei mir (leider) nicht. Verlinkt mit der Zitronenfalterin und Draußen nur Kännchen

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Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

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