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Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

4+

Schon wieder Mitte März { 12von12}

Schon ist wieder Mitte März

Jetzt, Mitte März, bin ich wieder dabei. Letzten Monat hab ich glaube ich mit den 12 Bildern vom 12. ausgesetzt. Es klappt eben nicht jeden Zwöften. Draußen nur Kännchen, alias Caro, sammelt unsere Alltagsbilder auf ihrem Blog. Viel Spaß mit meinem Tag…

Kurz das BuJo bei einer Tasse Kaffee am frühsten Morgen auf Vordermann gebracht. Bujo schreiben ist bei mir einerseits ein Tagebuch und andererseits ein Kalender. Nebenbei male ich viel darin herum und es gibt verschiedene Notizseiten. Kennst du dich mit BuJo’s aus?

Dieses Buch, Rosie, hat mich gefesselt und liest sich so herrlich locker vor sich hin. Nebenbei bekomme ich viele Bücher im Buch vorgestellt, die alle auf meine Notizseiten im BuJo wandern. Wann ich das jemals lesen werde, das weiß ich nicht…

März-Wetter

Der März führt sich wie ein April auf. Dicke Wasservorhänge fallen vom Himmel. Ich würde so gerne draußen sitzen, aber bei dem Wetter! So lange kann das nicht mehr dauern…

Um mich von dem Corona-Wahnsinn mal ein wenig abzulenken und weil es die besten Frauenportaits weit und breit sind, lese ich die heutige Ausgabe Great Woman bei Astrid. Wieder sehr toll recherchiert. Hut ab vor so viel Arbeit.

Die Katzen brauchen Futter und wir brauchen Zutaten für einen leckeren Kuchen, den ich morgen backen möchte. In dem dritten Laden, nachdem Katzenfutter ohne Probleme zu haben war, bekam ich auch Zucker, für meine Bedürfnisse.

Ich hatte eine falsche Uhrzeit in meinem Dickschädel und wäre fast zu spät zum Massagetermin gekommen.

Mittag hatte ich ja nun verpasst, dann gibt es jetzt fettige und leckere Börek beim Türkischen Imbiss ums Eck.

Einen guten Kaffee und einen angeregten Strickplausch mit der Freundin, das geht immer zwischendurch. Alle Themen im Café drehten sich um den munteren chinesischen Keim. Jibbt ditt noch andere Themen?

Noch ein kurzer Spaziergang zur Biomilch. Dabei konnte ich Sonne tanken. Man könnte glatt schon draußen sitzen. Das haben ja auch schon einige Menschen gemacht. Wenn es doch bloß nicht so stürmisch wäre!

Kaum bin ich zu Hause, taucht die Freundin mit ihren neusten Errungenschaften auf. Fast kein einziges Model würde es auf meine Nadeln schaffen.

Endlich habe ich die Muse, meine Tomatenpflanzen zu säen. Ich habe die Tütchen bei einem Online-Händler erstanden und hoffe sie halten, was sie versprechen. Wenn alles klappt habe ich hängende Tomatenstauden. Schon der Gedanke macht mich glücklich.

Jetzt gebe ich meine Wolle noch bei Ravelry ein. Danach surfe ich noch ein bisschen im Netz und schaue bei einigen Samstagsplauschern vorbei. (Ich schaffe doch nicht alle, wie jede Woche. Aber versuchen tue ich es oft) Vielleicht schaffe ich auch noch ein paar 12von12er bei Caro.

Ich hoffe dir hat mein Tag gefallen und vielleicht hast du ja auch mitgemacht.

3+

Kreuzberger Wein { 12tel Blick Februar 2020}

Kreuzberger Wein und der Viktoria Park

Glaubst du nicht? Ist aber so. Es gab ein Wein vom Kreuzberg. Aber wie es dazu kam,  erzähle ich dir gleich. Erst einmal, knüpfe ich an den 12tel Blick vom Januar an.
Nun hatten die Berliner eine tolle Domspitze, ohne Kirchenschiff, mitten auf einem großen Berg. (Du erinnerst dich, ganze 66,11 m hoch). Aber das reichte noch nicht. Ein schicker Park sollte noch drumherum entstehen. Friedrich Schinkel hatte sich da so seine Gedanken gemacht. Aber erst 70 Jahre nach seinen Ideen entstand ein Park auf dem sandigen Hügel nach den Plänen von Hermann Mächtig. Ein Volkspark, wie der Tiergarten oder der Friedrichshain, sollte es werden. Zu Ehren der Königin wurde der Viktoria Park 1894 eröffnet. Der Park hat einen gebirgsähnlichen Charakter. Es gibt kleine, und einen großen Wasserfall (24 Meter). Es blubbern sogar einige kleine Quellen. Manche Wege sind hübsch verschlungen und es gibt große Wiesen und mächtige Bäume. Und an einem Nordhang des Kreuzberg wächst in einer Gärtnerei (heute wieder) Wein.

Nun hieß der Stadtteil von Großberlin aber immer noch nicht Kreuzberg. Erst 1921 erhielt die Luisenstadt den Namen Kreuzberg, nach dem Denkmal auf der Erhebung.

 

Um den Kreuzberg drumherum

Auch davon hatte ich in meinem letzten Post schon erzählt. Die vielen Einwanderer brachten viel handwerkliche Fähigkeiten mit. Vor allem im Bereich des Textil- und Bekleidungsgewerbe siedelten sich einige spätere Fabrikanten an dem Ufer der Spree an. Mit ihrem weichen Wasser, war die Spree optimal. Aber auch Töpfereien entstanden. Unter anderem ein Betrieb der sich auf Ofenbau (Zimmeröfen) spezialisierte. Gleichzeitig produzierte die Firma von Tobias Christoph Feilner glasierte Ziegel, die Farbe in die unverputzten Backsteinbauten brachten.

Carl Friedrich Schinkel wünschte sich, dass viel mehr Bauten damit verziert werden sollen. So entstanden einige Schulen, Kasernen, Hospitäler und Bahnhöfe mit diesen hübschen farbigen Verblendsteinen, die man immer noch in der Stadt finden kann. Kreuzberg ist ein Bezirk der Arbeiter und Fabriken. Auch wenn man es den herrschaftlichen Häuser von außen kaum ansehen kann, auf den Hinterhöfen (manchmal bis zu 6 an der Zahl), herrschte starke Betriebsamkeit, brodelte das Leben, florierten die Fabriken.

Damit die Handwerker auch genügend Material bekommen konnten, und Berlin den Anschluss an die Welt nicht verlor wurden einige Bahnhöfe und vor allem Bahnlinien gebaut. Ein besonders imposanter Bau war der Anhalter Bahnhof. So wurde das rohstoffarme Berlin zu einem Knotenpunkt Mitteleuropas. Dabei spielte auch das Gleisdreieck eine große Rolle.

Technische Entwicklung

1816 wurde ein Mann in der Nähe von Hannover geboren, der ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung Berlins spielte. Werner Siemens wurde durch den Militärdienst nach Preußen verschlagen, wobei er mit der Entwicklung des Telegrafenapparates betraut war. Scheinbar gefiel es ihm in dem quirligen Berlin. Er gründete  1847 mit dem Mechaniker Johan Georg Halske die Telegrafenbauanstalt Siemens & Halske in der Nähe vom Anhalter Bahnhof. Zwei Jahre später war der Betrieb schon mit 25 Arbeitern die größte mechanische Werkstatt Berlins und 1851 waren die Räume zu klein geworden, um für Feuerwehr, Polizei, Bahn und wer weiß für wen noch alles, Telegrafensysteme zu bauen. Nebenbei erfand Siemens auch noch die Dynamomaschine. Strom war für Berlin eine Bereicherung. Siemens und Halske entwickelten später eine elektrische Lok und sorgten dafür, dass in Berlin eine Untergrundbahn (U-Bahn) gebaut wurde.
Aber nicht nur die Technik machte Siemens bekannt. Er engagierte sich auch im Sozialen. Er richtete Pensionskassen für seiner Arbeiter ein, damit sie sich immer mit ihrer Firma identifizieren können.
1903 erhielt Siemens den Auftrag, die Beleuchtungsanlage für den künstlichen Wasserfall am Kreuzbergdenkmal wieder herzurichten.

Jetzt habe ich wieder die Kurve zu meinem Blick bekommen. Ich habe dir eine Menge aus der Stadt und insbesondere von Kreuzberg erzählt. Es hat dir hoffentlich wieder Spaß gemacht, etwas über meine Stadt zu erfahren.  Den Blick verlinke ich wieder zu Evas 12tel Blick. Ach ja, der Wein! Den gibt es noch heute. Ich selber habe ihn noch nie probiert, er soll nicht besonders süß sein. Aber es ist eine Rarität und man kann ihn nicht kaufen, man bekommt ihn nur geschenkt.

3+

Wirbeldecke, Flowerpower oder der Frühling kommt

Wirbeldecke und Flowerpower

Mit der Wirbeldecke läute ich jetzt mal den Frühling ein. Eine Breitseite Flowerpower… Nachdem das Wetter sich aufführt wie im April, habe ich beschlossen, dass es dann auch Frühling sein kann. Als ich versucht habe die Bilder zu machen, zogen immer wieder dicke graue Wolken auf und ließen wahlweise Regen, Schnee, Graupel oder was weiß ich noch auf mich nieder tropfen.

Aber wenn die Sonne sich kurz zeigte, dann leuchten meine gestrickten Wirbel förmlich auf. Und siehst du, die feinen wirbeligen (Blumen) Löcher? Seit ich diese Decke begonnen habe, habe ich immer wieder darüber gestaunt, wie hübsch die aussehen. Seit FÜNF Jahren, stricke ich nun schon an der Wirbeldecke. Es stecken 177 Stunden Arbeit in den hübschen Wirbeln und 3654 Meter Sockenwolle.

Dabei fühlt sie sich auch gar nicht so schwer an. Um es genau zu sagen, wiegt sie 840 Gramm. Das ist doch fast gar nichts. Ich decke mich sehr gerne mit ihr zu. Obendrein hat sie die Form eines Hexagons. Weshalb mein Kerl, am anderen Ende vom Sofa, auch noch einen Platz unter der Decke findet. Einmal quer gemessen, ist sie 180 cm breit. An den Seiten hat sie jeweils 100 cm.

Flowerpower

Warum ich sie jetzt nun unbedingt fertig machen wollte, lag an dem Monatsmotto von Andrea, der Zitronenfalterin. Da geht es um Flowerpower. Um das Aufhellen nach einem trüben Winter. Und das kann meine Decke. Sie ist einfach ein Stimmungsaufheller. Jeder Wirbel ein Sonnenschein.

Eigentlich heißt die Decke ja ganz anders. Aber seit Jahren nenne ich sie nun schon so. Farbwirbel Decke oder Modular Afghan. Sie wurde im Ursprung mit Norogarn gestrickt. Das Muster findest du in einem Buch von Noro. Farbe bekennen (Stricken mit Noro-Garnen), heißt es. Es ist im OZ Verlag erschienen. Aber auch das ist schon eine Weile her, weshalb man dieses Buch vermutlich nur noch gebraucht bekommen kann.

Ist das ansteckend?

Ich denke schon! Manchmal ist es einfach ansteckend, wenn andere sehen, was man so strickt. Ich habe die Schlemmerstrickerinnen mit der Wirbeldecke infiziert. Bei einem unserer Treffen, das ist auch schon eine laaange Weile her, brachten alle ihre Sockenwollreste mit und strickten einen Wirbel nach dem anderen. Dabei braucht ein Wirbel (bei mir) 32 Minuten. Ich habe es gemessen. Man strickt ihn mit 4 Nadeln. Chrissi hat es, glaube ich, mit einer Rundstricknadel versucht.

Allerdings weiß ich nicht, was bei meinen Schlemmerstrickerinnen daraus geworden ist. Mir ist so, als hätte Marion gesagt, dass sie auch wieder daran stricken möchte. Und Betty? Dann habe ich ganz vergessen, dass auch Magda diese Decke angenadelt hatte. Aber in ihrem Umzugsgedöns sind noch nicht alle Kisten befreit. Vielleicht taucht sie irgendwann wieder auf.

Die Decke lag nun schon so lange zwischen meinen Unfinished Objects (UnFertigen Objekten), dass ich sie auch getrost bei Annettes UFO-Linkparty einstellen kann. Fünf Jahre wuchs sie heimlich vor sich hin. Im Sommer, kann man sie kaum auf dem Schoß aushalten, weil sie wirklich warm ist. Aber soll ich dir was sagen? Ich werde weiterhin an ihr stricken. Immer mal ein bisschen. Ich habe ja noch so viele Sockenwollreste.

Noch einmal die Eckdaten

  • 3,5 Nadelspiel (Ich vorzugsweise aus Holz) aber nur 4 Nadeln
  • 3654 Meter Sockenwolle
  • 870 Gramm (zur Zeit!)
  • 177 Stunden Arbeitszeit (oder fünf Jahre)
  • pro Wirbel 32 Minuten
  • 332 Wirbel
  • Anleitung von Anna-Beth Meyer-Graham (Farbe bekennen)
7+

Kreuzberg, ein Teil Berlins (12tel Blick 2020)

Kreuzberg, ein Stadtteil von Berlin

Ich will dir heute wieder ein Stadtteil von Berlin vorstellen. Meinen Blick habe ich auf den Kreuzberg gerichtet. Und Ich  ich werde dir einiges über den Berg selber und noch mehr über die Bewohner Berlins erzählen.

Im 17. Jahrhundert war Kreuzberg noch Weideland vor den Stadtmauern Berlins und hieß Luisenstadt. Die dort ansässigen Bauern waren Hugenotten, die wegen ihrem Glauben aus Frankreich geflüchtet waren,  die ersten Bewohner. Friedrich der III. fand es prima, dass sich Einwanderer als gut ausgebildete Handwerker, vor den Toren der Stadt niederließen. Wie immer fehlte es an guten Handwerkern (So wie heute auch) Die Berliner fanden das aber gar nicht witzig, da das Fürstenhaus den Hugenotten einige Privilegien zugestand. Die Berliner beschimpften die Einwanderer als Paddenschlucker (Froschfresser) und noch so einiges mehr.

Das hielt die Adoptivkinder Preußens aber nicht davon ab, weiterhin nach Berlin zu strömen. Französisch wurde bald nicht nur am Hofe, sondern auch in der Stadt gesprochen. Etepetete (être peu-têtre), Muckefuck (mocca faux) und todschick (tout chic), mutterseelenallein (moi tout seul), ratzekal (radical) waren Worte, die man überall hörte und immer noch hört.

Die Vorstadt

Das Bild der Vorstadt prägten Gärten. Die Franzosen machten es vor, die Berliner/Brandenburger nahmen es an und verfeinerten es. Es entstanden Gewächshäuser und Obstgärten. Es tauchten Gemüsesorten auf, die waren den Einheimischen noch gar nicht bekannt. Grüne Erbsen, Spargel, Blumenkohl und Maulbeerbäume, bis hin zu Orangen- und Zitronenbäume und Artischocken. Die Gärten waren bemerkenswert. Einige Straßen Berlins tragen tatsächlich auch noch Namen, die an die Gärten erinnern. So hieß zum Beispiel die Oranienstraße bis 1894 Orangenstraße. 

Erst als Napoleon Berlin besetzt hielt, streiften die Hugenotten ihre französische Identität ab. So wurde aus Henri Lejueune Heinrich Junge, aus François Chanille Franz Schnalle und aus Charles Leclerc Karl Klericke. Namen, die man immer noch in der Stadt lesen kann. Seitdem sich Napoleon in Berlin aufhielt, wurde auch kein französisch mehr gesprochen!

Noch mehr Einwanderer strömen in die Stadt

Es blieb aber nicht bei den Franzosen, die Böhmen tauchten ebenfalls als Flüchtende vor den Toren der Stadt Berlins auf. Nur wollte die keiner haben, da sie Hungerleider waren, die nur bettelten. Doch auch unter den Böhmen waren Handwerker, vor allem in der Textilverarbeitung. Der König hatte ein Einsehen und gab den frommen Menschen ein Stück Land und etwas Geld, damit sie ein Schul- und Predigerhaus bauen können. Die Berliner blieben dabei, auch diese Flüchtenden zu beschimpfen “Hundsfötische Kollonisten”, eine der liebevollen Bezeichnungen. Die Böhmer haben sich lange Zeit nicht in dem Leben der Berliner integriert. Sie sprachen lange ihre eigene Sprache und heirateten auch nur untereinander.

1725 war jeder sechste Einwohner Berlins Soldat. Preußen hatte das viert größte Heer in Europa. Die Soldaten wurden in den Privathäusern der Bürger untergebracht und es gab nur wenige Ausnahmen. Erst später wurden Kasernen gebaut und die Bewohner atmeten vermutlich auf, die Soldaten nicht mehr durchfüttern zu müssen. Aber den Soldaten erging es trotzdem nicht gut. Sie wurden misshandelt und mussten unendlich viel exerzieren. Viele desertierten. Ein Grund mehr, dass eine Stadtmauer errichtet wurde, um die Männer in der Stadt zu halten. Die Namen einiger U-Bahnhöfe erinnern noch an die Stadttore. Aber dazu demnächst mehr.

Der Kreuzberg

Ist tatsächlich sagenhafte 66,11 Meter hoch! Er ist eine natürliche Erhebung und gehörte zu den Tempelhofer Bergen. Im Jahr 1290 befand sich eine Lehmkute, eine Ziegelei am Fuße des Hügels. Betrieben wurde die Ziegelei von Tempelrittern, die sie Franziskaner Mönchen als Geschenk übergaben. Auf dem Hügel wurde viele Jahre später, über 200 Jahre lang, Wein gezogen (1533). Zwischendurch gab es den Versuch dort Maulbeerbäume wegen der Seidenraupenzucht zu ziehen. Der kalte Winter 1739/40 machte auch dem Wein den Garaus.

Von der Höhe des Berges wurde die Stadt Berlin beschossen. Ein Kurfürst rettete sich auf den Hügel, weil ihm ein Unwetter mit einer Sintflut vorhergesagt wurde. Friedrich Wilhelm der III. ließ “Lärmkanonenschanzen” als eine Befestigungsanlage auf dem Kreuzberg errichten, um Berlin von Napoleon zu befreien. 1817/18 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag ein Monument auf dem Kreuzberg zu errichten. Zur Erinnerung an  die gewonnen Siege über Napoleon. Ursprünglich wollte Schinkel einen ganzen Dom auf dem Berg errichten, aber das Geld war mal wieder zu knapp, weshalb es nur zu einer Domspitze reichte. Trotzdem zog das Denkmal täglich viele Menschen an.

Das war der Anfang meiner 12tel Blick Serie aus Kreuzberg. Mein Blick geht von der Kreuzbergstraße nach oben zum Denkmal. Und der zweite Blick schweift vom Denkmal über den Stadtteil Kreuzberg bis nach Mitte. Bei gutem Wetter vielleicht noch etwas weiter.
Noch mehr tolle 12tel Blicke findest du bei Eva von Verfuchst und Zugenäht

Vieles was du hier zu lesen bekommen hast, stammt aus dem Buch kleine Kreuzberggeschichte von Martin Düspohl. Herausgegeben vom Berlin Story Verlag.

3+

Fast schon Frühling in Berlin {Samstagsplausch 3/20}

Fast schon Frühling

So scheint es dieser Tage jedenfalls, als wäre fast schon Frühling. Ich habe sogar schon die Gänse fliegen sehen. Kommen die tatsächlich schon zurück? Sind die nicht ein bisschen früh dran? Auf jeden Fall stehen in manchen Gartenlokalen schon die Stühle draußen und laden zum Verweilen in der Sonne ein. Manch ein hartgesottener Berliner “pflanzt” sich dann auch direkt in die Sonne und geniest den fast schon Frühling. Ich bin da nicht wirklich so hart im nehmen. Gestern bin ich ohne Handschuhe mit dem Fahrrad losgefahren und habe mir an der nächsten Kreuzung die Fingerwärmer übergestreift. Zur zeit gehe ich mit dem Hund der Eltern fast jeden Tag in den Wald. Am Anfang der Woche war dabei von Frühling noch nichts zu sehen. Nur die Vögel haben einen enormen Krach gemacht. Aber die letzten Tage schien die Sonne, und die Augenblicke im Wald, die ich gesehen habe, waren einfach wunderschön.

Zu früh, der Frühling

An manchen Zweigen konnte ich schon Knospen sehen. Das ist nicht fein für die Natur. Wenn du Lust hast, dann schau dir mal Leschs Kosmos an. Bedenklich und interessant. Die Vögel suchen tatsächlich schon nach Brutplätzen. Dabei soll es doch bestimmt noch einmal sehr kalt werden. Dann ist nichts mehr, mit fast Frühling. Ich war bei meinen Spaziergängen auch an einer Berliner Rodelbahn, genannt Onkel Toms Hütte. Als die Monsterkinder noch klein waren, hatte es tatsächlich Winter, in denen genug Schnee lag um dort rodeln zu gehen. Heute ist es dort saftig grün und der Frühling scheint sich breit zu machen. Damals lagen viele zerdebberte Schlitten rechts und links an den Bäumen, denn dort ging es richtig zur Sache. Ein wenig wehmütig bin ich mit dem Hund dort lang spaziert.

Meine Woche

Ich habe gelesen… Allerdings kämpfe ich mit der Rezension von Das vermessene Ich. Diese Rezension fällt mir sehr schwer. Mein aktuelles Buch, Der Nachttiger, ist dagegen ein schnell lesbares Abenteuer.
Einen Pullover habe ich fertig gestrickt und beim Fotoshooting gemerkt, dass es bestimmt noch nicht Frühling ist. Magda hat die Bilder zum Glück schnell gemacht. Auf den Nadeln habe ich zur Zeit: Einen Pullover aus Krönchenwolle von Schachenmayr und das Tuch True Color von Melanie Berg. Um ehrlich zu sein, habe ich dieses Tuch bisher nur in Gedanken angenadelt. Aber die Wolle und die Nadeln liegen hier schon und fordern Aufmerksamkeit.
Getroffen habe ich mich auch wieder mit einer Menge Menschen. Die Strickbegeisterten waren dabei natürlich in der Überzahl. Aber auch mit langjährigen Freunden haben wir uns getroffen, um auf der anderen Seite der Stadt in einem hochgelobten Indischen Lokal essen zu gehen. Ich fand, es war den Weg nicht wert. Da hätten wir um die Ecke besser und ruhiger gegessen. Schade.

Was war dein Wochenhighlight? Hat dich auch die Sonne gekitzelt ein wenig an die frische Luft zu gehen, oder musstest du dich mit unliebsamen Dingen herum schlagen?

Betrachtet das Erwachen des Frühlings und das Erscheinen der Morgenröte! Die Schönheit offenbart sich denjenigen, die betrachten.

Khalil Girbran

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