Seite wählen

Sportlich in Kreuzberg {12tel Blick August 2020}

Sportlich in Kreuzberg

Warum sportliches Kreuzberg? Wenn so viele Menschen in einer Stadt zusammen leben, dann brauchen sie auch etwas Abwechslung. Besonders junge Menschen müssen ihre überschüssige Energie irgendwo ablassen. Es ist der Sport, der allen eine Erholung bietet. Denjenigen die unsportlich auf den Rängen sitzen, genauso wie denen, die sich auf dem Spielfeld austoben. Sportlich ist man dann auf jeden Fall.

Wir schreiben das Jahr 1811. Zu diesem Zeitpunkt hatte der nationalistische Friedrich Ludwig Jahn, kurz Turnvater Jahn genannt, in der Hasenheide in Neukölln, an der Grenze zu  Kreuzberg, einen Sportplatz gegründet. Sein Anliegen war, dort die jungen Deutschen wehrhafter gegen Napoleon zu machen. Was man noch über den Sportbegeisterten und Pädagogen wissen muss, kann man bei Wikipedia nachlesen. Sein Wahlspruch war immer Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei. Auch wenn es für Herrn Jahn politisch zuging, die Jugend profitierte von seinem Tun. Die Schulen förderten das Turnen bzw. Leibesübungen erst in Hallen und später auch draußen auf dem Feld.

Aber manchen sportlichen jungen Männern ist das nicht genug. Sie wollen sich richtig austoben. Einem Ball hinterher jagen. Fussball und andere englische Spiele (Cricket, Rugby) sind 1891 mächtig gefragt. Das Spielen mit dem Ball steht teilweise sogar unter Strafe, weil Lehrer und Eltern diesem Sport sehr misstrauisch gegenüber stehen.
Der älteste deutsche Fußball-Club ist der BFC Germania 1888, den der 17 jährige Schüler Paul Jestram zusammen mit seinen Brüdern und Schulfreunden, in der elterlichen Wohnung in der Kreuzbergstraße gründete.
Nicht desto Trotz, wird am 11. September 1897 im „Dustren Keller“ in der Bergmannstraße, der Vereinskneipe des BFC Preussen, der Verband Deutscher Ballspielvereine gegründet. Sechs Berliner Fußballvereine schlossen sich dabei zusammen. Nach mehrmaliger Umbenennung existiert der Berliner Fußball Verband bis heute. Den Spielern war es damals sehr wichtig, dass man kameradschaftlich, respektvoll und freundlich miteinander umging.

Sportbehörde und Georg Demmler

1898 wurde in der Friedrichstraße die Deutschen Sportbehörde für Athletik gegründet. Anfangs stand sie nur für Turnen und eben Athletik, nahm dann aber auch die Fußballer bis 1934 unter ihre Fittiche. Georg Demmler war einer der Begründer des Verband deutsche Ballspielvereine. Neben seinen Erfolge als Sportler entwarf er auch das Katzbachstadion und die Kreuzbergterrassen in denen heute einer der beliebtesten Biergärten Kreuzbergs untergebracht ist, dem Golgatha.
Die Regeln werden vereinheitlicht und die Spiele regelmäßiger angesetzt. Die Menschen lieben den Fußball. In dem Katzbachstadion können 12.000 Menschen dem Ballspiel zuschauen. Bis zur Gründung der Bundesliga, sind es die Spiele in den unteren Ligen, die die Besucher anziehen. Im Laufe der Jahre finden in dem Katzbach-Stadion verschiedene Vereine ein Zuhause. Seit Ende der 1980 Jahre, ist das Stadion mit Unterbrechungen,  die Heimspielstätte von Türkiyemspor.

Sportlich, aber nur für Männer?

Die Frauen damals, waren laut Rudolf Virchow „Weiblichkeit ist abhängig von den Funktionen des Eierstocks[..]. Das Weib ist eben nur Weib durch seine Generationsdrüse[…]“… Was soll man dazu noch sagen? Obwohl Herr Virchow es trotzdem befürwortete, dass Frauen als Ausgleich zu ihrer schweren körperlichen Arbeit körperliche Ertüchtigung machen sollten. Alleine schon durch die Kleidung und den Sittenvorstellungen der Zeit, waren die Damen in Sachen Sportlichkeit eingeschränkt.
Durch die Industrialisierung kamen aber auch die Frauen zum Zug. Der menschliche Ehrgeiz in aller Welt, zu den Besten und Fortschrittlichsten zu gehören, machte auch vor der Entwicklung der Körperertüchtigungsformen keinen Halt. Es gab bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts  zu wenige Frauen, die sich mit der menschlichen Anatomie auskannten, zu wenige Sportlehrerinnen und Ärztinnen. Der Mann bestimmte, was den Frauen gut tat. Gesittet wurden Keulen geschwungen oder ein Bällchen hin und her geworfen. Sie durften zur Belustigung der Herrschaften Sport treiben.

Erst der Arbeiter-Turner-Bund schrieb sich die Gleichberechtigung auf die Fahne. Die Damen wurden immerhin zu den Mitgliedern gezählt. Allerdings waren ihre Aktivitäten immer noch stark eingeschränkt. Erst 1925 wurden die haarsträubenden Erklärungen (Die Organe könnten bei Grätschen oder Springen verrutschen und eine Gebärfähigkeit in Frage stellen!), wieso Frauen keinen Sport treiben sollten, von Ärztinnen widerlegt.  Trotz aller Vorbehalte engagierten sich in den 1920er-Jahren mehr und mehr Mädchen und Frauen im Sport, in traditionellen Sportarten wie Schwimmen, Tennis  oder Leichtathletik, aber auch in für Frauen neu erfundenen Sportarten.  Handball etwa diente als Ersatz für Fußball, ein Spiel, das in Deutschland für Frauen absolut tabu war…”

In der NS-Zeit wurden die errungenen Fortschritte wieder zurückgeschraubt. Sportlerinnen wie Lilli Henoch wurden wegen ihres Glaubens deportiert. Tatsächlich habe ich nichts über den weiblichen Sport in Kreuzberg gefunden. Noch heute haben Frauen Schwierigkeiten, sich in den männerdominierten Sportarten einen Namen zu machen. Und doch findet man in Kreuzberg Boxsport und Fußball für Mädchen. Immer noch lassen sich Mädchen durch Jungen den Sportunterricht vermiesen. Einen interessanten Artikel dazu findest du hier.

Mein 12tel Blick

Noch ein paar Worte zu meinem Blick, den ich wieder bei Eva verlinke. Ich habe einen kleinen Spaziergang durch den Park gemacht und wieder einmal gestaunt, wie hübsch der eigentlich ist. Ich fand es nur sehr schade, dass einige Bürger das wahrscheinlich gar nicht zu würdigen wissen, welche Schönheit vor ihrer Tür liegt. Nach den vergangenen Partys werden die Flaschen vergessen oder zertrümmert, Müll wird einfach in die Büsche geworfen und manches sogar demoliert. Dazwischen sitzen Menschen am Wasserfall auf den Steinen und genießen die Illusion, in den Bergen zu sein. Sogar den Rettungsring hat man mal wieder gestohlen…

3+

Urlaubsstimmung {Samstagsplausch 34/20}

Urlaubsstimmung rund um Berlin

Der Kerl und ich haben selber für Urlaubsstimmung gesorgt. In der heutigen Zeit, muss man nehmen was man bekommt. Da wir uns kurzfristig für einen gemeinsamen Urlaub entschieden haben, bastelten wir unsere eigene Urlaubsstimmung zusammen. Am Montag zogen wir in Beelitz unsere Schuhe aus und liefen durch den Barfußpark. Anfangs war der Kerl skeptisch, ob ihm das gefallen könnte. Aber schon bei dem ersten Parcour war er Feuer und Flamme. Er lief ohne zögern, mit leicht verzerrten Blick, über Kieselsteine, Tannenzapfen und Glasscherben. Zum Abkühlen ging es durch ein Wasserbecken und durch ein kleines Moor. Herrlich bei den Temperaturen. Bevor wir unseren Füßen allerdings Urlaub gönnten, schauten wir uns vom Baumwipfelpfad nebenan, die alten Beelitzer Heilstätten an. Dort wurden vor ca. 140 Jahren die Berliner mit Tuberkulose kuriert. Spannend!

Den Dienstag waren wir etwas planlos. Wollten uns das Fort Hahneberg anschauen. Doch ohne Voranmeldung ging das nicht. Dafür fuhren wir durch das alte olympische Dorf und suchten ein Lokal, um lecker regional zu essen. Wir landeten im Spargelhof Klaistow. Aber da fühlten wir uns nicht wohl. Das Ganze hatte etwas von Disney Land. Wir wollten aber gemütlich und in Urlaubsstimmung essen. Auf unseren weiteren Reisen trafen wir auf Das Landmahl und hatten ein famoses Mittagessen. Den Abend verbrachten wir auf unserer Terrasse.

Urlaubsmitte

Am Mittwoch suchten wir uns spontan einen Kajakverleih. Rund um Berlin gibt es ja genügend Wasser. Manchmal muss man auch einfach Glück haben. Das letzte Kajak war für uns. 3 Stunden paddelte ich uns über das Wasser. Der Kerl hatte ein kaputtes Paddel: jedesmal wenn er ruderte, fuhren wir im Kreis. So macht mein Kerl sich Urlaubsstimmung 😄. Nach all dem Sport, hatte ich mordsmäßigen Hunger. Unser vietnamesisches Lieblingslokal hatte genug auf der Karte stehen, dass wir satt wurden.

Und schon war Donnerstag. Wir haben einen Strandtag eingeplant. Wie gesagt Wasser haben wir genug. Wo wir den Schatten genossen haben, werde ich nicht verraten. Das bleibt mein Geheimnis. Am Abend haben wir leckere Schmorgurken ala Karminrot genossen.

Den Freitag Morgen verbrachte ich mit meinem kleinen Strickclub am Rande der Stadt. Nach drei Stunden holte mich der Kerl ab und wir fuhren zu einem anderen See, eine Stunde vor Berlin. 36° und es wird noch heißer kann man nur am Wasser aushalten. Blöd war, dass der Kerl versucht hat, eine Wespe zu verspeisen. Ein ordentlicher Stich in die Zunge, setzte seine Quassellaune absolut außer Gefecht. Dabei kann er sehr lustig sein!

Den Abend verbrachten wir mir Schwägerin und Schwager auf unserer Terrasse. Was heute ansteht? Mal sehen, wenn wir gefrühstückt haben. Hast, oder hattest du auch Urlaubsstimmung? Dieser Samstagsplausch passt aber auch gut zu den Summer Storys von Andrea Zitronenfalterin.

Zeitverschwendung ist die leichteste aller Verschwendungen

(Henry Ford)

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


8+

Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

4+

Kreuzberger Wein { 12tel Blick Februar 2020}

Kreuzberger Wein und der Viktoria Park

Glaubst du nicht? Ist aber so. Es gab ein Wein vom Kreuzberg. Aber wie es dazu kam,  erzähle ich dir gleich. Erst einmal, knüpfe ich an den 12tel Blick vom Januar an.
Nun hatten die Berliner eine tolle Domspitze, ohne Kirchenschiff, mitten auf einem großen Berg. (Du erinnerst dich, ganze 66,11 m hoch). Aber das reichte noch nicht. Ein schicker Park sollte noch drumherum entstehen. Friedrich Schinkel hatte sich da so seine Gedanken gemacht. Aber erst 70 Jahre nach seinen Ideen entstand ein Park auf dem sandigen Hügel nach den Plänen von Hermann Mächtig. Ein Volkspark, wie der Tiergarten oder der Friedrichshain, sollte es werden. Zu Ehren der Königin wurde der Viktoria Park 1894 eröffnet. Der Park hat einen gebirgsähnlichen Charakter. Es gibt kleine, und einen großen Wasserfall (24 Meter). Es blubbern sogar einige kleine Quellen. Manche Wege sind hübsch verschlungen und es gibt große Wiesen und mächtige Bäume. Und an einem Nordhang des Kreuzberg wächst in einer Gärtnerei (heute wieder) Wein.

Nun hieß der Stadtteil von Großberlin aber immer noch nicht Kreuzberg. Erst 1921 erhielt die Luisenstadt den Namen Kreuzberg, nach dem Denkmal auf der Erhebung.

 

Um den Kreuzberg drumherum

Auch davon hatte ich in meinem letzten Post schon erzählt. Die vielen Einwanderer brachten viel handwerkliche Fähigkeiten mit. Vor allem im Bereich des Textil- und Bekleidungsgewerbe siedelten sich einige spätere Fabrikanten an dem Ufer der Spree an. Mit ihrem weichen Wasser, war die Spree optimal. Aber auch Töpfereien entstanden. Unter anderem ein Betrieb der sich auf Ofenbau (Zimmeröfen) spezialisierte. Gleichzeitig produzierte die Firma von Tobias Christoph Feilner glasierte Ziegel, die Farbe in die unverputzten Backsteinbauten brachten.

Carl Friedrich Schinkel wünschte sich, dass viel mehr Bauten damit verziert werden sollen. So entstanden einige Schulen, Kasernen, Hospitäler und Bahnhöfe mit diesen hübschen farbigen Verblendsteinen, die man immer noch in der Stadt finden kann. Kreuzberg ist ein Bezirk der Arbeiter und Fabriken. Auch wenn man es den herrschaftlichen Häuser von außen kaum ansehen kann, auf den Hinterhöfen (manchmal bis zu 6 an der Zahl), herrschte starke Betriebsamkeit, brodelte das Leben, florierten die Fabriken.

Damit die Handwerker auch genügend Material bekommen konnten, und Berlin den Anschluss an die Welt nicht verlor wurden einige Bahnhöfe und vor allem Bahnlinien gebaut. Ein besonders imposanter Bau war der Anhalter Bahnhof. So wurde das rohstoffarme Berlin zu einem Knotenpunkt Mitteleuropas. Dabei spielte auch das Gleisdreieck eine große Rolle.

Technische Entwicklung

1816 wurde ein Mann in der Nähe von Hannover geboren, der ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung Berlins spielte. Werner Siemens wurde durch den Militärdienst nach Preußen verschlagen, wobei er mit der Entwicklung des Telegrafenapparates betraut war. Scheinbar gefiel es ihm in dem quirligen Berlin. Er gründete  1847 mit dem Mechaniker Johan Georg Halske die Telegrafenbauanstalt Siemens & Halske in der Nähe vom Anhalter Bahnhof. Zwei Jahre später war der Betrieb schon mit 25 Arbeitern die größte mechanische Werkstatt Berlins und 1851 waren die Räume zu klein geworden, um für Feuerwehr, Polizei, Bahn und wer weiß für wen noch alles, Telegrafensysteme zu bauen. Nebenbei erfand Siemens auch noch die Dynamomaschine. Strom war für Berlin eine Bereicherung. Siemens und Halske entwickelten später eine elektrische Lok und sorgten dafür, dass in Berlin eine Untergrundbahn (U-Bahn) gebaut wurde.
Aber nicht nur die Technik machte Siemens bekannt. Er engagierte sich auch im Sozialen. Er richtete Pensionskassen für seiner Arbeiter ein, damit sie sich immer mit ihrer Firma identifizieren können.
1903 erhielt Siemens den Auftrag, die Beleuchtungsanlage für den künstlichen Wasserfall am Kreuzbergdenkmal wieder herzurichten.

Jetzt habe ich wieder die Kurve zu meinem Blick bekommen. Ich habe dir eine Menge aus der Stadt und insbesondere von Kreuzberg erzählt. Es hat dir hoffentlich wieder Spaß gemacht, etwas über meine Stadt zu erfahren.  Den Blick verlinke ich wieder zu Evas 12tel Blick. Ach ja, der Wein! Den gibt es noch heute. Ich selber habe ihn noch nie probiert, er soll nicht besonders süß sein. Aber es ist eine Rarität und man kann ihn nicht kaufen, man bekommt ihn nur geschenkt.

3+

Kreuzberg, ein Teil Berlins (12tel Blick 2020)

Kreuzberg, ein Stadtteil von Berlin

Ich will dir heute wieder ein Stadtteil von Berlin vorstellen. Meinen Blick habe ich auf den Kreuzberg gerichtet. Und Ich  ich werde dir einiges über den Berg selber und noch mehr über die Bewohner Berlins erzählen.

Im 17. Jahrhundert war Kreuzberg noch Weideland vor den Stadtmauern Berlins und hieß Luisenstadt. Die dort ansässigen Bauern waren Hugenotten, die wegen ihrem Glauben aus Frankreich geflüchtet waren,  die ersten Bewohner. Friedrich der III. fand es prima, dass sich Einwanderer als gut ausgebildete Handwerker, vor den Toren der Stadt niederließen. Wie immer fehlte es an guten Handwerkern (So wie heute auch) Die Berliner fanden das aber gar nicht witzig, da das Fürstenhaus den Hugenotten einige Privilegien zugestand. Die Berliner beschimpften die Einwanderer als Paddenschlucker (Froschfresser) und noch so einiges mehr.

Das hielt die Adoptivkinder Preußens aber nicht davon ab, weiterhin nach Berlin zu strömen. Französisch wurde bald nicht nur am Hofe, sondern auch in der Stadt gesprochen. Etepetete (être peu-têtre), Muckefuck (mocca faux) und todschick (tout chic), mutterseelenallein (moi tout seul), ratzekal (radical) waren Worte, die man überall hörte und immer noch hört.

Die Vorstadt

Das Bild der Vorstadt prägten Gärten. Die Franzosen machten es vor, die Berliner/Brandenburger nahmen es an und verfeinerten es. Es entstanden Gewächshäuser und Obstgärten. Es tauchten Gemüsesorten auf, die waren den Einheimischen noch gar nicht bekannt. Grüne Erbsen, Spargel, Blumenkohl und Maulbeerbäume, bis hin zu Orangen- und Zitronenbäume und Artischocken. Die Gärten waren bemerkenswert. Einige Straßen Berlins tragen tatsächlich auch noch Namen, die an die Gärten erinnern. So hieß zum Beispiel die Oranienstraße bis 1894 Orangenstraße. 

Erst als Napoleon Berlin besetzt hielt, streiften die Hugenotten ihre französische Identität ab. So wurde aus Henri Lejueune Heinrich Junge, aus François Chanille Franz Schnalle und aus Charles Leclerc Karl Klericke. Namen, die man immer noch in der Stadt lesen kann. Seitdem sich Napoleon in Berlin aufhielt, wurde auch kein französisch mehr gesprochen!

Noch mehr Einwanderer strömen in die Stadt

Es blieb aber nicht bei den Franzosen, die Böhmen tauchten ebenfalls als Flüchtende vor den Toren der Stadt Berlins auf. Nur wollte die keiner haben, da sie Hungerleider waren, die nur bettelten. Doch auch unter den Böhmen waren Handwerker, vor allem in der Textilverarbeitung. Der König hatte ein Einsehen und gab den frommen Menschen ein Stück Land und etwas Geld, damit sie ein Schul- und Predigerhaus bauen können. Die Berliner blieben dabei, auch diese Flüchtenden zu beschimpfen “Hundsfötische Kollonisten”, eine der liebevollen Bezeichnungen. Die Böhmer haben sich lange Zeit nicht in dem Leben der Berliner integriert. Sie sprachen lange ihre eigene Sprache und heirateten auch nur untereinander.

1725 war jeder sechste Einwohner Berlins Soldat. Preußen hatte das viert größte Heer in Europa. Die Soldaten wurden in den Privathäusern der Bürger untergebracht und es gab nur wenige Ausnahmen. Erst später wurden Kasernen gebaut und die Bewohner atmeten vermutlich auf, die Soldaten nicht mehr durchfüttern zu müssen. Aber den Soldaten erging es trotzdem nicht gut. Sie wurden misshandelt und mussten unendlich viel exerzieren. Viele desertierten. Ein Grund mehr, dass eine Stadtmauer errichtet wurde, um die Männer in der Stadt zu halten. Die Namen einiger U-Bahnhöfe erinnern noch an die Stadttore. Aber dazu demnächst mehr.

Der Kreuzberg

Ist tatsächlich sagenhafte 66,11 Meter hoch! Er ist eine natürliche Erhebung und gehörte zu den Tempelhofer Bergen. Im Jahr 1290 befand sich eine Lehmkute, eine Ziegelei am Fuße des Hügels. Betrieben wurde die Ziegelei von Tempelrittern, die sie Franziskaner Mönchen als Geschenk übergaben. Auf dem Hügel wurde viele Jahre später, über 200 Jahre lang, Wein gezogen (1533). Zwischendurch gab es den Versuch dort Maulbeerbäume wegen der Seidenraupenzucht zu ziehen. Der kalte Winter 1739/40 machte auch dem Wein den Garaus.

Von der Höhe des Berges wurde die Stadt Berlin beschossen. Ein Kurfürst rettete sich auf den Hügel, weil ihm ein Unwetter mit einer Sintflut vorhergesagt wurde. Friedrich Wilhelm der III. ließ “Lärmkanonenschanzen” als eine Befestigungsanlage auf dem Kreuzberg errichten, um Berlin von Napoleon zu befreien. 1817/18 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag ein Monument auf dem Kreuzberg zu errichten. Zur Erinnerung an  die gewonnen Siege über Napoleon. Ursprünglich wollte Schinkel einen ganzen Dom auf dem Berg errichten, aber das Geld war mal wieder zu knapp, weshalb es nur zu einer Domspitze reichte. Trotzdem zog das Denkmal täglich viele Menschen an.

Das war der Anfang meiner 12tel Blick Serie aus Kreuzberg. Mein Blick geht von der Kreuzbergstraße nach oben zum Denkmal. Und der zweite Blick schweift vom Denkmal über den Stadtteil Kreuzberg bis nach Mitte. Bei gutem Wetter vielleicht noch etwas weiter.
Noch mehr tolle 12tel Blicke findest du bei Eva von Verfuchst und Zugenäht

Vieles was du hier zu lesen bekommen hast, stammt aus dem Buch kleine Kreuzberggeschichte von Martin Düspohl. Herausgegeben vom Berlin Story Verlag.

3+

Alltagsfreuden findet man überall

Niwibo sucht Alltagsfreuden

Alltagsfreuden findet man eigentlich überall. So sagt es ja schon das Wort. Schau dich einfach mal um. Meistens ist die Freude gar nicht so weit von dir entfernt. Es reicht manchmal schon, wenn du deine Schuhe anziehst und dich auf die Straße begibst. Lächle einfach mal so vor dich hin. Am Anfang denkst du noch: “Oh man, was grinse ich blöd!” Aber schon bald setzt sich ein nettes Lächeln in deinem Gesicht fest. Die Menschen, denen du begegnen wirst, werden auch im ersten Moment verwirrt blicken aber dann nett zurück lächeln. Klappt in den meisten Fällen. Natürlich wird der ein oder andere Passant etwas kopfschüttelnd weiterstapfen. Aber auch in dessen Herzen hat sich etwas geregt. Wenn du ihn verfolgen würdest, was du natürlich nicht tust, würdest du sehen, dass dein Lächeln auch bei ihm etwas ausgelöst hat.

Alltagsfreuden im Wald

Hatte ich erst letztens. Ich habe  zur Zeit die Aufgabe mit dem Hund der Eltern öfter in den Wald zu gehen. Es war Ar…kalt, aber die Sonne schien. Und weil es so kalt war, war fast der gesamte Wald mit Eiskristallen überzogen. Das sah so schön aus. Ich habe mich etwas geärgert, weil ich meine Kamera nicht dabei hatte. Aber die meisten Mobiltelefone haben inzwischen fantastische Kameras. Somit lief der Hund vorneweg und ich immer langsamer hinterher. Immer wieder sah ich ein Blatt, ein Baum, der so schön aussah, dass ich das im Bild festhalten musste.

Ich traf mehrere Hundebesitzer, die ebenfalls fasziniert waren, von der Pracht, die sich uns bot. Die Hunde tobten, während wir uns über das Wetter und den Wald unterhielten. Dazu muss ich sagen, dass ich diese Menschen nicht kannte. Normalerweise drehe ich meine Runden lieber in nicht so stark frequentierten Ecken des Waldes. Mit einem Grinsen und, ich vermute mal, leuchtenden Augen ging ich weiter durch den Wald.

Zu Hause

Da habe ich auch Alltagsfreuden. Meistens, wenn ich mich zum Beispiel in meinem Gestricksel verziehen kann. Oder, wenn ich meine Bücher lese. Auch ein schönes Stück von den Schokoladencookies kann mich zu einem innerlichen Fest motivieren. Nicole hat auf ihrem Blog Niwibo danach gefragt, welche Alltagsfreuden wir haben. Spontan fiel mir eben mein Spaziergang ein und auch wie ich einfach mal völlig abwesend in meinem Gewollzeug abtauchen kann. Auch wenn ich mit einem fröhlichen guten Morgen in die Patientenzimmer einfalle, ernte ich nicht immer ein Knurren. Drei Minuten, für ein “ausgiebiges” Gespräch, mit der alten Dame, die schon fast hundert Jahre auf der Welt ist, macht auch Freude. Und es sind NUR drei Minuten! Wie sieht es bei dir aus? Was sind deine Alltagsfreuden?

verlinkt mit Winterglück bei Ein Fachwerkhaus im Grünen

4+