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Der große Tiergarten {Zweiter 12tel Blick 2021}


Der Große Tiergarten gehört nach wie vor zu den beliebtesten Ausflugszielen der Berliner. Nachdem der Park 1742 von dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zu einem Lustgarten umgestaltet wurde, lustwandeln die Berliner immer noch gerne über die schönen Wege. 1838 wurde der große Tiergarten noch einmal von dem Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné in einen englischen Volkspark verwandelt.

Die Berliner lieben ihre grüne Lunge mitten im Herzen ihrer Stadt. Im Sommer finden dort verschiedene Sportveranstaltungen statt. So laufen zum Beispiel die Marathonläufer einmal quer durch den Park. Allerdings nutzen die vielen Füße vor allem Die Straße des 17. Juni (ehemals Charlottenburger Chaussee). Die 45 Meter breite Ost-West-Achse verläuft quer durch die Stadt.

Als Friedrich der III. die Verbindung zwischen seinem Stadtschloss und seiner Gemahlin, die in der  Lietzenburg (Charlottenburger Schloss) residierte, bauen lies, konnte er noch nicht ahnen, was einmal aus dieser Straße werden würde.

Simon Kremser galt als der Vater des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin. Er fragte 1820 die Stadt Berlin ob er: “Wagen zu öffentlichem Gebrauch zu stellen, die auf eisernen Achsen laufen und auf Federn ruhen” betreiben darf. Kremser wollte Pferdeomnibusse betreiben. Der Mann bekam die Genehmigung. Er entwickelte dafür ungefederte Wagen die Überdacht wurden. Zehn bis Zwanzig Personen konnten so zwischen dem Brandenburger Tor und Charlottenburg pendeln. Diese Pferdeomnibusse wurden 1902 von der Elektrischen (Straßenbahn) abgelöst.

Immer breiter

Im April 1939 zog eine gigantische (Geburtstags-) Militärparade über die, von Albert Speer auf 45 Meter verbreiterte Straße, an den Berlinern und dem Führer vorbei. Im Zuge dieses Ausbau, musste allerdings auch die Straßenbahn weichen. Die Nationalsozialisten sorgten dafür, dass das Charlottenburger Tor auseinandergerückt wurde, damit die Paraden einen besseren Durchgang hatten. In die Mitte der Ost-West-Achse, wie der 17. Juni damals genannt wurde, stellte Speer die Gold-Else. Die Siegessäule, die bis dahin vor dem Reichstag stand, wird so von den Berlinern genannt.. Eine “gigantische” Landmarke die weithin sichtbar ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg verschwanden fast alle Bäume aus dem Tiergarten. Den Berlinern war es kalt und so holzten sie den großen Tiergarten ab. Damit der Tiergarten wieder aufgeforstet werden konnte , wenn auch nicht so wie er einmal war, brauchte es Bäume. Im März 1949 wurde vom Oberbürgermeister Ernst Reuter  die eine Linde gepflanzt. 250.000 Jung-Bäume folgten und kamen aus vielen Westdeutschen Städten nach Berlin. Teilweise auch über die Luftbrücke, denn inzwischen war die Stadt durch eine Mauer geteilt.

Vergnügen im großen Tiergarten

Vergnügen gab es schon immer. Zuerst war der Kurfürst und seine Gäste dran. Sie jagten das ausgesetzte Rotwild. Ein Zaun verhinderte, dass die Tiere sich an den Äckern der umliegenden Bauern gütlich taten und der Kurfürst auf jeden Fall Erfolg hatte.
Nachdem der große Tiergarten umgebaut wurde, hatten die Berliner das Vergnügen zwischen den Puppen spazieren zu gehen oder sich auf eine der vielzähligen, lauschigen Bänke nieder zu lassen.  Aber es wurden auch Cafés angelegt und der Neue See lädt bis heute zum Rudern ein. Wunderschöne Brücken führen über unzählige Kanäle. Im Rosengarten wachsen wundervoll duftende Rosen und am Ende des Tiergartens trifft man auf Ausläufer des Zoos. Die Wege am Kanal führen an Gehegen vorbei, so dass man einen kostenlosen Blick auf einige Tiere erhaschen kann.

Am Rand des Tiergartens

Am Rande des Großen Tiergartens wuchsen verschiedene Restaurationen aus dem Boden. Der Kemper Hof oder die Zelten-Konditorei. Dort traf man sich nach einem Spaziergang. Der Straßenname In den Zelten kam daher, dass Friedrich II. 1745 erlaubte, am Rand des Tiergartens Zelte aufzustellen, die als Gastwirtschaften fungierten. Diese mussten aber im Winter abgebaut werden. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich dann Ausflugslokale an. Aus Stein gebaut und auch im Winter zu besuchen. Heute steht an dieser Stelle das Kongresszentrum. Die Schwangere Auster. Ein Symbol der Amerikanisch-Deutschen Allianz.

Bis heute wird der 17. Juni als Partymeile genutzt. Die Loveparade, die Fußballweltmeisterschaften und Silvester lockt Unmengen von Menschen in den Tiergarten. Und wie ich Eingangs schon schrieb, Sportwettbewerbe. Am Frauenlauf gegen Brustkrebs habe ich selber schon teilgenommen. Den Marathon werde ich niemals schaffen.

Nun aber zu meinem Blick. Ich habe die Bilder 5 Tage vor meinem persönlichen Termin gemacht. Der Schnee war einfach zu verlockend. Hätte ich gewusst, dass er so lange liegen bleibt, … Hätte, hätte. So sind sie eben im Kasten. Meine Geschichte werde ich wie immer bei Eva auf ihrem Blog verlinken.

 

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Tiergarten Berlin {Erster 12tel Blick 2021}

Es ist wieder so weit. Der 12tel Blick startet wieder. Ich hoffe, dieses Jahr die Serie voll zu machen. Nicht das wieder irgendetwas Unvorhergesehenes Knüppel zwischen die Beine wirft. Mein Plan ist, dir eine Menge über einen Bezirk meiner Stadt zu erzählen. Dieses Mal habe ich den Bezirk Tiergarten ausgesucht. Geschichtsträchtig, grün, quirlig, Prominent… Ich glaube da kommt einiges zusammen. Ich stehe allerdings auf der Moabiter Seite der Spree und werfe meinen Blick in Richtung Tiergarten.

Tiergarten ist im Grunde ein kleinerer Bezirk, den die Berliner Regierung vor Jahren Mitte zugeschrieben hat. Doch wer in Berlin groß geworden ist, der nutzt immer noch die Namen der eigentlichen Bezirke. Tiergarten grenzt an die Bezirke Moabit (von wo aus ich meine Bilder mache), dem Hansaviertel, das wohl auch zu Tiergarten gehört. Die Spree, Charlottenburg, Schöneberg und Kreuzberg grenzen den Bezirk ein.

Das Bild ist von Alexrk2

Aller Anfang war waldig

Doch fangen wir einfach mal ganz am Anfang von Tiergarten an. Im Jahre 1527 kaufte der Kurfürst Joachim I. der Stadt Cölln den unbebauten Wald westlich vom Brandenburger Tores ab. Damit er seinem Jagdfieber frönen konnte, lies er einen Zaun um das Gebiet ziehen und setzte  Wildtiere aus. Der Zaun schützte die umliegenden Felder.

Friedrich I. wollte später eine große Verbindungsstraße vom Berliner Stadtschloss und dem Charlottenburger Schloß haben. Unter den Linden wurde einfach nur kerzengerade eine mächtige Straße gebaut. Langweilig ist anders, denn mitten im Jagdgebiet wurde der Große Stern mit acht zulaufenden Alleen angelegt. Der Enkel Friedrich II, hatte keinen Spaß an der Jagd, weshalb die Zäune verschwanden. Dafür wurden 1742 in seinem Auftrag vom Architekten Knobelsdorff ein Lustpark, mit Beeten, Wasserläufen und Skulpturen, alles für die Bevölkerung zugänglich, angelegt.

Das Bild ist Von Daniel Chodowiecki

Bis in die Puppen

Die Berliner machten am Wochenende gerne Spaziergänge zum Tiergarten. Dabei spazierten sie vom Stadtkern, durch das Brandenburger Tor (s.o.) bis zum Großen Stern. Ein ziemlich langer Spaziergang unter den Linden entlang, durch den Park. Überall im Tiergarten kam man an den besagten Skulpturen und Denkmälern vorbei, die Berliner liefen also bis in die Puppen. Dieses Sprichwort weitete sich auch auf die Zeit aus, also auch wenn man lange unterwegs war, war man bis in die Puppen unterwegs.

Peter Joseph Lenné durfte sich 1833 durfte an dem Park versuchen. Er schuf einen Park nach englischem Vorbild. Die Flächen wurde offener. Bis heute kann man erahnen, wie der Park mal ausgesehen haben mag.

Rund um den Tiergarten entstand ein Siedlungsgebiet, das 1861 eingemeindet wurde. Auf der anderen Seite meines Standortes, entstand das Alsenviertel. Davor war das Gebiet sehr sumpfig, eine Flussaue. Friedrich Wilhelm IV zeichnete eigenhändig Pläne, wie er sich die Bebauung vorstellt. Schinkel und Lenné standen ihm dabei zur Seite. Lange, ein viertel Jahrhundert,  blieben die Pläne in der Schublade liegen. Erst 1867 entstand  gegenüber dem Alsenviertel der Königsplatz, ein Exerzierplatz ( heute der Platz der Republik). Neben dem Reichstag wuchs die Krolloper  in den Himmel (über die Krolloperr werde ich dir demnächst etwas erzählen) und die Siegessäule, die die Nazi’s später auf die Mitte des großen Sterns setzen ließen.

Tiergarten

Nebenan gleich Moabit

Für mich gehörte Moabit immer schon zu Tiergarten. Der Tiergarten wirkte immer etwas feiner, Moabit eher bodenständig und als ein Arbeiterbezirk.
Als die Hugenotten nach Berlin kamen, brauchten sie Platz, denn es kamen nicht wenige. Friedrich I von Preußen, gab ihnen gerne das Gebiet neben dem Tiergarten. Sie sollten dort Maulbeerbäume anpflanzen und die Seidenraupenzucht zur Seidenproduktion voranbringen. Der Name Moabit leitet sich wahrscheinlich aus dem alten (französischem) Testament ab: Terra de Moab, weil sie hier ebenso Zuflucht fanden wie Elimelech und die Seinen im Land der Moabiter. Moabit ist vom Wasser umrahmt und man kann diesen Teil Berlins nur über eine der 23 Brücken erreichen. Am nördlichen Teil Moabits entstand ein Industrieviertel mit Eisenbahntrassen und dem Westhafen. Im Osten befand sich eine Kaserne mit Exerzierplatz.

Bis 1920 gehörte auch noch das Hansaviertel zu Tiergarten. 1874 plante und baute die Berlin-Hamburger Immobiliengesellschaft die noblen zweistöckige Häuseransammlung mit Vorgärten. Weshalb dieser Teil Tiergartens das Hansaviertel genannt wurde. Die Straßen zwischen den Häusern wurden nach Dichtern und Städte der Hanse benannt. Drumherum entstanden vereinzelte Gastwirtschaften und Villen. Die Stadtbahn machte es zu einem attraktiven Wohngebiet. Die Bahnhöfe Bellevue und Tiergarten verbanden und verbinden noch immer die Stadtmitte mit Charlottenburg.

Tiergarten

Zoologischer Garten im Tiergarten

Im südwestlichen Teil des großen Tiergartens eröffnete 1844 der Zoologische Garten. Es war der neunte Zoo in Europa und der älteste Deutsche Zoo. Der zweite Weltkrieg forderte den Tod vieler Tiere. Ein besonderer Liebling der Berliner hielt durch, das Nilpferd Knautschke. Eine Frau, die erste und einzige Direktorin, Katharina Heinroth war es, die den Zoologischen Garten wieder aufbauen ließ. Heute ist der Berliner Zoo einer der artenreichsten der Welt.

Vor dem zweiten Weltkrieg  war der Potsdamer Platz Weltklasse. Verkehrsreich und quirlig ging es hier zu. Ein mega Verkehrsknotenpunkt, wo sich S-Bahnen, mehrere Straßenbahnen, viele Buslinien und U-Bahnen kreuzten. Das Nachtleben in dieser Ecke war legendär. Tag und Nacht brummte es hier ordentlich. Ich denke, dass ich auch darauf noch einmal zurück kommen werde. Stars und Sternchen leuchteten hier in den verschiedensten Lokalitäten.

Jetzt haben wir Tiergarten fast einmal umrundet. Es fehlt nur noch der Teil entlang des 1850 für die Schifffahrt freigegebenen Landwehrkanals. Wohlhabende Bürger ließen sich hier nieder. Die Häuser zeugen bis heute davon. Auch die meisten Botschaften befanden und befinden sich hier.

Nun aber der 12tel Blick: Tiergarten

Der Blick geht also nach Tiergarten. Links sieht man das Paul-Löbe-Haus. Der hässliche Kasten rechts, ist die Schweizer Botschaft und davor kann man den Sitz der Kanzlerin sehen. Geradeaus sieht man den Potsdamer Platz mit all seinen neuen Gebäuden. Auch dazu werde ich irgendwann noch etwas schreiben. Aber jetzt habe ich dir erst einmal genug über Tiergarten erzählt. Meine Bilder verlinke ich bei Eva und ihrem Blog Verfuchst und zugenäht und freue mich auf meine nächsten Bilder.

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