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Vor einem großen Haus in Kreuzberg [Stadtgeschichten}

Kreuzberg, war nicht immer so hübsch

Ich bin dort aufgewachsen. In Kreuzberg. In Westberlin. Damals als ich als Kind durch  die Straßen lief, sah man überall nur graue, braune und schmutzige Fassaden. Die Wände hatten noch Einschußlöcher und wir Kinder spielten auf der Straße, denn Spielplätze, wie man sie heute so vielfältig findet, waren nicht oder kaum vorhanden. Für uns war es normal, auf der Straße mit dem Ball zu spielen und in den Gruben, die die Straßenbauer aushoben. Oder eben auf dem ausgehobenen Sand. Manchmal kam ein Erwachsener vorbei und blubberte uns an. “Ey, ditt iss aba nich zum spielen jedacht!. Jeht ma irjendwo wo anners hin.!” Alles war irgendwie gelassener. Aber ich drifte ab. Ich wollte dir eine Geschichte aus meiner Stadt, aus Kreuzberg erzählen.,,

Auf der Terrasse im Sonnenschein

Stadtgeschichten

Ich komme gerade aus einem großen “Neubau” direkt am Wasser gelegen. Der Landwehrkanal führt direkt daran vorbei. Immer ist vor diesem Gebäude eine Menge los. Es strömen viele Besucher in und aus dem Gebäude und nicht jeder von den Besuchern, scheint der deutschen Sprache mächtig zu sein. Ein älteres Pärchen sieht sehr suchend aus. Sie begucken das Gebäude sehr genau und sind sich nicht schlüssig. Ich höre sie miteinander reden…

“Kiek ma, ditt hat zwe Einjänge. Da wees man widda nich wo man hin soll.” “Und keen Schild irjendwo!” Ich war schon auf dem Weg zu den Beiden, um zu helfen, da sah ich schon eine Frau auf die Alten zugehen. Sicherlich war es eine Frau, mit denen die Beiden im Leben nicht geredet hätten. Sie war vollkommen in Schwarz gekleidet, mit einem langen Kopftuch, ebenfalls aus schwarzem Stoff. Und nein, es war keine Nonne. Sie stand vor dem Pärchen und fragte sie höflich ob sie ihnen helfen könne. Sie ist öfter hier und kennt sich aus. Die Berliner starren sie völlig verwirrt an. Wahrscheinlich haben sie nicht damit gerechnet das ausgerechnet eine “solche” Frau mit ihnen in einem so klaren Deutsch reden würde.

Kaffeestrauß...

Das Paar löst sich aus der Erstarrung und fragt die Frau, wie sie zu ihrem Ziel kommen. Die Frau beschreibt ihnen den Weg und wünscht den Beiden einen schönen Tag. Das Pärchen dankt höflich und macht sich auf den Weg in das Gebäude. Als sie an mir vorbei gehen tuscheln sie noch: “Also, dett ausjerechnet so eene. so juht Deutsch spricht, hätte ick wirklich nich jeglobt! Vielleicht sinn doch nich alle Terroristen!” Tja, manchmal trügt halt das Äußere und man muss nach dem schauen, was innen liegt… Lässt du dich auch manchmal blenden?

Wie die Blauen heißen, habe ich keine Ahnung! Aber schön sind sie

Mein Freitagsstrauß…

…stammt von meinem Mann. Manchmal erinnert er sich daran, mir ein Blümchen mitzubringen. Einen ganzen Strauß, habe ich schon  eine Weile nicht mehr bekommen. Die Blumen hatte ich gestern auf meiner Terrasse stehen. Es war ein schöner warmer Tag und die Sonne schien. Sie brachte die Gerbera und die Rosen zum leuchten.

Mein Blumenstrauß in der Sonne

Meine Freitagsblumen stelle ich gerne wieder bei Holunderblütchen ins Regal.

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Schnell mal über den Markt gelaufen

Nach der Arbeit mal schnell [Stadtgeschichten]

Lampion

So hatte ich mir das gedacht. Schnell raus aus dem Gebäude, das Rad aus dem Fahrradstall geholt und los. Die Marktständler werden dieses Wochenende keine Lust haben, sich so lange auf dem Marktplatz aufzuhalten. Marathonwochenende! Die ganze Stadt ist im Ausnahmezustand, denn der Verkehr rollt nicht. Überall sind Straßen gesperrt und keiner kann mal schnell, seine üblichen Wege fahren. Ich komme allerdings mit meinem Fahrrad recht schnell durch den Verkehr und habe obendrein das Gefühl, das die Polizei, nur für mich, die Straßen geräumt hat. Denn die Marathonskater, die am Samstag irrsinnig schnell durch die Stadt gleiten, sind noch in den Startlöchern. So schaffe ich das in einer besonders guten Zeit auf den Markt.

Lampions vom Markt

Die meisten Händler sind schon am einräumen. Ich möchte doch nur noch ein paar Blumen und etwas Gemüse. Für unser Wochenende sind wir sonst versorgt. Gleich vorne links, ist ein Blumenhändler. Seine Eimer sind schon gut geplündert und weil ich die Befürchtung habe, ich bekomme nichts mehr bei den Anderen, bleibe ich stehen und sondiere die übrig gebliebenen Blumen. “Da kommste aba janz schön spät, iss nich mehr ville da.” Werde ich von dem dicklichen Marktständler begrüßt. Ich grinse ihn an: ” Blieb mir nüscht anneres übrig, musste arbeeten.” (Ich kann übrigens och Balinern!) Er guckt grinsend und ich zeige auf die Lampionblümchen “Oh, die Ballondinger, so viele sind noch da!” “Wennste alle willst, dann kriggste die für nen Zehner und die Andren da drinne gleich dazu:” Ich denke, das ist ein gutes Angebot und schlage ein.

Herbstdeko

Mit dem riesigen Strauß auf meinem Fahrradkorb, wandere ich noch etwas über den Markt und denke, dass ich doch wieder viel öfter auf den Markt gehen sollte. Als ich kurz vor dem Käsestand bin, fliegt ein kleiner gelber Würfel aus dem Wagen. Vor der Auslage steht ein größerer Hund und fängt sich den kleinen Würfel. Die Verkäuferin, die den Würfel geworfen hat, klatscht begeistert in die Hände. “Jut jefangen!” “Für sohnen juten Käse, würde ick och fangen!” sage ich. Sie schaut etwas verwirrt und wirft in dem Moment dem Hund einen weiteren Würfel zu, der den sehr geschickt auffängt und die Frau nicht aus den Augen lässt. “Ick würde ihnen den aber och einfach einpacken”, sagt sie. Ich grinse und zeige ihr den Käse, den ich haben möchte. Eigentlich wollte ich gar keinen kaufen, aber die Showeinlage hat mir gefallen.

In rustikaler Vase

Beim Gemüsemann, ist die Auslage auch schon ziemlich geplündert. Die Frauen räumen schon zusammen und er steht und guckt Löcher in die Luft. Ich bestelle ein paar Karotten und Petersilienwurzel. Die sehen sehr gut aus und suche Sellerie und Kartoffeln. “Tut mir Leid, die sind schon verkauft. Da müssen sie wo anders schauen.” Es gibt ja noch mehr Händler, der Markt ist groß und meine Befürchtung nichts mehr zu bekommen, sind nichtig. Da drüben ist noch ein Biostand. Fette Kartoffeln, mit einer Kruste aus Erde liegen in der Kiste und der Sellerie daneben sieht auch gut aus. Hier wird noch nicht zusammen geräumt. “Wir wissen sowieso nicht, wie wir hier wegkommen sollen. Der Markt ist doch von den Marathonis eingekreist. Da können wir auch noch gemütlich zusammenräumen.” Erklären sie mir. So geht es natürlich auch. Ob die sich noch einen Kaffee gönnen, bei dem guten Kaffeestand, der gleich nebenan steht?

Ballons

Mit dem riesigen Strauß und dem Gemüse in den Satteltaschen, bin ich dann noch weiter durch die Stadt geradelt. Die Straßen waren weiterhin nur für mich und ein paar wenige Radler gesperrt. So schön, kann man nur selten durch die Stadt fahren. Das muss man ausnutzen.
Jetzt stehen meine Lampionblumen und die Anderen (ich weiß nicht, wie sie heißen) auf meinem Tisch und ein zweiter Strauß auf dem Sideboard. In der rustikalen Vase machen sie sich sehr schön. Und einige werden sogar schon durchsichtig. Ich werde sie mal liegen lassen…

Beeren?

Bei Holunderblütchen gibt es heute wieder Freitagsblumen.

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So lange war ich bei den Freitagsblumen nicht mehr dabei

Schon so lange habe ich nicht mehr bei den Freitagsblumen mit gemacht

Aber heute möchte ich wieder dabei sein. Jede Woche sage ich mir, so lange warst du nicht mehr dabei, und dann ist der Gedanke auch schon wieder weg. Doch irgendetwas fehlt auf meinem Schrank oder meinem Tisch. Ich stelle mir so lange schon keine Blumen mehr in die Wohnung. Vielleicht lag es an dem warmen Sommer. Klar, das kann ich mir schon mal so lange einreden…

Violette Gladiolen

Ein paar Gladiolen …

… haben es zu mir auf die Kommode geschafft. In einem seltsamen Violett/Rot, Die Spitzen habe ich gekappt, weil mir irgendwann einmal jemand sagte, dann können die unteren Blüten sich besser entfalten. So richtig gut entfaltet, haben die sich aber nicht, sondern sind schon wieder am verblühen. Ich kaufe keine Blumen mehr beim Discounter! (Das schreibe ich mir gerade hinter die Ohren) und Gladiolen mag ich auch nicht mehr kaufen.

In einem Glas mit kleinen Steinchen

Spitzen

Die abgeschnittenen Spitzen habe ich in das Glas mit den Glassplittern verfrachtet, Mit etwas Wasser aufgefüllt, das man zwischen den Splittern nicht sehen kann. Und gehofft, dass die Blüten auch noch aufgehen. Eine Blüte hat es bisher auch geschafft und sieht in dem Gläschen fast schöner aus, als in der riesigen Glasvase.

Ein einzelner Zweig

Violette Gladiolen

Ich nehme mit meinen Gladiolen, nach so langer Zeit, mal wieder bei den Blumen am Freitag, bei Holunderblütchen teil. Außerdem möchte ich dir einen Post, der erst am Sonntag bei Die Zitronenfalterin erscheinen wird, ans Herz legen. Da kannst du eine Menge über mich erfahren.

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Rose im Café & Berliner Schnauze

Nicht meine Blumen… Rose im Café

Meine Blumen, sind heute gar nicht meine. Ich hab sie gestern auf einem Bistrotisch in einem Cafè fotografiert. Die Rose sah so hübsch aus und meine Blumen zu Hause sind immer noch nicht aufgeblüht. Was sollte ich denn machen? Eine Stadtgeschichte ohne Blumen? Och nö… Und da blinzelte mich die Rose im Café so an. Sie stand in einem kleinen Glasväschen. Komisch, wieder eine Vase aus Glas. Fast wie zu Hause.

zart gelbe Rose in einer Glasvase im Café

Auf jedem Tischchen stand ein solches Väschen. Mal war eine Rose darin, und manchmal auch Drei. Wenn ich sie mir in einem Blumenladen aussuchen können, dann bestimmt diese. So mag ich die Rosen halt. Und schnörkellos in eine Vase gestellt, eben genau meins. Ich hatte schon oft Rosen am Freitag.
Die Blumen zu Hause, die sind noch fest verschlossen. Von ihnen werde ich dir nächsten Freitag erzählen. Zum nächsten Freitagsblumentag bei Holunderblütchen.

Rose im Café

Stadtgeschichten

“Ey, haste Kartoffeln uff de Ojen?” schreit so ein Typ aus seinem dicken, sternbesetzten Automobil. Ich liebe die Berliner Schnauze. Immer Weltoffen und zugänglich, freundlich und unterhaltsam. Ich bin tatsächlich falsch herum in eine Einbahnstraße gefahren. Nur, dass ich das tatsächlich darf, mit meinem Fahrrad. Einige Straßen sind gekennzeichnet, dass man als Radler falsch herum hinein fahren darf. Nur sehen das die Autofahrer oft ganz anders. “Ick dürf ditt!” konter ich zurück. “Wer sacht’n ditt. Wennde keene Vakehrsrejeln kennst, sollteste och nich hier herumjurken” Wie soll ich das dem Typen nur klar machen. Ich habe ja kein Problem damit, ihm das zu erklären, aber er steht mit seinem dicken Auto tatsächlich so, dass ich nicht vorbei komme. Normalerweise, würde ich ihn einfach stehen lassen, ihm einige Luftküsschen zukommen lassen und mich davon machen.

Rose neben einer Tasse Espresso

Plötzlich steht noch einer hinter dem Sternträger. Noch so ein dickes Auto. “Haste endlich mal ehne erwischt? So jeht ditt aber nich! Du blöde Kuh, kannst doch nich machen watt de willst.” Neben mir taucht ein weiterer Radfahrer auf. “Seid ihr alle blöde? Könnter nich kieken, ditt iss für Radfahrer erlaubt. Macht ma endlich Platz, ihr Luftvapessta!” Ich fühle mich jetzt nicht mehr so alleine. Ich kenne den jungen Mann zwar nicht, aber manchmal halten Radfahrer zueinander. Die Autofahrer brummeln noch etwas in ihre Lenkräder. Ich beuge mich zu dem Fahrer mit dem Stern “Wennde aus der Einbahnstraße raus fährst, kiekste noch ma in den Rückspijel und uff ditt Schild. Wirst sehen, ick dürf ditt!” Schicke ihm noch ein Luftküsschen, grinse den anderen Radfahrer an und fahre, wie der junge Mann, über den Bürgersteig an den Blockierern vorbei.

Rose in einer Glasvase

Die Berliner Autofahrer können sich an manche Regeln nicht so einfach gewöhnen. So haben wir inzwischen einige Fahrradstraßen. In Freiburg, habe ich solche Straßen schon vor Jahren bewundern können. Hier sind sie eher etwas seltener. Das dort die Radfahrer absolut Vorrang haben, das können die Motorisierten überhaupt nicht ab. In der Nähe von meiner Arbeit gibt es eine solche Straße. Wenn man dort nebeneinander fährt, wird man zusammengehupt. Es ist doch dort erlaubt. Autofahrer dürfen in diese Straßen auch nur dann hineinfahren, wenn sie Anwohner sind. Beschimpfungen sind inklusive. Aber das kennt man ja. Der gemeine Berliner hat eben einen rauen Ton an sich.

Gibt es in deiner Umgebung auch Fahrradstraßen? Oder Schilder, die die Autofahrer gerne mal übersehen oder gar nicht kennen? Radfahrer übersehen natürlich auch gerne mal ein oder zwei Schilder, oder auch eine rote Ampel. (Niemals würde ich meine Hand für die Radler hergeben…)

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Berlin, Stadtgespräche und Freitagsblumen

Geschichten aus Berlin (auf der Parkbank) & Oxypetalum, der Name meiner Freitagsblumen

Gestern war ich im Blumenladen. Der Garten meiner Eltern, war mir zu nass und außerdem kennst du schon alle Blümchen aus dem Garten. In Berlin hat es gestern Nacht so viel geregnet, dass die Gullys das viele Wasser gar nicht aufnehmen konnten. Da bin kurzerhand zum Floristen und suchte etwas Außergewöhnliches. Das nächste Mal gehe ich wieder auf den Markt. Die Blumenfrau guckte erst etwas irritiert, als ich sie nach dem Namen dieser blauen Blümchen fragte, holte dann aber ein Liste hervor und buchstabierte mir sogar den Namen

EineEnzianart auf meinem Tisch

Wir schauten beide im Internet nach und erfuhren, dass diese Pflanze zu den Seidenpflanzengewächsen und zu den Hundsgiftgewächsen gehört… Wie schlau wir jetzt sind! Im Grunde ist es ein Enziangewächs. Und wie immer, ist es mir eigentlich fast egal wie die heißen. Ich fand sie einfach nur hübsch und etwas anders als sonst. Zusammen mit den feinen Gräsern und dem bisschen Grün, stehen sie nun auf meinem Esstisch in einer Glasvase. (Immer noch meine Favoriten, wenn ich Blumen irgendwo hinstellen möchte)

Bei Holunderblütchen, gibt es wieder Blumen zu bewundern.

Enzianblümchen

Stadtgeschichten, oder Gespräche auf der Parkbank

Die letzten Wochen waren so schön, dass wir wieder öfter auf dem Weinfest waren. Kommt man zu spät, dann findet man keinen Platz mehr an den Tischen rund um das Verkaufshäuschen. Man könnte dort bequemer sitzen, sich mit fremden Personen unterhalten und hätte einen Tisch auf dem man seine mitgebrachten Leckereien verzehren kann. Aber wer zu spät kommt, der muss mit der Parkbank, dem Boden oder den Beetumrandungen vorlieb nehmen.
Auf einer Parkbank sah es aus, als könnten mein Kerl und ich noch neben einem älteren Herren Platz finden. Der saß, wie es sich für einen feinen Herren gehört, seitlich, nur mit einem halben Hintern auf seinen klassischen Gehstock gestützt und schaute in das Treiben um ihn herum. Ich fragte höflich, ob wir uns zu ihm setzen könnten. “Natürlich, ich wollte sowieso gerade gehen…eigentlich schon seit einiger Zeit. Aber ich brauche immer etwas, um mich zu erheben.” Wir setzten uns neben ihn und gossen uns etwas Wasser in die Gläser. “Ich habe auch nichts dagegen, wenn sie Alkohol trinken. Ich selber trinke ja nicht. Freue mich aber immer daran, wenn es anderen schmeckt. Es ist schön hier. Man kann die Menschen beobachten, wie gesellig das hier immer alles wirkt. das hat so einen mediterranen Flair. Alle gehen so nett miteinander um”.
“Kommen sie denn öfter hier her?” fragte mein Kerl. “Ich bin nicht so oft hier. Manchmal muss ich aber aus meiner Wohnung und etwas Anderes sehen. Dann komme ich gerne hier her. Wissen sie, meine Wohnung ist sehr dunkel, nicht so wie die modernen, neuen Wohnungen. Damals hat man die Wohnungen einfach nur gebaut, ohne sich Gedanken zu machen, ob da Sonne hineinscheint. Aber ich habe eine sehr schöne Wohnung, alles mit alten Möbeln. Alle Epochen finden sie hier. Ich habe verschiedenen Stühle. Nicht alle sind bequem, aber zwei habe ich mir herrichten lassen, das war nicht billig. Kennen sie den Designer…. (ich habe den Namen wieder vergessen) …der hat nur solche schönen Dinge aus Holz gemacht. Aber leider, naja, der Zahn der Zeit”
Der alte Herr redete und redete. Mein Kerl stellte ab und zu eine Frage, und schon floss es nur so aus dem Herren heraus. Immer noch saß er seitlich auf der Bank, auf seinen Stock gestützt.

Oxypetalum

Ich erwischte mich dabei, dass ich den Alten immer wieder skeptisch beobachtete. War der echt? Oder war das ein geschminkter Schauspieler und hinter dem nächsten Busch sitzt ein Fernsehteam?
Der alte Herr sprach nachdenklich und überlegt. Irgendwie beruhigend. Er erzählte viel von sich selber. Eine Freundin von ihm, die etwas jünger sei, lache ihn aus, weil er immer noch mit seiner alten Schreibmaschine schreiben würde. Dieses Internetdings, das ist ja so gar nicht seine Sache. Das versteht er nicht. Immer und überall, sei das Telefon dabei. Wenn er sich hier hin setzt, dann kann er nicht ans Telefon gehen. Weshalb er ja auch hier sitzen würde, damit er seine Ruhe haben möchte und nicht angerufen werden. Aber es soll ja auch ganz gut sein, das Internet, da kann man Sachen verkaufen. er habe ja genug,.. So viele schöne Dinge, die man nicht brauchen kann in seinem Alter.”

Seidenpflanzengewächs

Er wirkte so fit und lebenslustig! Mein Kerl fragte dann mal ganz vorsichtig nach, ob er ihn nach seinem Alter fragen dürfte. Und wieder sah ich ihn an und grübelte, ob er nur eine Maske auf hätte.

“Hihihi, ich bin schon sehr alt sagte er. Ich habe schon viel gesehen und damals, als ich nach Berlin kam, ich bin nämlich nicht gebürtig von hier, da war das alles noch nicht so wie heute. Die Stadt war so viel kleiner und kaputt, wohin man auch schaute. Aber Berlin bot schon immer etwas Besonderes. Hier gab es schon immer viel Künstlerisches. Ich gehe viel in Museen und die Konzerte sind auch nicht zu verachten…Natürlich, dürfen sie mich nach meinem Alter fragen. Ich bin 89.” So sah er aber gar nicht aus. Immer noch war ich mir nicht schlüssig, ob er Schauspieler sei.

blaue Blumen

Mit einem Mal tauchten dann unsere Freunde auf, mit denen wir zum Weintrinken verabredet waren. Der Alte schaffte es, seinen Popo von der Bank zu heben. So schlecht laufen konnte er doch gar nicht. Aber als er stand, sah ich, er war tatsächlich nicht mehr ganz taufrisch. Die Beine krumm und schief, aber mit erhobenen Haupt, auf seinen Gehstock gestützt, schlurfte er zur Bushaltestelle. Ein Fernsehteam, habe ich übrigens nicht gesehen.
Ich bin immer wieder überrascht, was für freundliche Menschen in unserer Stadt unterwegs sind und wie schnell man mit ihnen ins Gespräch kommen kann, auch auf einer Parkbank.

Wo hast Du denn das letzte mal ein solches Treffen erlebt ?

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Freitags-Garten-Blumen-Stadtgeschichten

Freitags-Garten-Blumen und Stadtgeschichten

Blumen aus dem Garten

Meine Blumen stammen heute aus dem Garten. Gestern habe ich mir, ein paar Blüten im Garten der Eltern, zusammen gesucht und einen Strauß gebunden. Sonnig Gelbe und Rosarote. Ich mag solche Gartenblumen. Allerdings haben die Eltern kaum noch schöne Blumen, zum schneiden, im Garten. Viele sind schon verblüht und ihnen macht die Hitze zu schaffen.

mit Hortensie

Der Lavendel,

hat dafür noch eine zweite Runde Blüten hervorgebracht. Die Bienen und Hummeln, tummeln sich darauf. Wenn ich mit der Schere durch den Garten gehe, kommt es mir immer so vor, als würde ich den Insekten das Essen vom Tisch klauen.

gebunden, von oben fotografiert

Neulich im Fotoladen (Stadtgeschichten)

meines Vertrauens. Meiner Kamera wollte ich ein Teilchen gönnen, das ich irgendwann, wodurch auch immer, kaputt gemacht habe. Vor 4 Wochen hatte ich das Teil bestellt. Nachdem sie mich angerufen hatten, dass das Teilchen endlich im Lager angekommen sei, war es soweit und der Kerl fuhr mich dort vorbei. Für ihn ist dieser Laden ohne Interesse, weshalb er lieber draußen wartete.

Ich lief also hinein und war froh, auf einen Samstag einen freien Verkäufer zu finden. Freundlich nickte er mir zu. “Ich habe bei euch was bestellt… So ein Teilchen!” Er grinst mich an: “Was denn für ein Teilchen, wofür ist es denn genau?” Leider holperten mir wieder alle Gedanken im Hirn durcheinander und mir fiel nicht ein, wie das Ding eigentlich hieß. “Naja,…ähh, so ein Teil, das an meiner Kamera, so zum gucken… Ähmm da so oben, da äh… Ich habe meinen Zettel leider vergessen.” stotterte ich so vor mich hin und grinse ihn ebenfalls an. Dabei zog ich meine Kamera aus der Tasche. Und zeigte ihm das kaputte Teilchen. “Das ist eine Augenmuschel! Und du hast keinen Auftragsschein dabei? Dann geh ich mal suchen. Könnte 3 Stunden dauern…” verschmitzt zog er in Richtung Lager ab. “Aber vielleicht fällt dir noch ein, auf welchen Namen du das Teil bestellt hast” “Klar, Karminrot! Ich weiß euer Lager ist groß. Ich hol mir dann mal einen Kaffee!” flaxte ich zurück. Grinsend zog er ab.

Nach eineinhalb Minuten tauchte er wieder auf. “Da isses. Eine Augenmuschel. Aber das nächste Mal, bitte mit Zettelchen. Ich musste 50 Schubladen durchwühlen… Quatsch, es war gleich in der Ersten.” Der Kollege bekam mit, das ich sagte, dass ich den Namen für das Ding bestimmt gleich wieder vergessen habe.” Augenmuscheln findet man am Strand. Die glotzen einen immer so boshaft an!” “Wenn ich welche am Strand gefunden hätte, wäre ich doch nicht hier!” Immerhin war ich doch erst am Strand!

Und dann beschäftigte ich die Verkäufer noch mit einer schwierigen Frage. Allerdings konnten sie mir nicht helfen. Schade. Noch mit einem Grinsen im Gesicht, stieg ich wieder zum Kerl ins Auto.” Da schicke ich dich öfter rein, da lachst du so schön!” “Das wäre allerdings fatal, dort gibt es so viele schöne Teilchen, die man zum fotografieren brauchen könnte “

sonnig gelb

Mit der neuen Augenmuschel, macht das Bilder machen auch gleich viel mehr Freude. Die Blümchen waren wieder dankbare Fotomodells. Sie waren nach dem Shooting auch entspannter, als ich das Jutebändchen, das sie zusammengehalten hat, entfernt habe. Sie waren mir doch etwas zu sehr zusammengedrückt und aneinander gerutscht. Der Phlox ist, glaube ich, überhaupt nicht erfreut, in der Glasvase zu stehen.
Mal schauen, was die Anderen so in den Vasen stehen haben. Bei Holunderblütchen gibt es bestimmt wieder eine Menge schöner Blumen zu sehen. Hast du auch Blumen in der Vase?

 

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