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Lächelnd unterwegs {Samstagsplausch 23/20}

Diese Woche war ich lächelnd unterwegs

Ich sag dir mal was, die Menschen scheinen so viel mehr zu lächeln. Lächelnd, kamen mir so viele Menschen entgegen, dass ich mich schon gewundert habe. Corona scheint tatsächlich auch etwas Gutes zu haben. Wenn du dich jetzt fragst, wo ich unterwegs war, dann will ich es dir auch gerne erzählen. Der Montag war mein erster Urlaubstag, den ich im Grunde damit verbracht habe, mit unseren Nachbarn ein nettes Treffen im Garten zu genießen. Schon da war klar, die Nachbarn lächelten die ganze Zeit. Übrigens haben wir artig den Abstand gehalten.

Die nächsten lächelnden Menschen begegneten mir auf meiner ersten Radtour nach Oranienburg. Obwohl der erste Teil der Strecke quer durch die Stadt ging, zeigte sich immer wieder ein freundliches Gesicht in meinem Sichtfeld. Schöner war dann allerdings der zweite Teil der Tour. Am Wasser entlang, auf einem schönen ausgebauten Radweg, kamen mir einige Radfahrer entgegen, die fast ausschließlich ein Lächeln im Gesicht trugen. Obendrein sogar sehr freundliche Worte übrig hatten. So zum Beispiel wurde mir ein guten Appetit gewünscht, als ich in der Sonne an der kleinen Schleuse gerade mein Brot genossen habe. Diese Tour hat mir Spaß gemacht und am Ende bin ich 84 km gefahren.

Am Mittwoch, habe ich mich spontan mit einer Freundin verabredet. Sie ist, wie ich, eine begeisterte Fahrradfahrerin. Wir haben uns schon so lange nicht mehr zum Radeln verabredet. Wie gesagt, kurzentschlossen trafen wir uns am Bahnhof Jungfernheide, um mit der Bahn nach Rathenow zu fahren. Die Fahrräder hatten ausreichend Platz und wir eine Stunde Zeit, uns über das vergangene Jahr zu unterhalten. Wie gesagt, wir haben uns schon sehr lange nicht gesehen. Im Zug wurden wir von der Kontrolleurin über die richtigen Fahrkarten aufgeklärt. Wir hatten die Fahrt bezahlt, keine Angst…

In Rathenow sind wir dann auf unsere Drahtesel aufgesessen und sind auf gut ausgeschilderten Wegen Richtung Nauen los gefahren. Schon kamen uns andere Radler entgegen, die freundlich Hallo herüber riefen, oder Gute Fahrt wünschten. Ehrlich gesagt, fand ich es wirklich etwas merkwürdig, denn dass ist nicht normal. Dieses lächeln und freundlich sein, kenne ich aus den Bergen, aber nicht von den Radwegen rund um die Stadt. In Nauen trennten sich unsere Wege wieder. Immerhin waren das schon 66 km. Ich blieb auf meinem Drahtesel und fuhr noch nach Hause. Meine Freundin fuhr mit dem Zug zurück. Auf dem Weg dachte ich noch, dass ich selber Schuld sei, wenn mir das Lächeln im Gesicht verschwinden würde. Denn am Ende hatte ich 100 km zusammen. Mein Hintern hatte jedenfalls nicht mehr gelächelt.

Und gestern war ich mit dem Kerl in Havelberg in Brandenburg. Auch dort trafen wir Menschen, die einfach nur freundlich waren und einige nette Worte übrig hatten. Kannst du das auch bestätigen, dass die Menschen um dich herum mit einem Lächeln im Gesicht unterwegs sind?

“Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.”

(Christian Morgenstern)

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3+

Hausbesetzer in Kreuzberg {12tel Blick Mai}

Hausbesetzer in den 1980er Jahren

Letzten Monat, hatte ich in den 1980er Jahren und bei den Hausbesetzer aufgehört dir Geschichten aus Kreuzberg zu erzählen. Und genau da, mache ich jetzt weiter. Wie kam es dazu, dass die Hausbesetzer-Szene in Berlin so ein Potential hatte…

Schon 1945, kurz nach Kriegsende, war in Kreuzberg nur noch die Hälfte des bewohnbaren Raum vorhanden. Dazu kam, dass immer mehr Flüchtlinge nach Berlin strömten. Es entstanden Aufnahmelager,  oft auch in ehemaligen Zwangsarbeiterlagern oder Fabriken. In der Fichtestraße in Kreuzberg steht eine Bunkeranlage, ein ehemaliger Gasometer, der 500 Flüchtlinge aufnehmen konnte. Allerdings war dieser oft überbelegt. Der Schwarzmarkt begann zu blühen, doch nicht jeder hatte etwas zu verkaufen. Irland, Südafrika, die Schweiz, schickten Decken, Socken, Schokolade und Seife. Dinge, die gebraucht wurden.
In den 1950er Jahren nahmen die Fluchten aus den sowjetisch besetzen Gebieten zu. 1953 kamen 500.000 Flüchtlinge nach Berlin und wurden meistens als politische Flüchtlinge anerkannt, wenn sie nachweisen konnten, dass sie “wegen einer Gefahr für Leib und Leben und die persönliche Freiheit und sonstige zwingende Gründe ” die DDR verlassen hatten.

Wohnraum fehlt

Durch die Blockade 1948-49 gab es ohnehin wenig Baumaterial. Kohle und Nahrung war wichtiger und wurde durch die Luftbrücke in das eingeschlossene Westberlin eingeflogen. Erst später, durch die “Marschall-Planhilfe”, kamen amerikanische Gelder nach Berlin. Die hohe Arbeitslosigkeit konnte gesenkt werden und die Wohnungslosigkeit minimiert.  Einige entrümmerte Gelände in Kreuzberg wurden endlich bebaut. Es entstanden Pläne, eine autofreundliche Stadt zu entwickeln. Doch durch den Bau der Berliner Mauer 1962 wurden diese Pläne auf Eis gelegt. Stattdessen wurde der Wohnungsnot mit Kahlschlagsanierung entgegenwirkt. Historische Bauten sollten einfach niedergerissen werden. Die Menschen wünschten sich sonnige Balkone, Innentoiletten und Zentralheizungen.

Stadtrandgebiet Kreuzberg

Durch die Mauer wurde Kreuzberg zum Stadtrandgebiet gemacht. Die Eigentümer vieler Häuser sahen keinen Sinn darin, die gute Substanz der Häuser zu pflegen. Einige Grundstücke und Häuser standen sogar leer. Die Eigentümer spekulierten darauf, dass die Grundstücke im Wert stiegen. Wohnungsbaugesellschaften kauften diese dann auf, um Neubauten zu errichten. Viele junge Familien zogen in die neu entstehenden Neubausiedlungen (Gropiusstadt und das Märkisches Viertel), Alte Menschen blieben. Künstler, Studenten und Gastarbeiter zogen ein, weil die Mieten günstig waren, sie nur auf Zeit blieben. Es herrschte Wohnungsnot und die Eigentümer ließen hier alles verrotten.

1971 kam ein Gesetzt heraus, das verlangte, dass geplante Maßnahmen (Abriss und Neubau) mit den Mietern zu erörtern sei. Die Bewohner Kreuzbergs waren nicht von den erdachten Neubauten erfreut. Die alten gewachsenen Strukturen waren doch gut! Warum nicht erhalten? Proteste gegen den fertiggestellten Neubau am Kottbusser Tor legten die neuen Pläne erst einmal auf Eis.

In den Altbau-Wohnungen im Kreuzberger Kiez gab es meistens noch Ofenheizungen. Zugezogene Bundeswehrflüchtlinge (in Berlin musste man nicht zur Bundeswehr), Studenten, Ausländische Arbeiter (die eigentlich nur für 3 Jahre nach Deutschland kamen, Familien gründeten und dann doch blieben), alte Menschen, die ihre Wohnungen nicht verlassen wollten, bildeten wieder einmal ein buntes Bild von Kreuzberg. Die Wohnungen standen meistens offen, es wurde ein neues Lebensgefühl ausprobiert. Aus Sperrmüll wurden Einrichtungen für die meist abrissbereiten Häuser gebastelt und die Bewohner übten sich in freier Liebe, Kunst und Drogen.

Das erste besetzte Haus,

war das alte Diakonissen-Krankenhaus Bethanien. Nachdem eine Stadtteilgruppe gegen den Abriss des alten Krankenhauses agitiert hatte, besetzten einige junge Leute aus einem selbstverwalteten Jugendzentrum gegenüber dem Bethanien dort am 3. Juli 1971 einige Räume eines Fabrikgebäudes. Die Polizei war vor Ort und hatte eine Auseinandersetzung mit den Jugendlichen, die am Ende die Oberhand behielten. Der Rundfunk und die Presse waren vor Ort. Ton Steine Scherben, hatten dazu ein Song aufgenommen.

Aus dieser Stimmung heraus, entstand der Plan einen Teil des Krankenhauses als Wohnraum und Jugendzentrum zu besetzen. Am 8. Dezember 1971 hatten die Scherben einen Auftritt in der alten TU-Mensa. Nach deren Auftritt, zogen Hunderte nach Kreuzberg, um das alte Krankenhaus in ihren Besitz nahmen. Die Polizei hatte zu der Zeit noch andere Sorgen, als sich auf die Hausbesetzer einzulassen. Georg Rauch, ein linker Aktivist wurde erst kurz vorher durch einen Polizisten erschossen. Die Jugendlichen nannten “ihr Haus” nach dem Erschossenen Rauch-Haus. 

Die Scherben waren immer wieder dabei, als die Jugendlichen gegen die Fahrpreiserhöhung der Öffis demonstrierten, bei politischen Kampagnen und Protesten. Am 1. Mai 1972 fand dann auch das erste Fest auf dem Mariannenplatz statt. (Das seitdem jedes Jahr stattfand. Nur in diesem Jahr, aufgrund des Corona ausfallen musste.)

Nach der Besetzung des Bethanien, nahmen sich viele Städte (400) in Westdeutschland ein Beispiel. Und in Berlin wurden immer mehr Gebäude als Jugendzentren in Beschlag genommen. Immer wieder dabei Ton, Steine, Scherben.

Die Berliner wachen langsam auf

Die Berliner bekommen immer öfter mit, was in ihrer Stadt städtebaulich los ist. Sie fingen an zu protestieren und sich zu organisieren. Aufgrund des Denkmalschutzjahr 1975, bemerkte auch der Senat, dass sie auf dem falschen Weg waren. Einiges ließ sich nicht mehr aufhalten, anderes wurde überdacht. Die Altbauten wurde entkernt und modernisiert. Damit stiegen natürlich auch die Mieten und wurden für die ausländische Bevölkerung und die Künstler nicht mehr bezahlbar. Sie wurden immer mehr in die unsanierten Häuser ins SO 36 verdrängt. Und dabei ging  die Kreuzberger Mischung immer mehr verloren!

Im SO 36 entstand eine Subkultur, die neue Lebensformen erprobte. Wohngemeinschaften, politische Initiativen, Kollektivbetriebe, Frauengruppen, Kinderläden,… Alles Gruppen, die an die Gemeinschaft der Bewohner gekoppelt sind und für das Gemeinwohl stehen. Einige Häuser, die besetzt wurden, werden von der Polizei unter großem Protest “geräumt” und sofort abgerissen. 1978 eröffnet der erste Mieterladen in der Dresdener Straße 12, ein Sprachrohr der Mieter/innen in den Sanierungsgebieten. Sie demonstrieren gegen den Verfall und fordern die Erhaltung! Der krasse Leerstand, stand im Widerspruch zu den Wohnungssuchenden und wurde der Auslöser der Hausbesetzerszene.

Die Schlachten beginnen

Am 3. Februar 1979 gegangen die Bewohner erstmal mit lautstarken Protesten, gegen Abriss und Wohnungsnot. Sie organisierten in leerstehenden Wohnungen “Instandbesetzungen” Die BEWOGE, als Besitzerin, bot den Hausbesetzern tatsächlich reguläre Mietverträge an. Es wurde ein Besetzerrat K36 erstellt. Ein Zusammenschluss von  mehreren Instandbesetzern, die sich bis  März 1980 angesammelt hatten. Sie standen vor einer Verhandlungslösung (legale Mietverträge, oder Kauf) für 14 besetzte Häuser. Aber am 12. Dezember 1980 wurde ein besetztes Haus am Fraenkelufer geräumt, das veränderte alles. Es kam zu schweren Straßenschlachten zwischen den Instandbesetzern und der Polizei. Rund um das Kottbusser Tor flogen Steine, es kam zu Plünderungen und Festnahmen. Die Besetzerszene brach die Verhandlungen ab, solange die Festgenommenen nicht wieder freigelassen würden.

Die Alternative Szene entwickelt sich

Im Frühjahr 1981 bekommen die Hausbesetzer Aufschwung. Immer mehr Häuser werden Instandbesetzt. Durch den Garski-Bauskandal verliert der Senat immer mehr Bodenhaftung in der Stadt und die Alternativen träumen immer mehr von einer Freien Republik Kreuzberg. Es entsteht das Frauenstadtteilzentrum am Mariannenplatz, Kulturzentrum KuKuck, ein Kinderbauernhof, das Gesundheitszentrum Heilehaus und weiter Projekte.

Die Polizei räumte nur noch die Häuser, wenn die Eigentümer darauf pochten. Doch die Hausbesetzerszene wuchs immer weiter. 169 besetzte Häuser gab es in der Stadt, davon 80 in Kreuzberg. Selbst der Sohn des Polizeipräsidenten Hübner, war einer der Besetzer. Die Politik schien es ein ums andere Mal  zu unterstützen, um es dann wieder abzulehnen. Die Hausbesetzer stachelten sich gegenseitig auf und die Presse trug ihren Teil dazu bei. Wieder wurden 8 Häuser geräumt, wobei es zu Ausschreitungen kam, bei denen der junge Demonstrant Klaus-Jürgen Rattay von einem BVG Bus überrollt wurde.

Danach spaltete sich die Besetzerszene und viele Instandbesetzungen wurden legalisiert.  Doch immer wieder kam es zu Räumungen und Krawallen. All der Krach und Ärger hat dazu geführt, dass mehr auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen wurde. Sie wurden immer mehr in den städtebaulichen Planungen berücksichtigt. Die Bürger beteiligten sich intensiv und doch blieb es über die Jahre soziale Benachteiligungen.

Dabei war der 1. Mai ein “Demonstrationstag”, der oft mit Krawallen endete. 1987 hatten die Ausschreitungen ihren Höhepunkt. Es kam zu Plünderungen und Bränden. Die Polizei war anfangs mit 250 Mann vor Ort. Später standen 900 Mann gegen die Randalierer.

Heute!

Am Ende trennten sich die Autonomen von der Hausbesetzerszene. Was nicht heißt, dass die Besetzungen aufhörten. Im Gegenteil, sie waren recht erfolgreich es auszusitzen, damit die Häuser nicht verrotten.
Jedes Jahr aufs Neue versammeln sich die Menschen am Mariannenplatz, um für mehr Gerechtigkeit am Tag der Arbeit zu demonstrieren. Aber auch, um in den Mai zu tanzen. Und nicht immer endet das Fest mit Krawallen. Oder doch ein bisschen. Nur dieses Jahr blieb es verhältnismäßig still, in den Zeiten um Corona.

Diesen 12tel Blick verlinke ich wieder gerne bei Eva, auf ihrem Blog Verfuchst und Zugenäht

1+

Pfingsten mal anders {Samstagsplausch 22/20}

Pfingsten mal anders…

…normalerweise feiern wir an Pfingsten den Karneval der Kulturen. In Berlin leben so viele Menschen (180 verschiedene Nationen) aus allen Herren Länder. Irgendwann (es war das Jahr 1996) hat sich eine schlaue Gemeinschaft Gedanken gemacht, wie man den Bewohnern der Stadt die fremden Kulturen näher bringen kann und so zog der erste Umzug im Mai durch Kreuzberg.

Inzwischen ist der Umzug und das dazugehörige Straßenfest auf vier Tage angewachsen. Das gesamte Pfingstwochenende wird gefeiert, die Speisen und Tänze ausprobiert. Aber nicht nur die Berliner feiern diesen Karneval gerne. Üblicherweise kommen sehr viele Touristen in die Stadt. Das Spektakel gehört inzwischen mit ca. 1 Million Besuchern, zu einem der größten Straßenumzüge in Deutschland. Etwa 4000 Akteure nehmen an dem Umzug teil. Wenn du Bilder sehen willst, dann schau mal hier.
Und das fällt nun dieses Wochenende aus… Weshalb wir nun nicht zum Umzug bzw. zum Straßenfest gehen können. Was wollen wir denn nun stattdessen machen? Wie wäre es einfach mal an den Berliner Wannseestrand zu fahren? Vielleicht auch einfach ins Umland und die Natur genießen?

Stattdessen bin ich arbeiten und werde auf dem Nachhauseweg noch bei den Eltern vorbei radeln. Vielleicht gibt es dort ein kleines Stück Kuchen. Aber was es dort auf jeden Fall gibt, sind glückliche Augen, weil sich die Isolation langsam auflöst. Man sieht es ja schon immer öfter in der Stadt, dass die Menschen immer mehr auf Normalität aus sind. Wieder zanken sich die Virologen, wer denn am Ende recht haben wird. Aber das soll uns jetzt an diesem Pfingsten nicht tangieren. Wir werden einfach das genießen, was wir bekommen.

Die vergangene Woche war fast entspannt. Ein Treffen mit der Freundin. Ein Essen mit besonders lieben Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ein Schal der fertig gezeigt wurde. Bücher, die mich fasziniert haben. Nächte, die ich mir um die Ohren geschlagen habe. Gespräche mit einem Menschen, die ich dir ein anderes Mal näher bringen möchte. Eine Mail, die mich zu Tränen gerührt und mir eine Gänsehaut verursacht hatte. (Warum habe ich darauf eigentlich nur, mit einer Kurznachricht geantwortet?) Außerdem war ich gestern auf der Jagd nach den richtigen 12tel Blick Bildern. Was ich dieses mal über Kreuzberg zu erzählen habe, veröffentliche ich am Sonntag. Könnte spannend sein! Aber nun zu dir, was lag dir in dieser Woche am Herzen?


Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.

(Mark Twain)

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5+

Damona, ein Tuch nach Birgit Freyer

Damona, eine keltische Prinzessin

Damona hört sich doch toll an! Ich musste direkt mal googlen, wer Damona gewesen sein soll. Damona war eine keltische Göttin. Sie war die Partnerin des Heilgottes Bormo. Damit ist dann auch meine Sucht nach der Namensforschung ausgereizt. Ich fand einfach nur die Anleitung toll, weshalb ich den MysteryKal von Birgit Freyer mit gestrickt habe. Ich mag keine Mysterys mehr, denn ich bin zu oft hineingefallen.

Bei dem Tuch hatte ich aber schon bei Marion gelinst. Und was ich da sah, gefiel mir so gut, dass ich in meinen Vorräten nachschaute, ob ich passende Wolle habe. Hatte ich tatsächlich. Lustigerweise sogar aus dem Hause Freyer. Filace Noble aus Kashmir, Merino… ein wirklich feines Garn in der Farbe Almonde. Als zweiter Faden kam dann das dunklere Setamo in Frage. Ein Garn aus 50% Seide, 50% Mohair.

Ziemlich fluffig das ganze. Und zusammen verstrickt, ein Träumchen. Das Tuch ist so luftig leicht, dass man es kaum merkt, wenn man es um den Hals legt. Das Tuch wird eigentlich mit einer Freyertypischen Spitze gestrickt. Ich mag ihre Spitzen-Tücher, aber in diesem Fall, fand ich es zu altbacken. Ich bin ja nun mal der sportlicher Typ.

Gestrickt habe ich das Tuch mit einer 4,5 Nadel. Es hat eine Bananenform und das Muster ist sehr einfach zu verstehen, wenn man die Spitze weglässt. Damit es nicht ganz zu einfach und schlicht ist, habe ich einen Mustersatz der Spitze mit eingefügt. Wenn du wissen willst, wie das Original aussieht, dann musst du mal hier schauen. Aber auch Marion ihr Tuch ist inzwischen fertig.

Ich kann dir nur sagen, ich bin sehr glücklich mit dem Tuch, so wie es ist. In der Kal-Gruppe bin ich allerdings etwas angestoßen damit, nicht das ganze Tuch zu stricken. “Es ist dann kein echtes Freyer-Tuch!”
Es hat auch so schon eine ordentliche Größe. 2,26 Meter lang und an der breitesten Stelle ist es auch ohne die Spitze 67 cm. Das reicht mir völlig aus.

Das Damona-Tuch hat noch einen lustigen Effekt, der mir am Anfang gar nicht aufgefallen ist. Das Mohairgarn war am Anfang etwas dünner. Warum auch immer es wie ein Spinnenfädchen aussah, keine Ahnung. Aber das hat zur Folge, dass es über die Hälfte des Tuches heller scheint und erst zum Ende hin einen kräftigeren Ton bekommt. Hoffentlich geht es mir im Laufe der Zeit dort, an den dünnen Stellen nicht kaputt.

Zusammenfassung

Größe 226 cm lang 67 cm tief
Wolle Filace Biagoli Noble 44 Gramm verbraucht
Filace by Birgit Freyer Setamo  ca 50 Gramm verbraucht
Nadel 4,5
Anleitung Birgit Freyer Damona 

5+

Abstand bitte! {Samstagsplausch 21/20}

Abstand bitte!

Du weißt ja, ich trinke sehr gerne Kaffee. Und das am liebsten in einem Café. Ich mag es, wenn man mir den frischen Kaffee an den Tisch bringt und ich den Gesprächen am Nachbartisch lauschen kann. Ich habe immer wieder gerne Berliner Geschichten geschrieben. Aber seitdem die Cafés wieder offen haben und man sich in der Öffentlichkeit treffen kann, ist es immer noch mit Abstand. Was musste ich grinsen, als wir letzte Woche bei unserem Hofladen saßen. Die Tische und Stühle standen in lustigen Kreidemarkierungen auf der Straße, damit der Abstand gewährleistet werden konnte. Wehe, sie würden über die Linie gezogen.

In unsere Lieblingsstrandbar bringen wir inzwischen unsere eigenen Stühle mit. So sitzen wir bei der Bar aber weit genug von den anderen Gästen entfernt. Als mein Kerl mit unserem kühlen Bier zurückkam, hatte er eine ältere Frau im Schlepptau, die wissen wollte, woher wir diese Stühle hätten. Der Kerl war schon etwas maulig, weil sie ihm schon an der Bar im Nacken, auf Abstand verzichtend, stand. Sie hustete immer wieder, zwischen den Sätzen, vor sich hin. Der Kerl antwortete recht unwirsch und verwies sie auf Mindestabstand, was sie aber geflissen überhörte.

Und wie ist das nun in der Fussballkneipe, die nun ein Restaurant ist, damit sie überhaupt öffnen kann? Der Kerl bekommt eine Nummer zugewiesen, damit weiß dann die Wirtin, dass er in dem Laden war. In anderen Einrichtungen, musst du deine Telefonnummer oder Emailadresse hinterlegen. (Ist das überhaupt DSGVO konform oder ist das im Moment ausgesetzt, wie die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes, für die Gastronomie?) Geraucht werden darf dann natürlich nicht mehr. Dafür sitzen die meisten Gäste dann lieber an der frischen Luft. Eben des Rauchens willen.

Die Bedienungen flitzen mit einem Mund-Nasen-Schutz zwischen den Gästen herum. (Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, nicht besonders schön, wenn man das Ding 8 Stunden im Gesicht hat.) Sie kommen ganz schön ins Schwitzen, weil die Kunden niemals gemeinsam eine Bestellung aufgeben. Aber auch die Fußgänger, die an den Gästen vorbei wollen, müssen sich an den Tischen mit einem Mindestabstand vorbei schieben. So der eine oder andere Passant, wechselt dann lieber die Straßenseite.

Es ist einfach nicht einfach, den Abstand einzuhalten. Da sitze ich nun doch wieder mit meinem Kaffee und dem Strickzeug oder Buch auf meiner Terrasse oder treffe mich mit den Nachbarn auf deren Balkon. So bleiben wir immer hübsch auf Abstand. Aber wie lange soll das noch so weiter gehen? Wenn ich so durch die Straßen radel, dann sehe ich die Menschen immer mehr zusammenrücken und immer mehr auf den Abstand verzichten. Sie sehnen sich nach Normalität!

Je größer eine Sache oder ein Geheimnis, desto größer auch der Abstand, den es zu gewinnen gilt.

(Wladimir Wladimirowitsch Majakowski)

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