Seite auswählen

Ich brauche Bewegung! {Samstagsplausch 14/20}

Ich brauche Bewegung … Und du?

In den letzten Tagen fühle ich mich immer mehr eingesperrt. Meine Psyche spielt da nicht mit. Ich reagiere ungerecht auf Andere und bin brubbelig. Mir macht nichts mehr richtig Spaß, selbst mein Gestricksel macht mich nicht mehr richtig glücklich. Dabei gehöre ich zu den “Glücklichen”, die Arbeiten gehen können. Die Regierenden schränken unsere Bewegung aber immer mehr ein. Ein innerer Widerstand zwingt mich auf mein Fahrrad, um mich wenigstens etwas an der frischen Luft zu bewegen. Was bin ich froh, dass meine Monster Groß und Erwachsen sind, dass ich mich nicht auch noch um deren Bespassung zu kümmern.

Ich atme jetzt mal durch und erzähle dir, was mich in dieser Woche Schönes ereilt hat:

  • Ich musste herzhaft über und mit einem Patienten lachen. Erst hatte er mich auf’s übelste beschimpft und kurz darauf, war ich die Nette, die ihn sogar waschen durfte. Kaum, dass ich aus dem Zimmer war, hatte er schon wieder vergessen, dass ich überhaupt da gewesen bin. Nur der Nachbar, hätte gerne die Antworten  auf die Fragen gehört, die ich dem alten Mann gestellt hatte. Der hatte aber beschlossen nur laut los zu lachen…. Ach manchmal ist die Demenz ein Segen
  • Ich habe einen Brief von einer meiner Schlemmerstrickerinnen bekommen. Darin fand sich ein Ostergruß und der hübsche Hase, den du auf meinem Tisch liegen siehst. Eigentlich ist der zum Aufhängen, aber auf meinem Tisch macht der sich auch ganz gut.
  • Dabei fällt mir ein, dass ich vor einiger Zeit schon eine sehr hübsche Osterkarte von Bettina bekommen habe. Ich habe mich so gefreut und dann aber vergessen mich zu bedanken.
  • Wir haben wieder ein Onlinestricktreffen gehabt. Inzwischen fällt es uns aber schwer, uns etwas Neues zu erzählen. Wir erleben so wenig. Aber über neue Strickseleien konnten wir uns austauschen.
  • Meine bunte Jacke ist fertig! Naja, nicht ganz, denn ich habe keine passenden Knöpfe. Die zu bestellen, traue ich mich nicht. Ich mag es immer lieber, wenn ich sie anhalten kann um zu gucken, ob sie zum Strickstück passen.
  • Ich habe mir doch wieder neue Bücher zugelegt. Was ich diesen Monat auf dem Plan habe, kannst du im Lesezimmer nachschauen.
  • Noch immer koche ich am Abend mit dem Kerl zusammen. Es macht Spaß und er macht sich jeden Tag Gedanken, was es wieder leckeres zu Essen geben kann. Heute und Morgen, muss er allerdings alleine kochen, denn ich darf wieder arbeiten.

Im Grunde gibt es jeden Tag etwas Schönes. Immerhin habe ich es geschafft meinen 12tel Blick fertig zu fotografieren. Unsere Katzen machen gerne den Kasperkopf und bringen uns zum lachen. Aber mir fehlt einfach die Bewegung, wann ich es auch immer will. Das bummeln gehen, Knöpfe kaufen, Wolle streicheln, im Café sitzen und das echte Treffen mit meinen Freundinnen. Wie geht es dir, in dieser unwirklichen Zeit?

Ich kann die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht das zuweilen abnorme verhalten der Menschen

(Isaak Newton)

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


4+

Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

4+

Mundschutz, selber genäht {Samstagsplausch13/20}

 

Mundschutz selber genäht!

Ja ich weiß, so einen selbstgenähter Mundschutz hat keinen großen Wert. Und doch haben wir von unserem Arbeitgeber einen leichten, aus Mikrofaser (so fühlt es sich jedenfalls an), einlagigen! Mundschutz bekommen. Den dürfen wir nach dem Dienst mit nach Hause nehmen und in ein 60° grad heißes Wasserbad mit Waschmittel versenken. Ein paar mal umgerührt und ausgespült, ist er fertig für den nächsten Dienst. Denn das Ding trocknet tatsächlich eins, zwei fix.

Nun hatte ich den Mundschutz einen Dienst lang im Gesicht kleben. Mal abgesehen davon, dass ich echt Schwierigkeiten hatte meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Kaffeetrinken nach zu kommen (denn nur deshalb bin ich natürlich Krankenschwester geworden!), bekam ich leichten Ausschlag im Gesicht. Zum Glück verschwand der auch wieder schnell nachdem ich wieder in meinen sicheren vier Wänden war. Aber glücklich war ich damit nicht. Die Hygienefachfrau windet sich auch sehr und hat uns genehmigt, dass wir uns eigene Masken nähen dürfen. Allerdings sollen die Dreilagig sein!

Du weißt ja, dass ich einige Freundinnen habe, die nähen können. In meiner einen Whatsapp-Gruppe ist eine Freundin dabei, die ihre genähten Werke auf verschieden Märkten über das Jahr verteilt anbietet. Als ich von meinem Dilemma in der Gruppe erzählte, grübelte sie schon darüber nach wie sie es bewerkstelligen könnte, möglichst viele Masken, möglichst kostengünstig zu produzieren. Mit einem kleinen Gimmick, das man einen kleinen Tunnel oben mit einnäht, damit man einen Draht, (Pfeifenputzer, den Metallstreifen von einem Schnellhefter, Blumendraht…) einführen und zum Waschen wieder herausnehmen kann. Gestern habe ich dann selber noch meine NähMa angeworfen und meinen eigen Mundschutz genäht. Ich habe von den Ideen profitiert und habe gleich noch 5 weitere Teile genäht.

Nur noch mal zur Kenntnis

Nur noch mal für alle zur Kenntnis! Die Dinger schützen dich nicht vor Viren. Auch wenn das Teil drei Lagen hat! Die Viren können auch zickzack krabbelnd, durch mehrere Lagen direkt in deinen Hals gelangen. Aber es hilft ein wenig, die Hände aus dem Gesicht zu lassen, meine Keime bei mir zu behalten und hat vielleicht auch einen psychologischen Effekt. Leider kann ich in einem Akutkrankenhaus dem ganzen Gedöns leider nicht aus dem Weg gehen.

Jetzt aber genug Corona und Covid. Meine Woche war ganz schön, weil ich jeden Tag mit meinem Kerl gemeinsam gekocht habe. Nichts Aufregendes. Aber das gemeinsame kochen macht richtig Spaß. Dann habe ich mich mit den Freundinnen online getroffen. Habe viel gelesen, damit mein Hirn mal nichts von der Welt draußen mitbekommt. Meine Gestricksel werden irgendwie nicht fertig. Gefühlt wenigsten. Dafür habe ich mich fast für einen KAL angemeldet. Marion hat das Tuch jedenfalls schon angestrickt, und nun will ich auch. Die passende Wolle werde ich wohl in meinen Kisten finden.
Und einen schicken Strickbeutel, habe ich auf meinem Blog vorgestellt. Meine Woche war doch ereignisreicher als ich dachte. Und bei dir so?

Ich hülle mich in meine Tugend ein. Das nenn ich leicht gekleidet sein.

(Friedrich Haug)

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


4+

Kann man davon je genug haben?

Nie Genug

Ich kann nie genug davon bekommen. Von meinen Strickbeuteln. Immer wieder sind sie ein wenig anders als die Vorherigen, verschiedene Materialien und Webbänder. Dadurch wird jeder Beutel individuell. Und natürlich sammel ich in all den Beuteln meine Strickprojekte. Inzwischen sind es aber genug Projekte, die ich angefangen habe. Ich will dieses ganze Ufo-Ding einfach nicht mehr haben. Ich möchte demnächst, erst ein Projekt  fertig machen und dann das Neue beginnen.

Zurück zu dem Beutel. Diesen hier habe ich aber nicht für mich gemacht. Ich war eingeladen und wollte ein besonderes Mitbringsel machen. Ich habe inzwischen schon einige Beutel genäht und komme recht fix mit dem Schnitt und dem zusammennähen zurecht. Dieses mal habe ich einen Stoff aufgebraucht, den ich schon einmal für eine Freundin vernäht habe. Unten herum, hat der Beutel wieder eine alte Jeans bekommen. Jeans ist praktisch. Die kann man auch mal in den “Dreck” stellen.

Auch die Griffe oder Henkel, habe ich aus Jeans gemacht. Eine Zackenlitze, als Zierde drum herum genäht. Das war mir aber auch noch nicht genug. Ich hatte mir doch erst vor kurzem ein paar neue Labels machen lassen. Das musste auch noch drauf. Das Futter ist ein Stoff, den meine Schwiegermutter sich irgendwann einmal gekauft hatte. Ein edler Stoff!. Eine Tasche musste aber auch noch in den “Innenraum” des Beutels.

Ich nutze auch immer gerne die Gesäßtaschen der Jeans. Die werden von der Hose abgetrennt und mit neuen Nähten wieder auf die Projekt-Tasche aufgenäht. Da passen Kleinigkeiten hinein und außerdem sieht es immer ganz hübsch aus. Die Gesäßtasche findet man bei diesem Beutel innen, auf der Innentasche. Die ist so groß, dass man eine Strickanleitung darin unterbringen kann. Sie ist noch einmal unterteilt. Für Stricknadeln, Stifte, was auch immer. Und damit das ganze nicht immer nach innen klappt, habe ich einen Oldschool-Druckknopf angenäht.

Während ich versucht habe, ein paar Bilder von der Tasche zu machen, wurde der Beutel sehr skeptisch in Augenschein genommen. Kann man so ein Teil tatsächlich verschenken, weitergeben? Die Katze musste genau betrachten, was da zusammen geschustert wurde. Die Abnahme schien gut gelaufen zu sein. Inzwischen wird der Strickbeutel hoffentlich ausgiebig genutzt.

3+

Zu Hause, und nun? {Samstagsplausch 12/20}

 

Zu Hause bleiben müssen

Es ist angeraten, zu Hause zu bleiben. Endlich dürfen wir einfach zu Hause bleiben. Uns in unseren vier Wänden mit uns selber zu beschäftigen. Die Kinder zu bespaßen oder sich selber. Jaaa, wenn man es aus freien Stücken macht, dann fallen uns tausend tolle Sachen ein, die wir machen wollen. Und nun, sitzen wir, dazu verdammt uns nicht anzustecken, auf unserem Sofa und leiden unter dem Nichtstun. Einige von uns können ja immerhin noch arbeiten gehen, oder haben die Möglichkeit Homeoffice zu machen. Aber irgendwann fällt einem einfach die Decke auf den Kopf.

Was machst du, wenn du keine Freunde besuchen darfst, oder auch nur einem Nachbar auf einen Schwatz treffen kannst? Das ganze Leben der Menschen ist auf sozial ausgerichtet. Und das soll jetzt einfach unterbleiben. Ein ziemlich schwerer Moment. Aber eben auch wichtig!
Hast du dich mit ausreichend Büchern, Wolle, Stoffen eingedeckt, um deine freie Zeit zu überbrücken? Buchhandlungen haben teilweise auch noch auf! Und einige meiner Lieblingswollläden verkaufen ihre Ware über das Internet. Der Vorteil ist auch, dass wir so vielleicht endlich mal den Vorrat aufbrauchen können.

Diese Woche haben wir ein virtuelles Stricktreffen ausprobiert. Mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen, saßen wir zur gleichen Zeit vor unseren Rechnern und haben gemeinsam über Facetime gestrickt. Eine spannende Erfahrung. Dabei haben wir sogar ordentlich gelacht. Und genau das, sollten wir in dieser vertrackten Zeit nicht vergessen, dass wir auch Lachen müssen. Ich denke, das werden wir jetzt öfter machen, das gemeinsame stricken und hoffentlich auch lachen.

Mein Ufo-Stapel ist zwar immer noch nicht kleiner geworden, eher etwas angestiegen, weil ich eine neue Jacke angeschlagen habe. Die strickt sich aber so flott, dass ich sie schon bald fertig haben werde. Ich habe versucht meine Wollvoräte bei Ravelry einzugeben. Aber schon der Gedanke, die Kisten zu öffnen, macht mir Angst. Vielleicht überwinde ich mich heute … Meine Bücherstapel schrumpfen auch etwas und ich versuche nichts neues dazu zu kaufen. Lesestoff habe ich ja schließlich auch genug.

Wie geht es dir? Womit vertreibst du dir die Zeit, die wir jetzt zu Hause verbringen müssen?

Eine Hütte in der man lacht, ist besser als ein Palast, in dem man weint.

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


5+