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Markthallen in Kreuzberg, wie es war und wie es heute ist

Einkaufen muss man immer. Markthallen gibt es in ganz Europa. Berlin war eine der letzten Metropolen, die keine hatte. Damals wie heute, braucht eine große Bevölkerung Nahrungsmittel und andere Dinge zum täglichen Leben. Es gab bis 1867 zwanzig freie Märkte, die unter freiem Himmel unter nicht immer hygienischen Zuständen stattfanden, um zirka 1,15 Millionen Menschen zu versorgen. Höker die von Haus zu Haus gingen verkauften ihre Waren direkt an der Tür. Außerdem einige etablierte Läden.

Die Bevölkerung in Berlin bekam durch Missernten immer weniger, dafür teure Nahrung zu kaufen. Die Händler ließen sich schlecht kontrollieren. Am 21. April 1847 kam es  zu der Kartoffelrevoulution. Am Belle-Alliance-Platz (Mehringplatz),  an einem Kartoffelstand, reizte eine Bäuerin mit „derben Antworten“ eine Menschenmenge so weit, dass mehrere Frauen sich gewaltsam auf sie stürzten und ihr die Kartoffeln raubten. Auch Bäckerläden und Schlachtereien fielen dem Pöbel zum Opfer. Einem Bäcker wurde vorgeworfen, er verkaufe zu kleines Brot und hätte noch gar kein Brot heraus gegeben. Woraufhin der Laden gestürmt, Waren im Wert von 50 Silbertalern  und sein Verkaufsschild entwendet wurden.

Die Polizei war machtlos und konnte nur Zuschauen, wie die Menschen sich Wurst, Brot und Mobiliar unter die Nägel rissen. Scheiben wurden eingeschmissen. Sogar die Fenster vom Kronprinzenpalais, der Bethlehemskirche und des Café Kranzler kamen zu Schaden. Man ging davon aus,  dass insgesamt fünf- bis zehntausend Personen sich an der Kartoffelrevolution beteiligten. Die Missstände hielten allerdings noch einige Zeit an.

Es musste sich etwas ändern

Erst 1881 beschloss der Magistrat von Berlin, gemeinsam mit dem Arzt Rudolf Virchow, dem ein Ende zu setzen und die Verkäufer zu mehr Ordnung zu zwingen. Der Magistrat war damals das oberste exekutive Organ in der Stadt Berlin. Man beschloss, überdachte Hallen zu bauen und verpflichtete eine “Polizei” darauf zu achten, dass die Marktvorschriften eingehalten wurden. Die Bevölkerung konnte nun witterungsunabhängig einkaufen gehen. Noch dazu bekam man an den Ständen Fleisch, Wild und Geflügel und Fisch angeboten. Obst und Gemüse, Butter, aber auch Kolonialwaren, Gewürze und vieles andere konnte man einkaufen.

Blankenstein Hermann Wilhelm Albrecht (1829-1910), Markthalle IV, Berlin: Innenansicht. Foto auf Papier, 31,00 x 40,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. F 8255.

14 Hallen wurden ab 1886 nach dem selben Prinzip geplant und gebaut. Eine der ersten Markthallen entstand in der Mitte der Stadt. Die Größte hatte sogar einen eigenen Eisenbahnzugang, sowie Kühlkammern im Keller. In Kreuzberg bzw. Friedrichstadt entstand die nächste Markthalle. Diese Halle existiert heute in einer modernisierten Form, da sie während dem zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche zerfiel. Heute befindet sich dort der Blumengroßmarkt, bzw. die Hallen wurden an das Jüdische Museum weiter gegeben.

Der städtische Baurat Hermann Blankenstein war dafür verantwortlich, dass alle Hallen nach einem Schema entstanden. Die Dächer wurden von gußeisernen Stützen und Stahlbindern getragen und die Fassaden waren verklinkert und mit Terrakotta-Schmuck verziert. In der Ackerstraße in Berlin Mitte steht eine der wenigen noch erhaltenen Hallen, Markthalle IV bzw. die Ackerhalle.
Auch einige andere Bezirke bekamen eine Markthalle. Eine meiner Lieblingshallen ist die in Moabit, die Arminiushalle. Sie war die Zehnte, die 1891 fertig gestellt wurde. Noch heute kann man dort Lebensmittel und andere Dinge zum Leben kaufen. Ganz nebenbei, gibt es verschiedene Gastronomen und an manchen Abenden Livemusik.

Moderne Markthallen

Am 15. März 1892 wurde die Markthalle in der Zossener Straße, in Kreuzberg fertig. Sie war die Elfte Halle in der Stadt. 290 Marktstände boten ihre Waren feil. Im ersten Weltkrieg gab es dort eine Suppenküche für 15.000 Berliner, die sich hier täglich die leeren Mägen füllen konnten. Der Zweite Weltkrieg lies von der Halle nur den westlichen Kopfbau und den Keller übrig. Aber das hielt die Berliner Händler nicht davon ab, ihre Waren zu verkaufen. Irgendwoher musste man ja seine Nahrung bekommen. Schon nach Kriegsende fand ein Verkauf im Keller statt.

Die Halle wurde vom Architekt ist Paul Friedrich Nieß wieder aufgebaut, nicht mehr so schick, aber effizient. Nicht weit von der Marheineke Halle bin ich auf die Welt gekommen. Meine Mutter ist auch sehr oft dort einkaufen gegangen. Meine Erinnerung daran ist, dass es immer etwas dunkel war, die Gänge recht eng. Es gab dort alles, was man brauchte. Ein Kurzwarenstand, mehrere Metzger, Zeitungen, Bücher, Kleidung, Käsehändler. Am Eingang standen zwei Schaukeltiere auf denen man für 10 Pfennige 3 Minuten hin und her geschaukelt wurde. Und daneben das Highlight: einen Softeis-Verkäufer.

Inzwischen wurde die Marheineke Halle ein weiteres mal umgebaut. Ich finde sie hat ihren Charm verloren und wirkt kalt. Allerdings siedeln sich immer mehr interessante Gastronomen hier an. Die Bevölkerung und der Tourismus nehmen die Markthalle sehr gut an, da sie sozusagen am Ende des BergmannKiez steht. Die Gastronomie dort ist aber auch wirklich zu empfehlen.

Auch die Markthalle Neun, hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Allerdings war das nicht immer so. Erst als sich 2001 die Anwohnergruppe Lausitzer Platz für die Halle zu engagieren begann, wurde es ein toller Treffpunkt für Menschen, die gerne gut, exotisch, interessant außergewöhnlich essen wollen. Durch zahlreiche Veranstaltungen und Medienpräsenz werden immer mehr Menschen in die Markthalle gelockt. Sie ist fast noch komplett erhalten und abgesehen von den Events, einen Blick wert.

Die Markthallen haben ihren besonderen Status längst verloren. Supermärkte und Fachgeschäfte haben den Marktbuden den Rang abgelaufen. In der großen Stadt Berlin gibt es nur noch wenige gute und üppige Wochenmärkte. Doch lohnt es sich immer wieder einmal, einen Blick zu riskieren, denn dort scheint alles frischer, regionaler zu sein.

Der 12tel Blick auf und vom Kreuzberg

Der Herbst ist noch kaum zu spüren. Die paar kalten, regnerischen Tage haben die Pflanzenwelt eher dazu angestachelt, noch einmal alles zu geben. Die Bäume tragen fast keine bunten Blätter. Was ist das bloß für ein Jahr? Auch an dem Tag, als ich die Bilder machte, trugen die Menschen noch kurze Ärmel und liefen ohne Jacken herum. Ich bin auf den Oktober gespannt. Vielleicht wird es etwas bunter. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und ihrem Blog Verfuchst und Zugenäht

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