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Licht und Sonne {Samstagsplausch 16/20}

Licht und Sonne gegen schlechte Laune

Ich bin anfällig. Anfällig für schlechte Laune und miese Gedanken. Wenn ich nicht an die frische Luft kann, wenn man mir ununterbrochen schlechte Nachrichten einflößt, dann macht mein Kopf zu. Nun geht es ja schon eine Weile so, dass wir dauerhaft mit dem Corona-Dings zugetextet werden. Das sind ja schlechte Nachrichten per se. Das erklärt nun vielleicht auch, warum sich meine Laune auf einem Tiefpunkt befand. Ich war schon so weit, dass ich jeden auf der Straße am liebsten angeschrien hätte.


Nun war ich am Donnerstag nach dem Frühdienst mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, im Gleisdreieckpark unterwegs. Die Sonne schien und es war wirklich herrlich warm. Ich hatte Hunger auf einen vegetarischen Döner. Am Südkreuz gibt es einen recht guten türkischen Imbiss. Ich hatte Glück und es stand nur ein Mann vor mir an. Der Budenbesitzer strahlte so eine Freunde aus, dass ich ein bisschen grinsen musste, als er mich fragte, was ich haben möchte.

Kurz nach mir tauchte eine Frau auf, die sich artig in einem Abstand von 1 1/2 Meter von mir in die “Reihe” stellte. Sie wurde genauso schnell nach ihrem Begehr gefragt wie ich und ebenfalls mit so viel Spaß am Beruf. Sie lachte lauthals und meinte, sie würde gerne den Döner zum Mitnehmen haben. Alle lachten mit ihr mit. Das ganze strahlte so viel Zuversicht aus, dass es mir ganz warm wurde. Meine miesen Gedanken fingen an sich zu verflüchtigen. Natürlich nahm ich meinen Döner auch zum Mitnehmen.

Draußen in der Sonne

Der Weg bis in den Park ist nicht weit. Eine kleine Mauer, mitten in der Sonne, an einer Wiese, auf der Kinder mit ihren Eltern Ball und Frisbee spielten. Die Kinder lachten und tobten durch die Sonne. Radfahrer fuhren auf den Wegen und Spaziergänger genossen das schöne Wetter. Ich genoss den Döner in der Sonne und schaute den Kindern zu. Wieder spürte ich, wie die eisernen Schellen um meine Seele immer lockerer wurden.

Mein Telefon klingelte, eine Freundin rief mich an. Wir schnatterten im Sonnenschein eine Weile. Und wieder wurde mir etwas leichter ums Herz. Den letzten Rest schaffte dann meine Mutter, die ich im Garten besuchte. Sie freute sich sehr, dass ich mal vorbei komme, denn ich halte mich weit weg von meinen Eltern. Nicht nur die Vorgaben “auf Abstand” bleiben, hält mich fern, sondern auch, dass ich nicht weiß, welche Keime ich aus dem Krankenhaus anschleppen könnte.

Auf meinem Weg nach Hause störten mich die Menschen mit ihren falsch sitzenden Masken und 20x getragenen Handschuhen überhaupt nicht mehr. Meine Seele fühlte sich leicht an. So kann es bleiben! Auch gestern war meine Seele leicht. Licht, Sonne und die Fröhlichkeit, haben mich aus meinem negativen Gedankenkarussell heraus gezogen.
Geht es dir vielleicht auch gerade so? Dann kann ich dir nur ein Rezept über Lachen, Licht und Sonne ausstellen.

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5+

Frohe Ostern {12von12 April 20}

Frohe Ostern

Trotz Ostern ist doch heute der 12. Und natürlich mache ich wieder gerne bei Draußen nur Kännchen mit. Mein Oster-Sonntag begann mit einem schnellen Kaffee, denn husch husch musste ich los zum Frühdienst. Die Straßen sind so leer und Sonnenaufgang inklusive.

Selbst auf der vielbefahrenen Yorkstraße, kein Auto in Sicht. Ich fahre mit meinen Fahrrad, mitten auf der Straße.

Mal sehen, wie es nach der Arbeit aussieht…

Selbst der Fahrradkäfig ist ziemlich leer. Ich habe aber keine Zeit darüber zu grübeln.

Dafür gibt es kaum Wäsche für mich.

Scheinbar herrscht heute bei mir die Farbe Rot vor… Vor der Übergabe einen Kaffee und Tee für den Tag.

Frühstücken mit Quark, Joghurt und verschiedenen Obst. Lecker, wie immer. Osterhasen gibt es auch. Aber nach meinem Schüsselchen geht keine Schokolade mehr rein.

Feierabend. Ich freue mich auf den Heimweg, denn es ist richtig schön warm. Nur die Sonntagsradfahrer sind etwas anstrengend.

Diese Baustelle wird nicht fertig. Zum Glück kann ich daran vorbei fahren. Mit dem Rad geht so etwas.

Oster-Cupcake’s vom Monstermädchen gebacken. Super lecker. Dazu noch ein Tässchen Kaffee.

Verdammt! Ich habe meine Tabletten vergessen. Wie war das, der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe? Ich werde es nie lernen!

Bis der falsche Hase fertig ist, gucken wir noch ein bisschen Fluch der Karibik. Disney sei dank…

Die Osterhasen halten so lange ein Schwätzchen.

Das war bis hierher mein  Ostersonntag. Zu Hause bleiben, geht bei mir (leider) nicht. Verlinkt mit der Zitronenfalterin und Draußen nur Kännchen

3+

Welchen Tag haben wir? {Samstagsplausch 15/20}

Weißt du welchen Tag wir heute haben?

Fast jeden Tag stehe ich mit der Frage auf, welchen Tag wir heute haben. Dieses durch die Woche gleiten macht einen völlig durcheinander. Mich jedenfalls. Zum Glück, habe ich im Januar diesen Jahres wieder ein Bullet Journal angefangen. Der Schwerpunkt lag im Grunde darin, meine Termine besser planen zu können, beziehungsweise schöne Dinge zu notieren. In den letzten vier Wochen war die Terminplanung eher langweilig. Dafür gab es so einiges, dass ich als positiv festgehalten habe. Nebenbei kann ich immer mal wieder feststellen, welchen Tag wir heute haben.

Zum Glück habe ich erst gestern wieder in meinen Kalender geschaut. Denn sonst hätte ich den Samstag voll vergessen. Und was ist ein Samstag ohne Plausch? Was soll ich dir nur von meiner Woche erzählen? So viel habe ich tatsächlich nicht erlebt. Ich habe am Anfang der Woche noch gearbeitet. Immer noch herrscht eine seltsame Stimmung. Die Türen sind für Besucher geschlossen. Wir kommen nur mit einem Ausweis ins Haus. Wir laufen den ganzen Dienst mit einem Mundschutz herum. Ich selber empfinde es als sehr unangenehm. Die Wärme staut sich und die leisen Mitarbeiter, sind noch schwerer zu verstehen. Aber wenn es dem Virus ein Schnippchen schlägt, dann mache ich natürlich mit.

Allerdings muss ich immer wieder über die Leute auf der Straße den Kopf schütteln. Wenn man schon einen Mundschutz trägt, dann sollte man ihn auch über der Nase tragen! Denn man soll es nicht glauben, wir atmen auch über die Nase Keime aus! Auch schön sind die Maskenträger, die ihren am Kinn tragen. Welchen nutzen sie da haben sollen, das erschließt sich mir nicht. Ich bin froh, wenn ich an der frischen Luft spazieren gehen kann und keine Maske tragen muss. Die meisten Passanten gehen sich aus dem Weg und halten einen guten Abstand zueinander.

Bücher und Gestricksel

Es ist schon doll, wie viel ich in letzter Zeit stricke und lese. Allerdings habe ich keine Lust auf das Internet und tatsächlich habe ich fast alle Nachrichten blockiert. Spannend finde ich zur Zeit das Buch Das Erbe der Altendiecks. Ich kann es kaum aus der Hand legen. Und wenn ich nicht an Ostern arbeiten müsste, würde ich es schnell auslesen. Während ich den Roman verschlinge, habe ich einen schicken Schal gestrickt. Birgit Freyer hat einen Mystery Kal veranstaltet. Davon hatte ich dir schon letzte Woche erzählt. Das Tuch habe ich gestern Abend abgekettet und heute werde ich es spannen. Wie es aussieht? Das zeige ich dir demnächst. Jetzt mache ich noch ein paar angefangene Pullover fertig. Mit was beschäftigst du dich den ganzen Tag? Gehörst du zu denen, die ihren Haushalt ausmisten oder gehst du jeden Tag spazieren?

Man muss die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen

(Wilhelm von Humbold)

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7+

Ich brauche Bewegung! {Samstagsplausch 14/20}

Ich brauche Bewegung … Und du?

In den letzten Tagen fühle ich mich immer mehr eingesperrt. Meine Psyche spielt da nicht mit. Ich reagiere ungerecht auf Andere und bin brubbelig. Mir macht nichts mehr richtig Spaß, selbst mein Gestricksel macht mich nicht mehr richtig glücklich. Dabei gehöre ich zu den “Glücklichen”, die Arbeiten gehen können. Die Regierenden schränken unsere Bewegung aber immer mehr ein. Ein innerer Widerstand zwingt mich auf mein Fahrrad, um mich wenigstens etwas an der frischen Luft zu bewegen. Was bin ich froh, dass meine Monster Groß und Erwachsen sind, dass ich mich nicht auch noch um deren Bespassung zu kümmern.

Ich atme jetzt mal durch und erzähle dir, was mich in dieser Woche Schönes ereilt hat:

  • Ich musste herzhaft über und mit einem Patienten lachen. Erst hatte er mich auf’s übelste beschimpft und kurz darauf, war ich die Nette, die ihn sogar waschen durfte. Kaum, dass ich aus dem Zimmer war, hatte er schon wieder vergessen, dass ich überhaupt da gewesen bin. Nur der Nachbar, hätte gerne die Antworten  auf die Fragen gehört, die ich dem alten Mann gestellt hatte. Der hatte aber beschlossen nur laut los zu lachen…. Ach manchmal ist die Demenz ein Segen
  • Ich habe einen Brief von einer meiner Schlemmerstrickerinnen bekommen. Darin fand sich ein Ostergruß und der hübsche Hase, den du auf meinem Tisch liegen siehst. Eigentlich ist der zum Aufhängen, aber auf meinem Tisch macht der sich auch ganz gut.
  • Dabei fällt mir ein, dass ich vor einiger Zeit schon eine sehr hübsche Osterkarte von Bettina bekommen habe. Ich habe mich so gefreut und dann aber vergessen mich zu bedanken.
  • Wir haben wieder ein Onlinestricktreffen gehabt. Inzwischen fällt es uns aber schwer, uns etwas Neues zu erzählen. Wir erleben so wenig. Aber über neue Strickseleien konnten wir uns austauschen.
  • Meine bunte Jacke ist fertig! Naja, nicht ganz, denn ich habe keine passenden Knöpfe. Die zu bestellen, traue ich mich nicht. Ich mag es immer lieber, wenn ich sie anhalten kann um zu gucken, ob sie zum Strickstück passen.
  • Ich habe mir doch wieder neue Bücher zugelegt. Was ich diesen Monat auf dem Plan habe, kannst du im Lesezimmer nachschauen.
  • Noch immer koche ich am Abend mit dem Kerl zusammen. Es macht Spaß und er macht sich jeden Tag Gedanken, was es wieder leckeres zu Essen geben kann. Heute und Morgen, muss er allerdings alleine kochen, denn ich darf wieder arbeiten.

Im Grunde gibt es jeden Tag etwas Schönes. Immerhin habe ich es geschafft meinen 12tel Blick fertig zu fotografieren. Unsere Katzen machen gerne den Kasperkopf und bringen uns zum lachen. Aber mir fehlt einfach die Bewegung, wann ich es auch immer will. Das bummeln gehen, Knöpfe kaufen, Wolle streicheln, im Café sitzen und das echte Treffen mit meinen Freundinnen. Wie geht es dir, in dieser unwirklichen Zeit?

Ich kann die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht das zuweilen abnorme verhalten der Menschen

(Isaak Newton)

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4+

Leben in Kreuzberg {12tel Blick April}

Das Leben in Kreuzberg um 1900

Ich hatte ja schon im Januar davon erzählt, wer sich alles nach Berlin begeben hat, um hier zu leben bzw. das Glück zu finden. Die Luisenstadt, ein Teil des heutigen Kreuzbergs entwickelte sich immer mehr zu einem Arbeiter- und Mittelstandbezirk. Die Luisen-Vorstadt und die Tempelhofer-Vorstadt wurde 1920 als 6. Bezirk eingemeindet. Dabei ging der südliche Teil der Luisenstadt an die Berliner Mitte. In Kreuzberg lebte eine bunte Mischung Menschen. Arbeiten und Vergnügen, Wohnen und Handel machten das Leben in diesem Bezirk interessant. 366299 Einwohner zählte der Bezirk. Es war eng, aber der Berliner machte das Beste daraus. Das Leben war sehr bunt und bestimmt nicht immer einfach.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg zog es viele junge Menschen in die große Stadt. Es sind die Jungen, die sich Erfolg und Reichtum erhoffen. Ein Teil der Landbevölkerung zieht weiter nach Übersee. 85 % der Neuberliner sind vom Lande und vermissen ihre Dörfer. Die Kieze in der Stadt ersetzen ihre alte Heimat. Bis heute leben Berliner in ihren “Dörfern”
40 000 Mädchen und junge Frauen kommen um 1900 jedes Jahr nach Berlin. Ohne festen Wohnsitz zieht es sie als erstes zur Stellenvermittlung. Als Dienstmädchen, “Mädchen für alles”, arbeiten sie meist in den herrschaftlichen Wohnungen, schlafen auf Hängeböden oder winzigen Kammern und arbeiten rund um die Uhr. Wenn sich die Möglichkeit bietet, dann finden sie eine Stelle in einer Fabrik, um endlich auch mal ein wenig Freizeit zu haben. Die Unglücklichen werden Prostituierte, die Glücklichen finden einen ordentlichen Handwerker und gründen eine Familie.

Rund um den Görlitzer- und Schlesischen Bahnhof entstanden schnell gebaute Wohnquartiere. Mietskasernen. Eng, mit Toiletten auf dem Hausflur. Eine Stube und Küche für bis zu sieben Personen, nebst Hühnern und Kaninchen. Meistens reicht das knappe Geld kaum, um die Miete zu zahlen, weshalb die Betten tagsüber an Schlafburschen vermietet wurden. Durch Heimarbeit sorgten auch die Mütter für ein kleines Einkommen.

Arme Familien konnten neu gebaute Wohnungen “trocken wohnen”. Ein halbes Jahr durften die Armen kostenfrei dort einziehen. Oftmals zogen sie danach in die nächste “nasse” Wohnung, wodurch sie sich mit der gefürchteten Tuberkulose ansteckten. Am 1. April und 1. Oktober waren “Ziehtage”, da die Verträge halbjährlich ausliefen. Ärgerlich, wenn man keine neue Wohnung fand. Dann wurden auf freien Plätzen Baracken gebaut. Am Kottbusser Tor entstand eine kleine “Stadt” Barackia. Es waren ordentliche Menschen die sich dazu genötigt fühlten, ein Häuschen (Baracke) zu bauen. Manche hatten sogar kleine Küchen oder Vorratskammern. Die Frauen schmückten die einfachen Behausungen mit kleinen Gardinen und Tapeten, um es ein wenig erträglicher zu machen. Die Gutsituierten strömten nach Barackia,  um die Zigeunerstadt zu betrachten. Schaulustige gab es eben schon immer. Auch heute noch findet man Baracken auf leerstehenden Grundstücken in Kreuzberg.

1886 eröffnete die erste städtische Desinfektionsanstalt. Sie war für ganz Berlin  zuständig. Nachdem es in Frankreich zu einer Choleraepidemie kam und Rudolf Virchow einige Erreger und Bakterien gefunden hatte, beschloss man, dass es besser wäre die Keime aus den Wohnungen zu entfernen. 14 Mitarbeiter desinfizierten Betten, Matratzen und Kleider. Die Wohnungen wurden mit dem Formalinverfahren (Formaldehyd in Wasser gelöst, verdampft) desinfiziert. Vorher hatte man die Wände der infizierten Wohnungen mit Brot abgerieben.

In Kreuzberg brodelte das Leben und so manches ist dort geschehen. Aber davon möchte ich dir im nächsten Monat erzählen. Meinen 12tel Blick verlinke ich wieder bei Eva und hoffe, du hattest ein wenig Freude an meinen Recherchen.

 

4+