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Kreuzberg, ein Stadtteil von Berlin

Ich will dir heute wieder ein Stadtteil von Berlin vorstellen. Meinen Blick habe ich auf den Kreuzberg gerichtet. Und Ich  ich werde dir einiges über den Berg selber und noch mehr über die Bewohner Berlins erzählen.

Im 17. Jahrhundert war Kreuzberg noch Weideland vor den Stadtmauern Berlins und hieß Luisenstadt. Die dort ansässigen Bauern waren Hugenotten, die wegen ihrem Glauben aus Frankreich geflüchtet waren,  die ersten Bewohner. Friedrich der III. fand es prima, dass sich Einwanderer als gut ausgebildete Handwerker, vor den Toren der Stadt niederließen. Wie immer fehlte es an guten Handwerkern (So wie heute auch) Die Berliner fanden das aber gar nicht witzig, da das Fürstenhaus den Hugenotten einige Privilegien zugestand. Die Berliner beschimpften die Einwanderer als Paddenschlucker (Froschfresser) und noch so einiges mehr.

Das hielt die Adoptivkinder Preußens aber nicht davon ab, weiterhin nach Berlin zu strömen. Französisch wurde bald nicht nur am Hofe, sondern auch in der Stadt gesprochen. Etepetete (être peu-têtre), Muckefuck (mocca faux) und todschick (tout chic), mutterseelenallein (moi tout seul), ratzekal (radical) waren Worte, die man überall hörte und immer noch hört.

Die Vorstadt

Das Bild der Vorstadt prägten Gärten. Die Franzosen machten es vor, die Berliner/Brandenburger nahmen es an und verfeinerten es. Es entstanden Gewächshäuser und Obstgärten. Es tauchten Gemüsesorten auf, die waren den Einheimischen noch gar nicht bekannt. Grüne Erbsen, Spargel, Blumenkohl und Maulbeerbäume, bis hin zu Orangen- und Zitronenbäume und Artischocken. Die Gärten waren bemerkenswert. Einige Straßen Berlins tragen tatsächlich auch noch Namen, die an die Gärten erinnern. So hieß zum Beispiel die Oranienstraße bis 1894 Orangenstraße. 

Erst als Napoleon Berlin besetzt hielt, streiften die Hugenotten ihre französische Identität ab. So wurde aus Henri Lejueune Heinrich Junge, aus François Chanille Franz Schnalle und aus Charles Leclerc Karl Klericke. Namen, die man immer noch in der Stadt lesen kann. Seitdem sich Napoleon in Berlin aufhielt, wurde auch kein französisch mehr gesprochen!

Noch mehr Einwanderer strömen in die Stadt

Es blieb aber nicht bei den Franzosen, die Böhmen tauchten ebenfalls als Flüchtende vor den Toren der Stadt Berlins auf. Nur wollte die keiner haben, da sie Hungerleider waren, die nur bettelten. Doch auch unter den Böhmen waren Handwerker, vor allem in der Textilverarbeitung. Der König hatte ein Einsehen und gab den frommen Menschen ein Stück Land und etwas Geld, damit sie ein Schul- und Predigerhaus bauen können. Die Berliner blieben dabei, auch diese Flüchtenden zu beschimpfen “Hundsfötische Kollonisten”, eine der liebevollen Bezeichnungen. Die Böhmer haben sich lange Zeit nicht in dem Leben der Berliner integriert. Sie sprachen lange ihre eigene Sprache und heirateten auch nur untereinander.

1725 war jeder sechste Einwohner Berlins Soldat. Preußen hatte das viert größte Heer in Europa. Die Soldaten wurden in den Privathäusern der Bürger untergebracht und es gab nur wenige Ausnahmen. Erst später wurden Kasernen gebaut und die Bewohner atmeten vermutlich auf, die Soldaten nicht mehr durchfüttern zu müssen. Aber den Soldaten erging es trotzdem nicht gut. Sie wurden misshandelt und mussten unendlich viel exerzieren. Viele desertierten. Ein Grund mehr, dass eine Stadtmauer errichtet wurde, um die Männer in der Stadt zu halten. Die Namen einiger U-Bahnhöfe erinnern noch an die Stadttore. Aber dazu demnächst mehr.

Der Kreuzberg

Ist tatsächlich sagenhafte 66,11 Meter hoch! Er ist eine natürliche Erhebung und gehörte zu den Tempelhofer Bergen. Im Jahr 1290 befand sich eine Lehmkute, eine Ziegelei am Fuße des Hügels. Betrieben wurde die Ziegelei von Tempelrittern, die sie Franziskaner Mönchen als Geschenk übergaben. Auf dem Hügel wurde viele Jahre später, über 200 Jahre lang, Wein gezogen (1533). Zwischendurch gab es den Versuch dort Maulbeerbäume wegen der Seidenraupenzucht zu ziehen. Der kalte Winter 1739/40 machte auch dem Wein den Garaus.

Von der Höhe des Berges wurde die Stadt Berlin beschossen. Ein Kurfürst rettete sich auf den Hügel, weil ihm ein Unwetter mit einer Sintflut vorhergesagt wurde. Friedrich Wilhelm der III. ließ “Lärmkanonenschanzen” als eine Befestigungsanlage auf dem Kreuzberg errichten, um Berlin von Napoleon zu befreien. 1817/18 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag ein Monument auf dem Kreuzberg zu errichten. Zur Erinnerung an  die gewonnen Siege über Napoleon. Ursprünglich wollte Schinkel einen ganzen Dom auf dem Berg errichten, aber das Geld war mal wieder zu knapp, weshalb es nur zu einer Domspitze reichte. Trotzdem zog das Denkmal täglich viele Menschen an.

Das war der Anfang meiner 12tel Blick Serie aus Kreuzberg. Mein Blick geht von der Kreuzbergstraße nach oben zum Denkmal. Und der zweite Blick schweift vom Denkmal über den Stadtteil Kreuzberg bis nach Mitte. Bei gutem Wetter vielleicht noch etwas weiter.
Noch mehr tolle 12tel Blicke findest du bei Eva von Verfuchst und Zugenäht

Vieles was du hier zu lesen bekommen hast, stammt aus dem Buch kleine Kreuzberggeschichte von Martin Düspohl. Herausgegeben vom Berlin Story Verlag.

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