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Das Haus der Kulturen steht direkt an der Spree, nicht weit von der nicht mehr vorhandenen Kroll-Oper. Die Kongress-Halle, wie sie ehemals genannt wurde, ist ein Geschenk der Amerikaner an die Stadt Berlin. Nur 18 Monate hatte es gedauert, um die Halle den Berlinern übergeben konnte. Das Gelände an der Spree war im 19. Jahrhundert ein Manövergebiet und staubig wie die Sahara. Und genauso nannten die Berliner diese Ecke des Tiergartens.  Nach dem zweiten Weltkrieg war wiederum nicht viel mehr übrig als staubiger Wüstensand.

1956 trieb man 1200 Pfeiler in die Erde, um dort die Halle zu errichten. Die Kongresshalle sollte außergewöhnlich werden. Ihr geschwungenes Dach soll wie ein Leuchtfeuer der Freiheit erstrahlen. So wollten es zumindest die Architekten Hugh Stubbins und die „Berlin-Beauftragte“ Eleanor Dulles den Sowjets beweisen, deren Sektor nicht weit von hier beginnt. Zur Grundsteinlegung waren sie alle da, auch der Regierende Bürgermeister Otto Suhr. Eine Botschaft von Präsident Eisenhower wird verlesen: die Kongresshalle sei Symbol wie Werkzeug elementarer menschlicher Werte, die es zu verteidigen gelte.

Ein besonderes Haus

Das Haus soll ganz besonders werden, hat Hugh Stubbins beschlossen, der schon mit 28 Jahren Assistent von Walter Gropius war. Eleanor Dulles ist die Schwester des amerikanischen Außenministers John Foster und Allen Foster, der seit 1953 CIA-Chef ist. Eleanor Dulles hat eine Einladung zur Bauaustellung von der Interbau angenommen und sollte sich an der Gestaltung des Hansaviertels beteiligen. (Darüber werde ich auch noch schreiben!) Ihr Anliegen war aber mehr der Bau des Hauses der Kommunikation. Hugh Stubbins hatte die Idee dem Haus Flügel zu geben. Es wie ein großes Zelt aussehen zu lassen.

Am 19. September 1957 gab es eine Fünftägige Einweihungsfeier. Eine Champagnerflasche wurde an den tragenden Pfeilern zerschlagen. Zwischen den Pfeilern hängt ein Stahlbetondach wie zwei riesige Flügel. Das Ganze wirkt irgendwie beschützend. Der Architekt Hugh Stubbins ist zufrieden, die Statiker waren ängstlicher und verordneten dem Dach einen extra versteckt abstützenden Hilfsbetonring. Der Architektenwelt bringt dieser Ring Debatten und 23 Jahre später eine Katastrophe.
Aber bis dahin ist man begeistert und die Berliner geben dem Ding einen eigenen Namen Die schwangere Auster. Aber erst einmal wird eingeweiht, mit Tanz, Konzert, Theater und Ausstellungen. Modern ist das, was aus Amerika in der Kongresshalle vorgetragen wird. Vielleicht zu modern für die Deutschen. Modern ist es auch, denn neuste Technik verbirgt sich in seinem Inneren der Kongress-Halle.

In den Sälen wird getagt und Konzerte gegeben. Es treffen Menschen zu verschiedensten Veranstaltungen aus der ganzen Welt dort zusammen. Der gemeine Berliner kann sich währenddessen gemütlich ein Bier zu Gemüte führen, denn es gibt eine wunderbare Bierterrasse und eine Dampferanlegestelle. Im hauseigenen Postamt kann man seine Post mit einem Sonderstempel verschönern.

Die Konkurrenz und Katastrophe

1971 bekommt die schwangere Auster Konkurrenz. Das ICC, Internationale Kongress Centrum in Charlottenburg soll gebaut werden. Größer, moderner, fast in der Mitte Westberlins und zeitgemäß. Die kleine Kongresshalle in der John-Foster-Dulles Allee reichte wohl nicht mehr aus. Und trotzdem ist es fast schon ein Ritual, dass sich die amerikanischen Präsidenten und Abgeordneten in der Kongress Halle sehen lassen, wenn sie in Berlin sind. John F. Kennedy, Carter, Kissinger… und wie sie alle hießen.

Und dann kam es zur Katastrophe. Am 21. Mai 1980 sehen die Berliner fassungslos zu, wie ihre schwangere Auster einstürzt. 600 Tonnen Beton reißen einfach ab und fallen auf die Vorderfront und den Eingangsbereich. Die Brücke zu den Teichen vor der Halle führt ins leere und Kilometerweit ist der Knall zu hören. Es werden 800 Menschen unter den Trümmern vermutet. Am Ende waren es zum Glück nicht so viele Menschen im Inneren der Kongress Halle. Ein RIAS Reporter, der an einer Pressekonferenz teilgenommen hatte sagte:

Das ganze Gebäude vibriert, dann beginnt es zu zittern, Fensterscheiben zerbrechen. Schließlich hört es sich an wie eine schwere niederstürzende Lawine, eine Lawine aus Staub und Beton. Als dann ein berstendes Krachen das ganze Gebäude erbeben lässt, beginnen die Menschen zu flüchten. Das Geräusch des Einsturzes wird später mit der Lautstärke eines Düsenjägers verglichen

Am Ende sind es “nur” 5 Menschen, die zu Schaden kommen. Einer verstirbt an seinen Verletzungen. Die Spekulationen sind so bunt wie die Stadt. Pfusch am Bau, Materialermüdung und sogar von einem Anschlag wird gesprochen. Und dann die Frage, soll man dieses Haus wieder aufbauen? Die Berliner werden wohl mit dieser Ruine leben müssen, so der regierende Bürgermeister Stobbe. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…

Aufbau und was dann? Haus der Kulturen

Aber bevor das Haus wieder aufgebaut wird, gehen die Debatten los, welchen Nutzen dann dieser symbolträchtige Bau haben wird. Kammermusiksaal? Einen Teil der Berliner Regierung hier unterbringen? Festhalle für moderne Musik? Events, Theater… Aufbau, aber bitte ohne die Betonangst „Brüchiger Baumodernismus“, denn noch einige andere Bauwerke der Stadt stehen unter Beobachtung wegen des modernen Materials. Die Hochschule in Darmstadt nimmt sich der Sorgen dann an: „Das geschwungene Dach wird wie eine Brücke über der Halle schweben, auf zwei superstarken Pfeilern ruhen. Das flache Dach des Auditoriums wird verstärkt und hat mit der Auster darüber keine Verbindung mehr.“ Das ist genau die Konstruktion, wie sie Architekt Hugh Stubbins ja ursprünglich auch vorgesehen hatte, ohne brüchige Hilfsstützen…

Am 9. Mai 1987 wird die Kongress Halle wiedereröffnet. Pünktlich zur 750 Jahr-Feier Berlins. 1988 findet dann die Kongresshalle zu einer neuen Aufgabe. Sie wird zu dem Haus der Kulturen der Welt GmbH Seitdem finden dort wieder Ausstellungen statt und zeitgenössische Künste haben hier einen Platz. Es wird debattiert und es werden Zusammenkünfte organisiert. Die Berliner nutzen wieder das Lokal auf der Dachterrasse oder an der Spree. Es finden Musikabende dort statt und man kann immer noch das Dach bewundern, das fast so schön ist wie vor dem Zusammenbruch. Es ist dort bunt, weltoffen und unterhaltsam, geht wissenschaftlich und genussvoll zu.

Der 12tel Blick

ich mache meine Bilder immer Mitte des Monats. Es war kalt an dem Tag als wir im Tiergarten an der Spree standen. Und gerne verlinke ich wieder bei Eva und ihrem Blog Verfuchst und zugenäht.

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