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Die Quadriga auf Reisen {achter 12tel Blick}

22.09.2021 | 12tel Blick 2021

Ja, die Quadriga war mal auf Reisen, wer hätte das gedacht. Das ist jetzt mein achter 12tel Blick. Ich will dir nun den Rest von der Geschichte des Brandenburger Tores erzählen.

Die Quadriga in Paris

Im Oktober 1806 zog Napoleon Bonaparte mit seinen Truppe durch das Brandenburger Tor. Die Preußen waren von den Franzosen bei Jena geschlagen worden. Napoleon brachte Dominique-Vivant Denon mit. Dieser hatte den Auftrag Kunstschätze für den Louvre zusammenzutragen. Napoleon wollte auf die Siegesgöttin Victoria, die auf dem Brandenburger Tor in Richtung Innenstadt fuhr, nicht verzichten. Er lies sie herunter nehmen und zerlegen. In 12 Kisten verstaut, wurde sie nach Paris abtransportiert. Erstes Reiseziel Hamburg. Dort ging es auf ein Schiff, das dann über die Nordsee fuhr.

Charles Meynier, Public domain, via Wikimedia Commons

Weiter über den Rhein und über französische Kanäle nach Paris, wo sie nach einem knappen halben Jahr ankam. Napoleon hätte sie gerne auf einem eigens für sie errichteten Triumphbogen errichten lassen. Doch sie war durch den Abbau und die Zerlegung ziemlich malträtiert worden. Die Siegesgöttin musste erst einmal restauriert werden. Nachdem sie wieder schön war, blieb nur noch der Louvre, in dem sie 1808 ausgestellt wurde.

Oh weh, die Quadriga ist weg

Die Berliner empfanden den Abbau der Quadriga als eine Schmach. Die Siegesgöttin und ihr Triumphwagen fehlten doch sehr. Die Befestigungseisen waren noch sichtbar auf dem Brandenburger Tor. Es sah aus, wie ein Stachel. Ein Dorn im Auge des Betrachters!

Dann kamen die Befreiungskriege. 1814 marschierte die preußische Armee in Paris ein. Die Quadriga wurde gefunden (Ob es nun Blücher oder Ribbentrop war, der den Fund meldete, da streiten sich die Geschichtsbücher) und der König befahl den Rücktransport. Wieder wurde sie auseinander genommen. Dieses mal in 15 Kisten verpackt und über den Landweg wieder nach Berlin geschafft. Nachdem die Wagen den Deutschen Boden erreicht haben, zogen sie einem Triumphzug gleich, von Düsseldorf Richtung Berlin. Am 9. Juni 1814 traf die Quadriga in Berlin Zehlendorf ein und wurde im Jagdschloss Grunewald am Grunewaldsee wieder einmal restauriert. Dafür wurde sogar die Küche  des Jagdschlosses im Ostflügel zu einer Schmiede umgebaut.

Friedrich Wilhelm III. wollte, dass die Victoria ein neues Siegeszeichen bekommt. Aus den Lorbeeren wurde ein Eichenkranz und das Eiserne Kreuz erhielt die Jahreszahl 1813. Im Juni 1814 wurde die restaurierte Quadriga dann durch Charlottenburg zum Brandenburger Tor gebracht. Wieder unter großer öffentlicher Anteilnahme. Im August zogen dann die Preußischen Truppen wieder durch das von der Quadriga gekrönten Tor nach Berlin. Zwölf Kandelaber beleuchteten die Quadriga und Nachts wurden mehrere Feuerschalen entfacht.
Die Berliner gaben dem ganzen dann noch einen passenden Namen: Die Retourkutsche!

Ziemlich marode das Ganze

Nach Jahren vieler Triumphmärsche, Staatsempfänge und dergleichen, verlor das Tor immer mehr an seiner Schönheit. Marode geworden, durch Umweltschäden  und Witterung. Immer öfter fielen Steine und größere Brocken aus dem Bauwerk. 1913 entschloss man sich zu umfassenden Sanierungsarbeiten. Der erste Weltkrieg unterbrach aber die Arbeiten und erst 1926 wurde das Tor wieder frei gegeben. Die Novemberrevolution verursachte wiederum Schäden an der Quadriga. Die Quadriga wurde mit einem Holzaufbau eingehaust und die Kupferkutsche restauriert. Der „Höchste Pferdestall Berlins“ entstand oben auf dem Brandenburger Tor.

Wieder Triumphmärsche

Am 30. Januar 1933 zogen die Nationalsozialisten, nach der Machtergreifung, mit einem Fackelzug durch das Brandenburger Tor. Der neue Herrscher Deutschlands hätte es gerne gesehen, wenn neben dem Tor noch mehr Platz gewesen wäre. Denn dann hätten die Fahrzeuge auch um das Tor herum fahren können. Freistehend, wäre das Tor noch pompöser gewesen. Die Straßen vom Brandenburger Tor bis zum heutigen Theodor Heuss Platz wurde schon erweitert. Doch die Weltstadt Germania blieb zum Glück ein Hirngespinst.

Während des zweiten Weltkrieges wurde das Tor schwer beschädigt. Die Torhäuser brannten aus und die Quadriga wurde bis auf einen Pferdekopf zerstört. Diesen Kopf kann man sich heute noch im Märkischen Museum anschauen.

Ich habe dieses Video gefunden. In den ersten Minuten des Videos, kann man das Brandenburger Tor nach dem Krieg sehr gut sehen. Aber auch, was dieser Wahnsinn angerichtet hat.

Volksaufstand am Brandenburger Tor

Nach dem zweiten Weltkrieg, wurde Berlin bekanntermaßen in 4 Teile gespalten. Die Sowjets gründeten 1949 die Deutsche Demokratische Republik und drückten den Menschen den Realsozialismus auf. Die Berliner im sowietischen Teil der Stadt, waren damit allerdings nicht ganz so glücklich. Auf dem Brandenburger Tor wehte die Russische Fahne und während in dem Ostteil der Stadt am 17. Juni 1953 blutige Kämpfe entbrannt waren, kletterten drei junge Männer auf das Dach des Brandenburger Tor. Sie kappten die rote Fahne und setzten stattdessen die Fahne der Bundesrepublik Deutschland. Das war das erste und letzte mal, bis 1990 das diese Fahne dort oben wehen konnte. Einer der drei Männer, Wolfgang Panzer ist bis heute verschwunden. 125 Menschen bezahlten den Aufstand mit ihrem Leben und die Straße hinter dem Brandenburger Tor, Richtung Siegessäule wurde in den 17.Juni umbenannt.

Aus kaputt mach neu

Im September 1956 beschloss die DDR das einzige erhaltene Stadttor Berlins wieder herzurichten. In Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik ging man das Projekt an. Die Rekonstruktion sollte nach den ehemaligen Plänen seines Baumeisters erfolgen, in dem das Tor umfahren werden konnte. Also Grünflächen statt Gebäude drum herum. Gut, dass es einen Gipsabguss von der Quadriga von 1942 gab. So konnte eine Gießerei in Friedenau (Westberlin) die Quadriga neu gießen. Schon am 14. Dezember 1957 war das Tor wieder hergestellt. Böse Zungen behaupten die Quadriga wäre in die falsche Richtung gefahren. Aber das ist eine Falschmeldung. Sie hat immer in die originale Richtung geschaut. 1958 wurde heimlich nur das eiserne Kreuz und der Preußenadler entfernt.

File:Bundesarchiv Bild 183-58697-0001, Berlin, Brandenburger Tor, Quadriga.jpg

Bundesarchiv, Bild 183-58697-0001 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0

Mauerbau 1961

File:Bundesarchiv B 145 Bild-F014922-0009, Berlin, Staatsbesuch Vizepräsident von Zypern.jpg

Bundesarchiv, B 145 Bild-F014922-0009 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0

Die Mauer zog sich einmal mitten durch die Stadt und drumherum. Die Westberliner waren abgeschnitten von der Welt. Und die Ostberliner konnten nur noch an das Brandenburger Tor, wenn sie „sicher“ waren. Die Westberliner hatten die Möglichkeit auf eine Aussichtsplattform zu klettern und einen Blick auf ihr Stadttor zu werfen. Hindurch ging keiner mehr.

28 Jahre blieb das so. Unsere Berlinbesucher führten wir oft zu diesen Aussichtsplattformen. Immer schön unter Beobachtung. Bis am 22. Dezember unter großem Jubel von über 100.000 Menschen die Mauer geöffnet wurde.

Nachdem die Maueröffnung und Silvester 1989/90 gefeiert waren, stellte man wieder immense Schäden an dem Tor fest. Doch es waren nicht die Kletterer, sondern die Jahre der Vernachlässigung, die die Schäden verursacht hatten. Wieder einmal unterzog sich das Bauwerk nebst Quadriga einer Schönheitskur. Eine spezielle Lichttechnik wurde noch installiert und nach 22 Monaten strahlte das Wahrzeichen Berlins wieder im neuen Glanz. 2002 wurde es enthüllt und strahlt nun. Manchmal auch in einem besonderen Licht.

Mein Blick im August

Genug jetzt von dem Brandenburger Tor. Kommen wir zu meinem 12tel Blick. Der Spätsommer ist gelinde gesagt ins Wasser gefallen. Zumindest hatte ich das Gefühl. Aber das heißt ja nicht, dass man sich nicht trotzdem an die Spree setzen mag.

Wolkig und kühl. Aber alles noch recht grün. Die Berliner lassen sich eben nicht aus der Ruhe bringen und wandeln am Wasser entlang. Etwas weiter nach links von meinem Blick aus, gibt es eine Strandbar. die hatte noch einige Gäste, die dem Wetter was abgewinnen können.

Und Schiffchen fahren auch wieder. Auf der Spree immer wieder ein Vergnügen.
So, jetzt habe ich dir genug von meiner Stadt erzählt und ich verlinke diesen Beitrag wieder bei Eva und ihrem schönen Blog Verfuchst und Zugenäht. Wie gesagt ich hinke den Monaten etwas hinterher…

 

3 Kommentare

  1. nina. aka wippsteerts.

    Oh, so einiges habe ich wieder dazu gelernt, Dankeschön! Ich find die Quadriga ja wunderschön und als ich beruflich vor über 20 Jahren nach Berlin müsste, bin ich sehr lange gelaufen, um sie mir ansehen zu können. (Ich möchte eh da hin laufen,wenn man viel im Auto sitzt …) Ich müsste allerdings als erstes an den Film von Billy Wilderer“123″ denken, an Hotte, wie er mit seinem Motorrädchen da durch fährt und wie die Geschichte den Film eingeholt hat.
    Liebe Grüße
    Nina
    Liebe

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  2. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Heute habe ich echt spannende und mir bislang komplett unbekannte Geschichten über das Brandenburger Tor erfahren. Aber ich bleibe Fan der griechischen Originale 😉
    Ah, ich sehe gerade, das Graffiti wurde für dein Augustfoto übertüncht. War ja auch eh nicht so besonders künstlerisch.
    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten

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