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Ich muss das jetzt mal wirklich sagen, “Genug gejammert!”. Es wird Zeit, dass ich wieder in dem normalen Leben ankomme. Dem Kerl geht es wirklich schon um einiges besser. Wir waren am Montag noch einmal im Krankenhaus und nun kann er wieder gut durchatmen. Was dieser fiese Keim so alles anstellt, dass kann man nicht immer abschätzen. Bei jedem macht er andere Schwierigkeiten. Welche am Ende mein Kerl hatte, werde ich nicht hier im Netzt breittreten.

Ich hatte letzten Samstag davon berichtet, dass der Keim auch graue Zellen frisst und meinte damit meine Gedächtniszellen. Es gab da Kommentare, die vermuten ließen, dass ich an der Situation da draußen zweifeln könnte, dass ich es evtl. nicht gut heiße, was sich die Regierenden ausgedacht haben. Ich bin im Gegenteil sehr wohl dafür, dass sich jeder so gut es geht schützt und vor allem die schützt, die ein schwaches Immunsystem haben. Ich bin Krankenschwester und sehe, was bei uns los ist. Die Intensivstationen haben genug mit den Viruspatienten zu tun, denn die belegen, überdurchschnittlich lange, ein Intensivbett. Somit können meine Herzkasperpatienten nicht untergebracht werden…

Genug gejammert!

Nein, ich will nicht jammern, denn ich bin auch glücklich, aus diesen furchtbaren Wochen endlich wieder aufzutauchen. Diese Woche waren wir beim Physiotherapeuten. Der beschäftigt sich intensiv mit den genesenen Patienten der Coronaangriffe. Er hat da so seine eigene Therapiephilosophie und es fühlte sich sogar so an, als hätte er Recht. Ich bin gespannt und mein Gejammer, dass ich plötzlich, ohne großes Zutun Muskelkater habe, können wir geflissentlich übersehen. Ja, er hat nicht nur meinen Mann bearbeitet, sondern mir eine kleine Kostprobe seines Könnens geliefert.

Gejammert, habe ich auch am Mittwoch im Nadelgeplapper. Ich komme einfach nicht vorwärts mit meinen Strickereien. Dafür lese ich im Moment ein bisschen mehr. Die grauen Zellen hätten wohl gerne ein wenig Slowmotion, Berieselung oder Ablenkung. Was auch immer, so geht es mir gut. Worüber ich mich auch immer wieder sehr freuen kann ist, wenn wir uns online zum stricken treffen. Schade ist nur, dass ich meinen Freundinnen keine leckere belgische Waffel mit einer Kugel Eis rüber reichen kann. Aber auch das werden wir eines Tages wieder nachholen.

Heute werde ich mir den Kerl unter den Arm klemmen und mit ihm an die Spree fahren. Ich möchte meinen neuen 12tel-Blick fotografieren. Ein wenig frische Luft, wird uns Beiden gut tun. Wahrscheinlich werde ich auf etwas Widerstand treffen, aber das bin ich schon gewöhnt. Erst einmal sträuben, ein wenig Gejammer und dann war es doch gut. Ein freies Wochenende muss genutzt werden. Die nächste Woche wird bestimmt wieder heftig. Hast du etwas schönes vor? Couchsurfen? Strickmarathon? Lesereise? Erlebnisputzen?

Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage. Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.

(Jean Giraudoux)

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