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Einen solchen Post hatte ich mir zu dem Monatsmotto Kokon von Andrea der Zitronenfalterin eigentlich nicht vorgestellt. Aber nun passt das Thema wie die Faust auf das Auge. Ich bin gefangen in einem Kokon. Ich hatte dir ja schon am letzten Samstag von meiner Angst um ein positives Ergebnis berichtet. Nervös habe ich den ganzen Tag immer wieder auf mein Handy geguckt und auf eine erlösende Mail gewartet. Bis ich Abends ins Bett gekrabbelt bin, hatte ich keine Nachricht.

Am Sonntagmorgen dann klingelte mein Festnetz und eine nette Stimme erklärte mir, sie sei vom Labor. Ich sei positiv und habe nun nicht mehr die Wohnung zu verlassen. Was das heißt, war mir bis dahin überhaupt nicht klar. Ich war nur zufrieden endlich eine Diagnose zu haben. Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, fielen mir immer mehr Dinge ein, die ich nun nicht mehr machen konnte. Ausgerechnet mir, die ich immer an die Luft muss, um zu entspannen. Nur mal eine Runde mit dem Rad um den See… Nichts ist, ich bin ausgeknockt!

Ich begann mich in meinen Kokon einzuspinnen

Im Grunde war es aber auch gar nicht so schlimm. Mir ging es ja nun auch nicht so gut, dass ich draußen herumstreifen könnte. Ich musste immer wieder krampfartig husten (in meinem Kopf vereinen sich drei fette Bernhardiner zu einem gewaltigen Kläffen, wenn ich ich husten muss) Außerdem war ich völlig geschafft, schlapp, meine Haut fühlte sich wie ein überdurchschnittlicher Sonnenbrand an. Fieber hatte ich keines, aber wohl war mir auf keinen Fall. Selbst meine Stricknadeln lockten mich nicht. Ich rollte mich auf meinem Sofa ein und starrte nur Löcher in die Luft. Zum Glück lieben der Kerl und ich die Kochsendungen auf den freien Kanälen, da konnte ich mich ein wenig ablenken.

Erst am Montag wurde uns bewusst, dass uns einige Lebensmittel fehlten, um 10 Tage in unserem Kokon zu leben. Aber auch dieses Problem wurde schnell gelöst, weil sich viele unserer Freunde und der Monsterjunge angeboten haben, uns zu versorgen. Ich mache mir nie einen Plan, was ich essen möchte. (ich hatte es mal versucht, aber das lief einfach nicht gut, weil ich dann doch wieder Appetit auf etwas anderes hatte.) Nun blieb uns aber nichts anderes übrig. Um den Sohn nicht allzu sehr zu stressen haben wir ihm eine Liste geschickt und ihn per Telefon, durch unseren Supermarkt geschleust.

Ich mach es mir gemütlich

Und dann begriffen wir, wie es ist, nicht mehr aus seinem Kokon heraus zu können. Ja, wir haben ein bisschen Platz in unserem Zuhause. Aber wir können uns nur bedingt ausweichen. Inzwischen bekomme ich auch wieder etwas mehr Lust zu stricken und auch das Lesen macht mir wieder mehr Freude. Die Abgeschlagenheit lässt nach und auch der Husten hat sich zu einem Keuchen reduziert. Es fühlt sich jedenfalls nicht so schön an, dass man es irgendjemandem empfehlen möchte. Zeitweise bleibt einem die Luft weg. Der Vergleich mit einer Grippe hinkt, es ist ganz anderes und doch genauso anstrengend.

Ich zeige dir jetzt mal meinen Kokon. Ich mache es mir auf meinem Sofa gemütlich. Die Kuscheldecke habe ich schon vor einiger Zeit gestrickt. Und sie spendet Trost. Die eine Freundin brachte mir noch am Samstag, bevor ich überhaupt etwas genaues wusste, eine wunderschöne Tasse, Tee und ein Blumensträußchen vorbei. Die andere beste Freundin versorgte mich ebenfalls mit einem Genesungstee, Berliner Honig und einem Kräuterblumenstrauß. Viele Freundinnen rufen an und bieten ihre Hilfe an. Die Nachbarn legen Leckereien vor die Tür…

Ich muckel mich also in meine Decke ein und lese in meinen Büchern. Schade ist nur, ich schmecke kaum, wie gut die Tees schmecken. Mein Strickzeug liegt auch gleich nebendran. Meine Gedanken schweifen aber immer wieder ab und am Ende surfe ich durch das Internet, sehe mir Stories bei Instagram an. Der Kerl ist aufmerksam und versucht mir immer wieder etwas Gutes zu tun. Am Abend kuscheln wir beide auf der Couch und füsseln. Wir sollen ja Abstand halten. Erstaunlich nur, wie schnell so ein Kokon-Tag vorüber geht.

Die Katzen lieben es

Die Katzen haben sich an den Zustand des ewigen zu-Hause-seins ziemlich schnell gewöhnt und genießen es zudem sehr. Wenn ich da so eingerollt in meine Decke “sitzliege”, ist ruckzuck eine von Beiden da, um mir den Bauch zu wärmen. Selbst heftigste Hustenattacken werden höchstens mit einen genervten Blick quittiert. So werden wir nun wohl die nächsten Tage aushalten müssen.

Um ehrlich zu sein, auf diesen Kokon hätte ich wahrlich verzichten können. Was mich etwas irritiert an dem ganzen Dilemma ist, dass sich das Gesundheitsamt nicht bei mir meldet. Die Versuche dort selber anzurufen enden in einem Besetztzeichen. So warte ich eben weiter, bis meine Beschwerden sich in Luft aufgelöst haben.

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