Seite wählen

Abstand bitte!

Du weißt ja, ich trinke sehr gerne Kaffee. Und das am liebsten in einem Café. Ich mag es, wenn man mir den frischen Kaffee an den Tisch bringt und ich den Gesprächen am Nachbartisch lauschen kann. Ich habe immer wieder gerne Berliner Geschichten geschrieben. Aber seitdem die Cafés wieder offen haben und man sich in der Öffentlichkeit treffen kann, ist es immer noch mit Abstand. Was musste ich grinsen, als wir letzte Woche bei unserem Hofladen saßen. Die Tische und Stühle standen in lustigen Kreidemarkierungen auf der Straße, damit der Abstand gewährleistet werden konnte. Wehe, sie würden über die Linie gezogen.

In unsere Lieblingsstrandbar bringen wir inzwischen unsere eigenen Stühle mit. So sitzen wir bei der Bar aber weit genug von den anderen Gästen entfernt. Als mein Kerl mit unserem kühlen Bier zurückkam, hatte er eine ältere Frau im Schlepptau, die wissen wollte, woher wir diese Stühle hätten. Der Kerl war schon etwas maulig, weil sie ihm schon an der Bar im Nacken, auf Abstand verzichtend, stand. Sie hustete immer wieder, zwischen den Sätzen, vor sich hin. Der Kerl antwortete recht unwirsch und verwies sie auf Mindestabstand, was sie aber geflissen überhörte.

Und wie ist das nun in der Fussballkneipe, die nun ein Restaurant ist, damit sie überhaupt öffnen kann? Der Kerl bekommt eine Nummer zugewiesen, damit weiß dann die Wirtin, dass er in dem Laden war. In anderen Einrichtungen, musst du deine Telefonnummer oder Emailadresse hinterlegen. (Ist das überhaupt DSGVO konform oder ist das im Moment ausgesetzt, wie die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes, für die Gastronomie?) Geraucht werden darf dann natürlich nicht mehr. Dafür sitzen die meisten Gäste dann lieber an der frischen Luft. Eben des Rauchens willen.

Die Bedienungen flitzen mit einem Mund-Nasen-Schutz zwischen den Gästen herum. (Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, nicht besonders schön, wenn man das Ding 8 Stunden im Gesicht hat.) Sie kommen ganz schön ins Schwitzen, weil die Kunden niemals gemeinsam eine Bestellung aufgeben. Aber auch die Fußgänger, die an den Gästen vorbei wollen, müssen sich an den Tischen mit einem Mindestabstand vorbei schieben. So der eine oder andere Passant, wechselt dann lieber die Straßenseite.

Es ist einfach nicht einfach, den Abstand einzuhalten. Da sitze ich nun doch wieder mit meinem Kaffee und dem Strickzeug oder Buch auf meiner Terrasse oder treffe mich mit den Nachbarn auf deren Balkon. So bleiben wir immer hübsch auf Abstand. Aber wie lange soll das noch so weiter gehen? Wenn ich so durch die Straßen radel, dann sehe ich die Menschen immer mehr zusammenrücken und immer mehr auf den Abstand verzichten. Sie sehnen sich nach Normalität!

Je größer eine Sache oder ein Geheimnis, desto größer auch der Abstand, den es zu gewinnen gilt.

(Wladimir Wladimirowitsch Majakowski)

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


6+