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Wenn die Sonne nicht kräftig genug ist

Dann stelle ich mir eben kleine Sonnenscheinchen auf die Anrichte. In dem Blumenladen gab es sonnengelbe Gerbera und gelbe Trommelschlegel. Dazu ein paar blaue Disteln, einfach weil sie zu meinen Lieblingsblumen gehören. Eigentlich ist Gelb nicht die Farbe, die ich mir kaufen mag. In meinem Kleiderschrank gibt es nur ein einziges Kleid in gelb. Und wenn ich mich so in meiner Wohnung umschaue, sehe ich auch nur noch einige gelbe Bücher. Die muss ich ja nehmen, wie sie kommen. 
In der letzten Zeit stelle ich meine Blumen gerne auf die Anrichte. Ich kann sie dort von allen Seiten sehen und mich an ihnen erfreuen. Sie stehen wie immer in einem einfachen Glaszylinder. Und die Häschen sind immer noch die Begleiter meiner Blumenfreude. 

Stadtgeschichten

Gesten traf ich mich mit meinem Monstermädchen. Einfach mal das *Kind* wiedersehen, nichts besonderes. Wir haben uns auf die Räder gesetzt und sind zu unserem zweitliebsten Eisladen geradelt. Ja, es war kalt gestern. Aber manchmal muss ein Seelentröster sein. Außerdem brauchten wir ein Ziel. In der Straße angekommen, nachdem einige Autofahrer der Meinung waren, Radfahrer gehören nicht auf die Straße, wollten wir einen leeren Parkplatz nutzen, um auf dem Bürgersteig unsere Räder anzuschließen. Nur wollte da gerade ein Autofahrer einparken. Wir sind friedliche Radfahrer und blieben einfach auf der Straße stehen und warteten ab, was geschehen würde. Der Autofahrer war scheinbar völlig irritiert und wedelte mit den Armen. 
Der arme Kerl kam nicht damit zurecht, dass er ganz in Ruhe einparken durfte! Damit es nicht ewig dauert, bis der Herr seinen Platz eingenommen hat, fuhren wir an einer anderen Stelle auf den Fußgängerweg und schlossen die Räder an. Der Mann stieg aus seinem Auto aus und blickte uns vorwurfsvoll an. Schuldlos gingen mein Monster und ich in den Eisladen. Der Einparker folgte uns. 
Man war der Laden voll! Sämtliche Eltern, Großeltern und Kinder hatten scheinbar den selben Gedanken wie wir, einen Seelentröster genießen. Nur weil das Monstermädchen einen Adlerblick hat, fanden wir auch einen Platz. Da saßen wir nun. Und warteten. Die Kellnerin hatte alle Hände voll zu tun alle Schleckermäuler die nur eine Waffel haben wollten, abzufertigen. Wir warteten immer noch. Als dann kurzfristig der Ansturm am Tresen abflaute, ging ich schließlich direkt zu der Dame und bestellte, was wir haben wollten. Nach kurzer Zeit kamen dann auch unsere Eisbecher. Eine kleine Familie drängte sich durch die Tischreihen und setze ihr 1 1/2 jähriges Mädchen auf die Bank. Eine riesige Eistüte verdeckte fast das Gesichtchen des Kindes. Mit drei Fingerchen hielt sie die Tüte und hatte den Mund schon mit blauen Eis verschmiert. Die Mama zog sich umständlich den Mantel aus und quetschte sich auch auf die Bank. Genau in dem Moment fiel der Kleinen das Eis herunter. Und dann brach ein Geschrei los, das jeden Seelentröster schmelzen ließ. Aber glaub mal nicht, dass es die Mutter störte. 
Sie saß gelassen da und ignorierte das Gebrüll. Auch der Vater sah sein Töchterchen eher mit einem verzückten Blick an, als dass er es trösten wollte. Das Eis lag am Boden und beide Erwachsenen kümmerten sich ausschließlich um Ihr Eigenes. Inzwischen ergriffen die umliegenden Gäste die Flucht. Auch uns schmeckte das Eis weniger gut und wir konnten uns kaum noch unterhalten. Wie auch immer, hatten dann die Eltern ein einsehen und packten ihren Schreihals wieder ein und verließen den Laden. Kennst du das auch, wenn plötzlich eine Stille herrscht und alles laut aufatmet? Wir hatten dann auch genug und beschlossen noch eine kleine Radtour durch die Stadt zu machen… 
Mehr Freitagsblumen findest du bei
Helga auf ihrem Blog