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Eine merkwürdige Stimmung {SP 10-22}

05.03.2022 | Samstagsplausch

Eine merkwürdige Stimmung herrscht in meiner Stadt. Ganz viele haben angefangen Lebensmittel, Hygienezeug und Kleidung zu sammeln und zu spenden. Sogar mein Krankenhaus-Konzern (der umschließt übrigens eine Menge Häuser!) hat mindestens einen großen LKW mit wichtigen Medizinprodukten beladen lassen. Und dann haben sie eine Spedition beauftragt, alles in die richtigen Hände zu liefern.

Eine merkwürdige Stimmung

Es fühlt sich alles so unecht an. Ich gehe weiter ganz normal arbeiten, einkaufen, stricke meine Projekte vor mich hin und keine 1000 km weiter werden Menschen getötet, sitzen nach einem Raketeneinschlag auf der Straße. Es ist einfach alles viel zu nah. So unwirklich. Was wäre, wenn die angreifenden Soldaten einfach ihre Waffen auf den Boden legen würden und dem Kriegstreiber den Mittelfinger zeigen würden? Wahrscheinlich würden sie ihren eigenen Truppen zum Opfer fallen, weil die noch nicht mitbekommen haben, dass sie verar…. werden.

Irgendwie überschatteten die Nachrichten meinen kompletten Tagesablauf. Auch wenn ich relativ wenig Nachrichten schaue, bekomme ich genügend mit. Spendenaufrufe, Proteste (Sieht P*tin die überhaupt? Und kratzt es ihn?) sind in unserer Stadt an der Tagesordnung. Und trotzdem muss ja unser Leben einfach weiter gehen. So haben wir unseren Knitwoch kurzfristig auf den Montag verlegt und saßen zusammen bei einer doppelten Portion Muffins (Carina und ich hatten jede reichlich gebacken). Dabei hat sich Carina überreden lassen die Ärmel ihres schönen grünen Pullover, zu kürzen. Mutig hat sie dann geschnitten und scheint jetzt glücklich zu sein! Magda hat vorher den Faden eingezogen. Sie wäre am Ende „Schuld“ gewesen, wäre mein Vorschlag mit dem Faden, in die Binsen gegangen.

Die nächsten Tage hatte ich Dienst. Im Moment herrscht auf unserer Station ein Durchschnittsalter von 85 Jahren. Und natürlich sind es nicht die Fitten dieser Jahrgänge, die bei uns liegen. Aber nicht alles was wir dort sehen ist traurig. Über viele Dinge kann man auch ab und zu laut auflachen, weil es einfach so befreiend ist. Erst vorgestern haben wir einen alten Mann bekommen, der mich immer wieder zum schmunzeln brachte. Heutzutage sagt man zu weglaufenden Menschen nicht mehr, dass sie weglaufen, sondern von Menschen mit Hinlauftendenz. Und eben dieser Mann lief ununterbrochen über die Station, immer unter Beobachtung. Sehr charmant erklärte er uns immer wieder, dass er sich hier sehr gut auskennen würde und er Frauen besonders mag, die helle Haare haben. Warum, wüsste er auch nicht. Wie er darauf wohl gekommen ist, wir sind alle dunkel 😉

Schlemmerstrickenzeit

Und gestern, die Entspannung pur. Es war wieder so weit. Wir saßen gestern zusammen und haben die Welt vergessen. Wenn wir zusammen sind, das gute Essen genießen, dann ist uns die Welt einfach auch mal egal. Dann wird wieder gekichert, rumgealbert und über Muster, Designer, Wolle und Anleitungen diskutiert. Ein ganz normaler Schlemmerstricktag. Oh, wie ich das genieße!

Das Wochenende ist noch ohne Plan. Mal sehen, ob die Hertha spielt und ob sich der Kerl dieses Desaster noch ansehen will? Wenn ja, dann könnte ich vielleicht endlich mal wieder Taschen nähen. Die Muster liegen ja schon länger auf dem Arbeitstisch bereit. Auch der Stoff ist ausgesucht. Außerdem möchte ich noch ein paar Blogposts fertig schreiben. Im Lesezimmer muss ich auch noch etwas zum Jahresprojekt schreiben… Aufgaben gibt es genug. Wir werden sehen. Und nun, du! Was ist dein Plan?

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12 Kommentare

  1. Manu

    Hallo Andrea,
    ich versuche auch nicht allzu viel an mich heranzulassen, was mal mehr und mal weniger gut gelingt. Stricken ist gerade nicht so angesagt, aber ich finde es schön, dass Ihr Eure Strickzeiten so genießen könnt. Da kann man sich so wunderbar austauschen und von den neusten Strickprojekten träumen. 😉
    Liebe Grüße
    Manu

    Antworten
  2. Rosa Henne

    Liebe Andrea,
    eure Schlemmerstrickzeit scheint ja wirklich eine kleine Oase zu sein. Schön, dass du da auf andere Gedanken kommen kannst! Und gut, dass es bei der Arbeit hin und wieder auch etwas zu lachen gibt.
    Ich nehme mich gerade beim Nachrichten gucken ziemlich zurück. Ich kann es nicht mehr mit ansehen. Es laufen mir die Tränen, wenn ich die Mütter und Kinder in dieser Not und Ausweglosigkeit sehe…
    Hab eine gute neue Woche und sei herzlich gegrüßt
    Ingrid

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  3. Bienenelfen

    Liebe Andrea,

    mir macht das alles auch schwer zu schaffen und kann es auch einfach nicht verstehen wie so etwas überhaupt passieren konnte im Jahre 2022!!! Stricken, ja das lenkt ein bisschen ab und das muss auch sein sonst wird man ja verrückt. Alles Gute und liebe Grüße

    Kerstin und Helga

    Antworten
  4. Ingrid Mörke

    Ja, du hast Recht bei allem gruseligen in der Welt im Moment braucht frau Events, die mal alles vergessen lassen…genau so geht es mir, wenn ich zu meinem Enkelkind fahre…dann kriege ich von der Welt nichts mit und genieße nur das Zusammensein mit ihr…und das gibt Kraft.
    in diesem sinne wünsche ich dir eine schöne Woche
    Augusta

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  5. illy

    *zustimm* Merkwürdige Stimmung, bedrückend und unecht. Und trotzem morgens aufstehen und weitermachen… irgendwie.
    Ein nervenaufreibender Spagat…
    Sonntagsgrüße
    illy

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  6. Nora

    ja, ich gebe dir, liebe andrea, recht… die stimmung ist wirklich komisch, traurig komisch! ich wohne in eine bezirksstadt mit 8000 einwohnern, fast jeder kennt jeden, man kann überall kurze gespräche führen. die leute haben aber keine lust dazu! vorher, noch vor wenigen tagen hat man sich mind. über bekannte erkrankte ausgetauscht, jetzt schaut man in ausdruckslose, erschreckte augen. hier wohnen hauptsächlich ältere, die div. kriegsnachwirkungen erlebten! sie sind über diese situation sprachlos! und viele verängstigt. ich habe keine angst, die lasse einfach nicht an mich ran! meine immer „vorhandene“ gute laune wird mit neid und bewunderung hinterfragt! ich sage immer, wenn ich positiv, optimistisch eingestell bin, wird auch mein umfeld mit positiven gedanken „angesteckt“. es ist tragisch, was jetzt passiert, nur negative gedanken schwächen selber und helfen keinem

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  7. Regula

    Einen Faden einzuziehen war vorausschauend. Ebenso vorausschauend ist, die Nachrichten nicht einzuschalten und das Kriegsgehetze aus dem Wohnzimmer zu sperren. Liebe Grüsse von Regula

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  8. Pia

    Schön wenn einem die Arbeit zum lachen bringt. Das ist doch gerade das was uns am leben hält.
    Und Ablenkung mit guten Freunden tut gerade in dieser Zeit gut.
    L G Pia

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  9. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Man darf nicht vergessen, Freude und lichte schöne Augenblicke in die andere Waagschale zu werfen. Sonst dreht man wirklich durch. Nach zwei Jahren Pandemie ist es um die Nerven nicht so gut bestellt.
    Ich hoffe ja auch inständig, dass der Kriegstreiber am Ende von seinem eigenen Volk zur Seite geräumt wird. Es ist ja zu sehen, dass er Angst vor der eigenen Bevölkerung hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, nur die wird momentan leider etwas knapp…
    Liebe Grüße
    Andrea

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  10. Heidrun

    Wir sind erschüttert keine Frage, wir wissen nicht was uns die nächsten Tage bevorsteht. Und wir versuchen trotzdem nicht selbst in diesem emotionalen Strudel unterzugehen.
    Liebe Grüße von Heidrun

    Antworten
  11. Kunzfrau

    Ich habe in so einem Ratgeber gelesen, das es in Ordnung ist, auch weiterhin Spaß zu haben. Nachrichten in den Maßen, wie man sie selber verträgt. Und auch die Angst zulassen.
    Ja ich habe Angst. Und ich verstehe es einfach nicht, warum man auf unschuldige Menschen schiesst.

    Traurige Grüße
    Marion

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  12. Margot / die Judika

    Liebe Andrea,
    ich schaue derzeit wenig Nachrichten und versuche diesen furchtbaren Geschehnissen wenig Raum in meinen Gedanken zu geben, sonst werde ich verrückt.
    viele Grüße Margot

    Antworten

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