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Vergesslich? Echt jetzt? {Samstagsplausch 38/20}

19.09.2020 | Samstagsplausch

Vergesslich? Ich? Echt jetzt?

Letzten Samstag habe ich von einem Patienten geschrieben der vergesslich war und nun ereilt mich die Demenz mit einem nassen Waschlappen. Echt jetzt? Ich will dir erzählen, warum ich an mir zweifle und glaube, mich wird die Demenz ordentlich ärgern.

Am Mittwoch hatte ich Frühdienst und freute mich sehr auf meinen Donnerstag. Ich plante einen Ausflug mit der Strickfreundin nach Pankow zu Simply Stich. Das liegt von meinem Zuhause nicht gerade um die Ecke. 19 km sind es in direkter Linie. Bei guter Verkehrslage bin ich in 35 Minuten mit dem Auto da. (Der echte Berliner behauptet in so einem Fall, das liegt doch um die Ecke!) Nach erfolgreicher Wolljagd wollten wir uns dann mit einer anderen Freundin treffen, um noch ein paar Maschen zu stricken und den jetzt kühleren Herbst, im Garten zu genießen.

Alles haarklein geplant. Und dann … fragt mich die Kollegin, mit wem sie denn am Donnerstag Dienst hätte. Ich gehe und schaue auf den Dienstplan. St…, J…, M… und Andrea stehen da… Ähh? Gibt es noch eine Andrea auf unserer Station? Was? Ich habe Frühdienst! Mist. Ich musste alles in die Tonne werfen, meinen Plan konnte ich vergessen, weil ich es mir nicht gemerkt hatte, dass ich Dienst habe. Meine Kolleginnen ließen sich auch nicht dazu erweichen, dass ich zu Hause bleiben könnte. Sie lachten mich nur freundlich an und freuten sich, dass ich morgen auch da bin!

Aber das ist nicht der einzige demente Moment in meiner Woche. Ich wollte etwas zum basteln kaufen und stand wie bestellt und nicht abgeholt in dem Bastelgeschäft. Ich blickte mich einen Moment lang um, damit mir vielleicht das ins Auge springen mag, das ich gesucht habe. Aber alles was ich sah, war nicht das was ich vergessen hatte. Ich verließ den Laden wieder und fuhr zu meiner Verabredung. Als ich 10 Minuten unterwegs war, traf es mich wie der Blitz, was ich vergessen hatte.

Ich suche nun schon seit Monaten meine Brille. Sie hat sich an einem Ort versteckt, der sich mir nicht erschließt. Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann aus ihrem Versteck hervorspringt. Ich kaufe Wolle für ein bestimmtes Projekt und kaum bin ich zu Hause, habe ich vergessen welches Model das war. Wenn das so weiter geht, stehe ich eines Tages im Badezimmer und weiß nicht mehr, dass ich auf die Toilette wollte.

Aber wie kann man sein Hirn trainieren? Hüften kann man mit Hula Hoop Reifen trainieren. Das Herz bekommt ordentlich was zu tun, wenn wir walken (oder schnell spazieren) bzw. Fahrrad fahren. Aber das Hirn? Ich habe mal gelesen, dass stricken und musizieren gegen den Verlust des Gedächtnis helfen soll. Also trainiere ich doch ausreichend. Na, ich werde berichten, wie es mit mir weiter geht.

Und sonst so?

Der Montag war ein furchtbarer Arbeitstag. Wir waren nur zu Zweit im Spätdienst und hatten die Station voll. Viel Arbeit für uns zwei. Schwamm drüber, ist noch mal gut gegangen.
Am Dienstag habe ich mit meinem Kerl einen kleinen Kurzurlaub an einem See gemacht. 32° C im Schatten und eine Wassertemperatur von 18° C. Beim ins Wasser gehen, blieb mir kurz die Luft weg, dann war es aber richtig schön, noch einmal eine Runde schwimmen zu können.
Den Donnerstag habe ich in einer geschrumpften Version genossen. Der Wollladen wurde gestrichen und ich fuhr gleich zu der Freundin zum Maschen stricken. Das brachte mir einige Kilometer beim Stadtradeln ein.
Den Freitag hatte ich nun endlich frei und den ganzen Tag, hatte ich das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Das Wetter war aber so schön, dass ich eine große Runde mit dem Rad gedreht habe.

Wie geht es dir mit der Vergesslichkeit? Hast du auch solche Tage/Wochen, wo du einiges vergisst oder verdrängst? Vor der Demenz selber habe ich keine Angst, der Übergang zwischen noch Wissen und dem Vergessen, macht mir Angst.

Altern ist ein hochinteressanter Vorgang: Man denkt und denkt und denkt – plötzlich kann man sich an nichts mehr erinnern

(Ephraim Kishon)

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21 Kommentare

  1. Pia

    Liebe Andrea, Du glaubst jetzt nicht wirklich dement zu werden? Kein schöner Gedanke. Demenz. Gruselig. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Alltagsvergesslichkeit eher um eine Notbremse oder so eine Art Stoptaste im Gehirn. So wie ein alter Haartrockner einfach ausgeht, wenn er zu heiß wird – Schutz gegen Überhitzung wegen Dauerbetrieb 😉 Ein gutes Mittel dagegen ist, weniger Pläne zu schmieden und mehr im Hier-und-Jetzt zu verweilen: Zwischendurch fünf Minuten nichts tun. Händewaschen mit voller Konzentration auf genau diesen Vorgang. Klingt seltsam, hilft aber wirklich.
    LG Pia

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  2. Ulrike

    Ne, Andrea, mach Dir mal keine Sorgen. Was Du schilderst passt zu: ich gehe in den Keller und weiß dann nicht mehr, was ich dort wollte…
    Ich wünsche Dir eine „unvergessliche“ Woche
    L.G. Ulrike

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  3. Karin Be

    😀 Ich setze mich mal zum Stuhlkreis der Vergesslichen dazu, wenn ich es auf dem Weg dorthin nicht vergesse. In dieser, meiner ersten Arbeitswoche lief ich manche Wege ebenso etwas häufiger, weil mir das eine oder andere, am Ort angekommen, einfach aus dem Sinn war. Ich bin die Frau der Notizzettel, bzw. des Notizbuchs. Weil ich mich kenne hatte ich zu Beginn des Lockdowns mir einen Zettel in meinen Schrank im Lehrerzimmer gehängt. Darauf hatte ich mir notiert wohin ich welche wichtigen Unterlagen verstaut hatte. Das erwies sich als wirklich hilfreich.
    Mein momentaner Suchartikel zuhause – gerade gelieferte Metalldöschen für Kräuter. Drei hatte ich aus dem Paket genommen und es dann weggeräumt. Bloß wohin? Ich suche nicht mehr, sondern werde irgendwann finden.
    Liebe Grüße,
    Karin

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    • Andrea Karminrot

      Ich glaube, ich bin beruhigt… ich stehe wohl nicht alleine auf weiter Flur

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  4. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Liebe Andrea, da hatte ich heute morgen ja glatt vermutet, du hättest deinen Samstagsplausch vergessen 😉
    Doch, vergesslich bin ich bisweilen auch, deswegen schreibe ich mir z.B. sofort auf, wenn ich merke, dass irgendwas beim nächsten Einkauf besorgt werden sollte.
    Da ich gerne multitasking unterwegs bin, geht dabei eh immer irgendwas verschütt. Gestern stand ich mal wieder da und wusste nicht einmal mehr, ob ich meine Tablette genommen hatte, weil ich mich gerade so angeregt mit dem Gatten unterhalten hatte. Nein, der konnte sich auch nicht mehr erinnern, argh…
    Allerdings wäre es sehr peinlich, wenn ich es deinem Beispiel nach täte und meine Brille verlegen würde. Dann wäre ich komplett aufgeschmissen….
    Also sind deine Augen doch noch nicht soooo schlecht. Ist doch auch tröstlich.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    • Andrea Karminrot

      Nee. Es geht noch ohne. Nur manchmal denke ich, ich bräuchte sie.

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  5. Kunzfrau

    Ach das geht mir auch manchmal so. Ich denke, das ist tagesabhängig! Mach dir mal nicht zu viele Gedanken!

    Gruß Marion,
    die auch überlegt zu SimplyStitch zu fahren. Aber allein null Lust dazu hat!

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  6. magda

    Die Story mit dem Bastelladen, das bin original ich 😉
    So ist das nun mal, wenn der Kopf voll ist mit 10000 Dingen, dann bleibt im Kurzzeit Gedächtnis einfach nichts kleben. Nimm’s gelassen. Das entspannt ungemein.
    Hab ein schönes Wochenende

    Ich geh mal meine Einkaufsliste schreiben 😀

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  7. Astridka

    Ach Andrea, dein Kopf arbeitet sich gerade vielleicht an anderen Dingen ab auf der gefühlsebene oder so. Das muss einem noch nicht mal bewusst sein. Ich brauch manchmal auch sehr lange, bis mir klar ist, worüber ich mich sehr geärgert habe oder was mich verletzt hat. Und das will ich manchmal nicht wahrhaben, weil ich anderen keine Macht über mich einräumen will, aber im Untergrund brodelt es. ( Gerade mal wieder erlebt ) Das Brillenproblem habe ich dahingehend gelöst, dass ein Körbchen voller Brillen bei mir neben dem Telefon herumsteht, Da greif ich dann zu. Blöde ist das nur bei den teuren Gleitsichtbrillen. Ich brauch die aber nicht mehr wirklich, seit ich nicht mehr arbeite, nur die Dinger zum Lesen. Die kauf ich mir so in Standardausfertigung.Wenn’s tröstet: Der Herr K. ging dienstags in der Philharmonie die Treppe runter und meinte: Die Brille haben wir(!) zu Hause gelassen. Aber sie saß auf seiner Nase….
    Das Leben ist zur Zeit halt ziemlich „dicht“. Und mit deinem Beruf noch dichter.
    Ich wünsche dir einen allmählich befreiteren Kopf!
    Herzlich
    Astrid

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  8. Anni

    Au weia, liebe Andrea, ich verstehe gut, dass du dich ärgerst oder auch besorgt bist, was da jetzt los ist. Ich vermute dennoch mal, es ist eher die Überlastung des Gehirns, sodass manche Sachen einfach ausgeblendet werden, die deinem Gehirn in diesem Moment nicht ganz so wichtig wie dem Rest von dir erscheinen. Diese „punktuelle Vergesslichkeit“ kennen bestimmt viele, mir geht es ähnlich, wenn ich ganz viel um die Ohren habe. Meistens hilft es mir, den Gang wieder rauszunehmen und mir etwas mehr Ruhe zu gönnen oder auch tatsächlich einfach mal Sachen aufzuschreiben. Nach einer Weile funktioniert es dann wieder ohne schriftliche Hilfe. 🙂
    Gräm‘ dich nicht, genieße das Wochenende und lass es dir so gut es geht gehen. Wir starten heute Früh zu einer Fahrradtour in und um den Schönbuch, darauf freue ich mich jetzt schon sehr.
    Herzliche Grüße
    Anni

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  9. nina. aka wippsteerts

    Ach ja, ich glaube, da können wir uns alle mal einreihen, wird eine lange Schlange 🙂
    Manchmal ist das mehr, mal weniger, vielleicht hat das was mit Auslastung zu tun…
    Hab ein schönes und hoffentlich erholsames Wochenende und hoffentlich kannst Du die ursprüngliche Verabredung/Ausflug mit der Freundin bald nachholen.
    Liebe Grüsse
    Nina

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  10. Sylvia Dunn

    Guten Morgen liebe Andrea, ach was für eine schlimme Woche. Solch eine schöne Planung und dann auch für den Mülleimer. Aber das kenne ich auch. Gehe extra einkaufen, laufe durch den Laden und weiß nicht mehr was ich einkaufen wollte. Meine Brille habe ich wochenlang gesucht. In Geschäften angerufen, beim Taxi etc. Und dann war sie in einer Tasche. Ich glaube das hat hoffentlich noch nichts mit Demenz zu tun. Wahrscheinlich ist unser Hirn mit anderen Dingen beschäftigt, dadurch vergessen wir das wesentliche. Du hattest ja eine anstrengende Woche, von daher ist das glaube ich nicht wirklich schlimm.
    Genieße das Wochenende. Und mach etwas Schönes für Dich. Lieben Gruß Sylvia

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    • Gabi

      Moin, liebe Andrea
      ….mich nannte schon Mal Jemand * die Königin der Zettel*…. Ich schreib mir die wichtigen Termin und Erledigungen schon jahrelang auf einen Wochenzettel auf…und trotzdem schlutscht mir immer wieder was durch…..
      Wenn das Hirn altert werden die Maschen wohl etwas lockerer….meinst du wir sollten versuchen dies auch etwas lockerer zu sehen und uns zu beruhigen….

      Das wird bei manchen Situationen gehen, aber nicht immer….als ich vorletzte Woche mittags für den Steri zuständig war….hab alles fein vorbereitet….nur scheinbar nicht gestartet….nach der Mittagspause standenn wir ohne sterile Instrumente da, das war schon sch……
      Mir war das wirklich komplett aus dem Hirn gefallen und ich war mir 100%sicher dass ich es gemacht hatte……
      oder als ich neulich am Strand das Rad abstellte, abgeschlossen, Helm in den Korb….los gelaufen…..als ich nach ca. einer Stunde zurück kam…..lag mein Schlüsselbund im Helm….das war ein furchtbarer Moment…..

      Ich denke, das mein Kopf in dieser Zeit wirklich überlastet war, aber dennoch wird einem plötzlich bewusst…..SO könnte es kommen….wenn man weiter altert….krass!

      Fühl dich von mir herzlichst umarmt, auch wenn wir das nicht mehr *sollen* vergessen werde ich das nie
      Gabi

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  11. Nicole von Hexen und Prinzessinnen

    Hallo Andrea,
    solche Sachen passieren mir auch manchmal, aber es hält sich noch in Grenzen. Bei meiner Mama ist es oft ganz schlimm, aber ich denke, das ist auch, weil wir immer so viel im Kopf haben. Man soll sich alles merken und für jeden alles besorgen oder erledigen, da kann das eine oder andere, was man für sich selbst braucht, schon mal flöten gehen.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    LG Nicole

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  12. Eva

    Grööööhhhhööölll!
    Ja, das kenne ich alles, ich habe sogar trotz Terminkalender einen wichtigen Arzttermin versäumt.
    Das alles hat aber nix mit Demenz zu tun, sondern ist so, weil man zuviel im Kopf hat.
    Mir passiert es desöftern auch, dass ich die Brille suche und die habe ich dann auf dem Kopf.
    Nun denn, dass man, wenn man etwas sucht, immer wieder an den Dingen vorbeiläuft und sie nicht sieht, ist normal.
    Hat auch nix mit Demenz zu tun. Du findest deine Brille sicherlich irgendwann wieder, das Haus verliert nix.
    Wenn manches so lese, was in der Arbeitswelt abgeht, bin ich immer wieder froh, dass ich nicht mehr arbeiten muß.
    Schon alleine die Maskengeschichte, die bei uns ja auch im Büro so ist, nee, ich bin wirklich froh.

    Vergesslichkeit ist nicht schlimm, weil man meistens auch etwas zerstreut ist und zu viele Dinge im Kopf hat.
    Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende.
    Ich fertig und fix und steige gleich auf das Rad.
    Lieben Gruß Eva

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