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Vergesslich? Ich? Echt jetzt?

Letzten Samstag habe ich von einem Patienten geschrieben der vergesslich war und nun ereilt mich die Demenz mit einem nassen Waschlappen. Echt jetzt? Ich will dir erzählen, warum ich an mir zweifle und glaube, mich wird die Demenz ordentlich ärgern.

Am Mittwoch hatte ich Frühdienst und freute mich sehr auf meinen Donnerstag. Ich plante einen Ausflug mit der Strickfreundin nach Pankow zu Simply Stich. Das liegt von meinem Zuhause nicht gerade um die Ecke. 19 km sind es in direkter Linie. Bei guter Verkehrslage bin ich in 35 Minuten mit dem Auto da. (Der echte Berliner behauptet in so einem Fall, das liegt doch um die Ecke!) Nach erfolgreicher Wolljagd wollten wir uns dann mit einer anderen Freundin treffen, um noch ein paar Maschen zu stricken und den jetzt kühleren Herbst, im Garten zu genießen.

Alles haarklein geplant. Und dann … fragt mich die Kollegin, mit wem sie denn am Donnerstag Dienst hätte. Ich gehe und schaue auf den Dienstplan. St…, J…, M… und Andrea stehen da… Ähh? Gibt es noch eine Andrea auf unserer Station? Was? Ich habe Frühdienst! Mist. Ich musste alles in die Tonne werfen, meinen Plan konnte ich vergessen, weil ich es mir nicht gemerkt hatte, dass ich Dienst habe. Meine Kolleginnen ließen sich auch nicht dazu erweichen, dass ich zu Hause bleiben könnte. Sie lachten mich nur freundlich an und freuten sich, dass ich morgen auch da bin!

Aber das ist nicht der einzige demente Moment in meiner Woche. Ich wollte etwas zum basteln kaufen und stand wie bestellt und nicht abgeholt in dem Bastelgeschäft. Ich blickte mich einen Moment lang um, damit mir vielleicht das ins Auge springen mag, das ich gesucht habe. Aber alles was ich sah, war nicht das was ich vergessen hatte. Ich verließ den Laden wieder und fuhr zu meiner Verabredung. Als ich 10 Minuten unterwegs war, traf es mich wie der Blitz, was ich vergessen hatte.

Ich suche nun schon seit Monaten meine Brille. Sie hat sich an einem Ort versteckt, der sich mir nicht erschließt. Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann aus ihrem Versteck hervorspringt. Ich kaufe Wolle für ein bestimmtes Projekt und kaum bin ich zu Hause, habe ich vergessen welches Model das war. Wenn das so weiter geht, stehe ich eines Tages im Badezimmer und weiß nicht mehr, dass ich auf die Toilette wollte.

Aber wie kann man sein Hirn trainieren? Hüften kann man mit Hula Hoop Reifen trainieren. Das Herz bekommt ordentlich was zu tun, wenn wir walken (oder schnell spazieren) bzw. Fahrrad fahren. Aber das Hirn? Ich habe mal gelesen, dass stricken und musizieren gegen den Verlust des Gedächtnis helfen soll. Also trainiere ich doch ausreichend. Na, ich werde berichten, wie es mit mir weiter geht.

Und sonst so?

Der Montag war ein furchtbarer Arbeitstag. Wir waren nur zu Zweit im Spätdienst und hatten die Station voll. Viel Arbeit für uns zwei. Schwamm drüber, ist noch mal gut gegangen.
Am Dienstag habe ich mit meinem Kerl einen kleinen Kurzurlaub an einem See gemacht. 32° C im Schatten und eine Wassertemperatur von 18° C. Beim ins Wasser gehen, blieb mir kurz die Luft weg, dann war es aber richtig schön, noch einmal eine Runde schwimmen zu können.
Den Donnerstag habe ich in einer geschrumpften Version genossen. Der Wollladen wurde gestrichen und ich fuhr gleich zu der Freundin zum Maschen stricken. Das brachte mir einige Kilometer beim Stadtradeln ein.
Den Freitag hatte ich nun endlich frei und den ganzen Tag, hatte ich das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Das Wetter war aber so schön, dass ich eine große Runde mit dem Rad gedreht habe.

Wie geht es dir mit der Vergesslichkeit? Hast du auch solche Tage/Wochen, wo du einiges vergisst oder verdrängst? Vor der Demenz selber habe ich keine Angst, der Übergang zwischen noch Wissen und dem Vergessen, macht mir Angst.

Altern ist ein hochinteressanter Vorgang: Man denkt und denkt und denkt – plötzlich kann man sich an nichts mehr erinnern

(Ephraim Kishon)

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