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Eine Geschichte um den Norweger

09.05.2019 | Pullover & Jacke, Stricken

Ich kann dir eine Geschichte um den Norweger erzählen

Es ist schon eine Weile her, es war November, da bat mich ein Freund ihm einen Gefallen zu tun. Er wünscht sich schon soooo lange einen Norweger. Einen Norweger in seinen Landesfarben. Denn der Freund stammt aus Frankreich. Und so begann eine Geschichte um den Norweger… Beginnt nicht immer so oder so ähnlich ein Märchen?

Der Freund rief mich an und erklärte mir sein Anliegen. Eigentlich stricke ich nicht für Andere, aber dieser Freund machte mein Herz weich und ich versprach ihm diesen Pullover zu stricken. Erst einmal musste die Wolle her. Um die richtige Wolle zu bekommen, musste ich einmal durch die Stadt fahren. Ich kaufe eben meine Wolle lieber in einem Laden. Die Dropswolle wird in einem Laden in Kreuzberg, an der Grenze zu Rummelsburg, verkauft. Die Verkäuferin war sehr aufmerksam und half mir die richtigen Farben zu finden.

Der Freund fand die Farben ganz passend und freute sich schon auf den Pullover. Die Nadeln klapperten und wenn du auf den Link zu dem gewünschten Muster geklickt hast und die Bilder vergleichst, die ich hier zeige, dann stellst du schnell fest, da stimmt etwas nicht! Hey, du hast recht, etwas ist anders. Während ich so vor mich hin nadelte, stellte ich fest, das wird ein MONSTER, dieser Norweger. Ich habe ausgemessen und sah, dass ich alles richtig gemacht habe. Es lag wohl eher daran, dass dieser Pullover in den 1980er Jahren konzipiert wurde und damit völlig überzogen groß war.

Norweger auf Anfang

Ich ribbelte den Pulli bis auf das Bündchen wieder runter. Weniger Maschen, eine kleinere Größe, wuchs nun wieder auf meinen Nadeln. Ich hatte die Hirsche fertig und freute mich schon darauf, dass ich das erste Mal in meinem Strickerleben steeken werde. Dabei wird das Strickstück aufgeschnitten. Eine Strickweise, die bei den Norwegern schon immer gemacht wird. Doch was soll ich sagen, der Pullover blieb, trotz reduzierter Maschenzahl und kleinerer Größe ein Monster. Gnadenlos schlug nun wieder das Ribbelmonster zu. Der Norweger schrumpfte wieder bis unter die Hirsche zusammen. Ich hatte die Nase voll!

Es musste en anderes Muster her und da hat mir der Stricknerd eine Anleitung unter die Nase gehalten. Das war zwar eine Anleitung für Mädels, aber die konnte ich gut einbauen. Silver Stag. Zuerst musste ich noch die Ärmel stricken. Die Muster habe ich dem Körper angepasst und dann landeten sämtliche Maschen auf der Rundnadel und das Muster mit den Hirschen wurde neu eingestrickt.

Der norwegische Isländer, in französischen Nationalfarben

Aus dem Norweger wurde nun ein Isländer, mit norwegischen Mustern. Das ganze eben in den französischen Nationalfarben. Das Stricken machte wesentlich mehr Spaß. Und der Pullover wuchs richtig schnell. Am Ende bekam der Pullover noch ein schönes Bad in Seifenlauge und trocknete liegend vor sich hin. Doch die Odyssee war noch nicht vorbei….

Der Pullover wurde feierlich in einem Café übergeben und der neue Besitzer freute sich wie Bolle. Ich hatte aus den Restbeständen der Wolle noch eine passende Mütze gestrickt. Er zog den französischen norwegischen Isländer über und ich sah schon, der ist zu lang! Aber der Freund klagte nicht, schlug den Bund nach innen um und erklärte, so trage er sowieso alle Pullover.

Nach einigen Wochen fragte ich ihn nach Fotos, von ihm und dem Norweger, damit ich dir diese Geschichte erzählen kann. Unser Freund würde den Norwegischen Isländer nicht tragen, er ist doch etwas zu groß. Das konnte so nicht bleiben und ich fuhr zu ihm, nahm ihm das gute Stück wieder ab und trennte den unteren Teil wieder ab. Ganze 10 cm, verlor der Pulli in der Länge.

Wenn man nun genau hinsieht, dann erkennt man, dass das untere Muster mit den Maschen in eine andere Richtung zeigt, als der Rest der Muster. Und warum der Pulli so beult, das kann ich dir auch erklären. Der Freund mag keine Schurwolle auf der Haut tragen und hat ein T-Shirt eingenäht! Ich musste das Shirt zum fotografieren hochkrempeln. 😉

Zum Schluss noch die Eckdaten:

Der Pullover wiegt mit dem T-Shirt zusammen 840 Gramm. Gestrickt habe ich mit 4 und 4 1/2 Nadeln. Die Wolle heißt Karisma aus dem Hause Drops. Strickzeit, nicht messbar! Größe L

Hab einen schönen verstrickten Tag

verlinkt bei Liebste Maschen im Mai und bei Maschenfein Auf den Nadeln im Mai

14 Kommentare

  1. Regula

    Sehr schön, dein Norweger. In meiner Kindheit waren diese Pullis ja sehr in. Unsere ganze Familie hatte welche, alle von meiner Mutter gestrickt. Ich selber habe seit Jaaaaaahren kein Norweger Muster mehr genadelt. Liebe Grüsse an dich. Regula

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  2. Margot

    Liebe Andrea,
    dieser Pullover ist wirklich unbezahlbar, so oft wie Du ihn aufgeribbelt und wieder neu gestrickt hast. Ohne T-Shirt drunter könnte ich niemals Wolle tragen, jedoch käme ich nie und nimmer auf die Idee das T-Shirt festzunähen. Habe mir Deinen Island-Pulli auch noch mal angeschaut, der steht Dir einfach fanatisch.
    herzlich Margot

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  3. Frau Augenstern

    Liebe Andrea,
    WOW der Norwegerpullover ist dir richtig gut gelungen. Wunderschön und die Farbauswahl gefällt mich auch sehr gut. Was für ein Prachtstück!! Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende.
    Ganz liebe Grüße
    Annette

    Antworten
  4. kleiner-staudengarten

    Liebe Andrea,
    welch eine Ausdauer und Geduld du bei dem Pullover bewiesen hast …deine Geschichte liest sich richtig spannend und ich hab’s genossen.
    Respekt vor deinem Können…so ein wunderbares Teil hätte ich zu meinen besten Strickzeiten erst gar nicht angefangen.
    Hab ein schönes Wochenende – lieben Gruß, Marita

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  5. Bienenelfe Kerstin

    Liebe Andrea,

    jetzt habe ich mit offenem Mund hier Deinen Post gelesen. Also echt Hut ab meine Liebe ich wüßte nicht ob ich nicht alles in die Ecke gepfeffert hätte und dann hast Du ihn am Ende noch einmal abgeändert also dieser Pullover darf nie und nimmer entsorgt werden !!!!! Er sieht toll aus, auch die Farben gefallen mir sehr, das gibt eine 1 mit Stern und noch ***** extra für die Fleissarbeiten. Ich habe mir auch diese Technik da angesehen, das ist ja spannend ich weiss nicht ob ich mich trauen würde da hineinzuschneiden ohhhhhaaa….

    Herzliche Grüße
    Kerstin

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  6. Ingrid

    Da hast du aber ganz schön Durchhaltevermögen bewiesen. Wenn bei mir etwas nicht direkt passt, wird es erst mal in die Ecke gelegt – und da liegt es dann lange und gut. Das Endergebnis ist auf jeden Fall ganz toll geworden und entschädigt für die ganze Arbeit. Ein T-Shirt trage ich zwar unter Wollpullis auch immer, auf die Idee, es einzunähen, muss man aber erst mal kommen. 🙂
    LG
    Ingrid

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  7. illy

    Wow… Hut ab. Das Durchhaltevermögen hab ich nicht… Daher Hut ab. Pulli ist wunderbarst geworden!!
    Liebe Grüsse
    illy

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  8. Sylvia Lupberger

    Das liest sich ja recht lustig… Aber nur im Nachhinein. Ich kann deine Verzweiflung direkt fühlen, als es wieder nicht gepasst hast. Umso mehr bewundere ich deine Geduld und ich hoffe, der Freund wird den Pullover in Ehren halten.

    LG

    Sylvia

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  9. Ein Garten in der Steiermark

    Der Pullover ist wunderschön geworden. Wir waren über Ostern in Island und die Läden waren voll mit Islandpullis, ähm Norweger ☺ So schön wie Deiner waren sie nicht.

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  10. Astridka

    Zum Glück sind nicht alle Franzosen so kompliziert und das Futtereinnähen in echte Wollpullover kenne ich als deutsches Mädel nur zu gut ( musste bei mir nämlich auch sein ). Aber dass du da zierlichere Maße berücksichtigen musst, hätte ich dir vorher sagen können ( es sei denn, es handelt sich um einen Normannen ). Und 1980er Schnitt geht da schon mal gar nicht. Ich hab mich beömnelt über deine Geschichte!
    Gute Nacht!
    Astrid

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  11. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Das ist ja eine wahre Strickodyssee… Da hätte ich wohl zwischendrin resigniert. Die Tragegewohnheit mit eingenähtem T-Shirt finde ich etwas merkwürdig.
    Aber der Pullover ist auf jeden Fall wunderschön geworden! Als Isländer gefällt er mir sogar nochmal viel besser!
    Hut ab vor deinen Strickkünsten, der Ausdauer und dem Ideenreichtum.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Burglind Moll-Ebel

    Hallo liebe Andrea,

    Hut ab vor Deiner Ausdauer. Ich hätte glaube ich alles in die Ecke geworfen und fertig mit diesem Pulli. Wenn es nicht gleich beim ersten Versuch fluppt bin ich sowas von raus. Schön ist aber der Norweger geworden und er wird bestimmt jetzt nach der ganzen Mühe getragen.

    Liebe Grüße, Burgi

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