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Tischgespräche

Diese Woche war ich mit einer Freundin im Palazzo. Kennst du das Palazzo? In einem Zirkuszelt wird köstliches Essen serviert und dabei und zwischendurch, kann man sich Akrobatik, Zauberei und Clownerie ansehen. Ein schönes Programm begleitet durch den kompletten Abend und kaum hast du dich versehen, ist es Mitternacht und du musst wieder in deine schnöde Welt hinaus.

Um zu den gebuchten Plätzen zu gelangen, muss man an einem Concierge vorbei. Das dauert ein wenig, denn jeder Gast wird an seinen Tisch begleitet. Vor und hinter uns standen die Menschen recht gedrängt, was eigentlich nicht nötig war, denn die Show beginnt erst in einer halben Stunde. Platz wäre genug. Hinter uns standen einige Frauen. Etwas hübsch gemacht, nicht mein Geschmack, aber immer noch besser, als “nur” in Jeans und Wollpulli aufzutauchen.

Die Damen schnatterten fleißig vor sich hin und eine zeigten sich als Kennerin des Palazzos. “Ach ich war schon sehr oft hier! Damals wurden wir von den Werbepartnern eingeladen. Das Essen war damals viel besser. Und soo viel, da kann man sich richtig daran satt essen” “Oh, da das wird bestimmt wunderbar!” Nur mal so zum Spaß, schau dir das Menü mal an…

Wir wurden an unserem Tisch platziert. Ein Tisch mit 8 Plätzen. Die nächsten Pärchen wurden zu unserm Tisch begleitet und so wie auch wir, sich gegenüber gesetzt. Hach, so geht das aber nicht. Die Paare wollten nebeneinander sitzen. Das Personal war längst wieder weg, da fragte man höflich, ob es in Ordnung sei, wenn die Damen neben ihren Herren Platz nehmen. Ein kurzes Gewusel und die Paare saßen nebeneinander.

Unser persönlicher Kellner, lies etwas auf sich warten. Kann man ja verstehen, wenn der so viele Gäste zu versorgen hatte. Das Wasser stand ja immerhin schon auf dem Tisch. Damit der gute Kerl nicht durcheinander kommt, steht zwischen jedem Paar ein Schildchen mit einer Nummer. Unser Kellner fragt noch, ob jeder auf seinem Platz sitzen würde. Alles rief ja. “Ähm, die Damen haben die Plätze getauscht, die Paare sitzen jetzt nebeneinander” War mein Einwand. Das war der Moment, wo die Verwirrung komplett war. “Nee wir sitzen doch richtich!” sagte der beleibte Mann neben mir. Der Kellner schaute etwas verwirrt und begriff dann aber sehr schnell. Er war es bestimmt gewohnt.

Ein Eiskübel, für den Wein oder Sektflaschen stand zwischen Magda und mir. Die bestellten Flaschen für den kompletten Tisch wanderten genau da hinein. Die Show begann und das Paar neben mir redete die ganze Zeit miteinander. Er schnaufte meistens, als Anerkennung der gezeigten Kunststücke.

Schnell war sein Glas alle und weil er es schon angedroht hatte, dass er mich belästigen würde, wenn sein Wein alle sein sollte, griff ich zu seiner Flasche und gab sie ihm ohne Worte rüber. Erstaunt drehte er sich um: ” Ditt iss aba ma uffmerksam!” Jetzt schaute ich den Kerl mal genauer an. Etwas überzogen mit einem dicken Panzerarmband, aber nicht unangenehm, saß er neben mir.

Das Essen wurde aufgetragen, die Akrobaten zeigten was sie können, das Essen wurde wieder abgetragen und die Zeit verging, ohne dass man es merkte. Das Pärchen neben mir ging immer wieder mal an die Luft und jedes Mal, saß der Kerl etwas dichter bei mir, so dass ich wirklich immer mehr an den Rand geschoben wurde. Manche Menschen brauchen einfach eine Menge Platz. Was würdest du machen, wenn dir ein Unbekannter immer dichter auf den Pelz rückt?

Meine Blümchen widme ich mal wieder Helga. Viel zu selten, mache ich noch beim Freitagsblümchen mit. Die Zweige habe ich von einem Baumschnitt. Keine Ahnung welcher Baum da seine Zweige lassen musste. Die Tulpen sollten eigentlich Gerbera sein. Doch haben mir die Zwiebelgewächse besser gefallen.

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