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Ich hatte nie ein rotes Auto

Autofahren, das wollte ich nicht unbedingt. In den Achtzigern, als ich so weit war meine Pappe zu machen, war ich noch in der Ausbildung und ich hatte genügend Freunde, die mich auch mal mit dem Auto abholten und mit mir durch die Stadt juchtelten. Damals war unsere Stadt noch von einer hohen Mauer umschlossen und die Öffentlichen gaben sich redlich Mühe, in jeder Ecke unserer Stadt eine Haltestelle unterzubringen. Doch die Freunde hielten mir die Vorteile eines Autos unter die Nase und drängelten. Ich ließ mich erweichen und der Vater besorgte mir vor dem Führerschein, mein erstes Auto. Ich glaube, die meisten Jüngeren, wüssten nicht einmal, wie man diese Kiste starten kann. Denn das ließ sich nur durch den Chocke bewerkstelligen. Es war ein kleiner Ford Fiesta, in einer beigen Farbe, die man auch als Babykacke bezeichnen konnte.

Austin, von hinten über den Kofferraum in den Innenraum fotografiert

So sah der natürlich nicht aus!

Die Mutter wollte dann auch gleich, nachdem ich den Führerschein gemacht hatte, mit mir zur Familie nach Westdeutschland fahren. Dazu mussten wir die Grenzkontrollen und die Transitautobahn hinter uns bringen, um dieses kleine Auto mal richtig ausfahren zu können. Ich war und bin nie der Raser gewesen. Eine Reisegeschwindigkeit von 120 kmh reichen mir völlig aus. Der Kerl sieht das ein wenig anders, aber der erzählt ja auch nicht…

Die Mutter hat mir die Autobahnfahrerei wirklich gut erklärt, denn in unserem Berlin, gab es nur die Stadtautobahn und die Avus. Wer mal sein Auto ausfahren wollte, sah zu, dass es in den Westen fuhr. Es gab tatsächlich Freunde, die zum Kaffeetrinken nach Helmstedt fuhren, um danach gleich wieder zurück zu fahren.

Mintgrün mit Koffer auf dem Gepäckträger

Das kleine Auto begleitete mich eine ganze Weile und im Winter sprang er tatsächlich problemlos, imme, mit seinem Chocke, an. Aber irgendwann hatte ich ihn dann abgeben müssen. Mein Lieblingsauto war er ohnehin nicht. Es folge ein etwas größerer Kadett. Den habe ich wirklich gerne gefahren. Oft bin ich mit dem Opel nach Hamburg gefahren. In einem schönen Blau, sah der auch gar nicht so schlecht aus.

Dann tauschte ich ihn gegen einen kleinen BMW in Schwarz. Dem Kleinsten, aus dem Bayrischen Autostall. Den habe ich von meinen Autos am meisten geliebt. Obwohl er mir auch den größte Ärger gemacht hat. Ich habe damals in einem Bezirk gewohnt, der auf solche Prestigeobjekte nicht besonders gut zu sprechen war. Und wenn man auch nur mit der Reifenspitze auf dem Bürgersteig stand, (Parkplätze waren absolut knapp, so wie heute immer noch!), dann kam es vor, dass dieser Reifen ein Loch hatte. Auf diese Art habe ich gelernt, wie man Reifen wechselt. Ich glaube dem BMW habe ich mindestens 15x die Schuhe getauscht.

Schau mir in die Augen Kleines

Für die Kinder war der BMW aber nichts. Ich brauchte ein neues Auto. Oder noch besser gar keines. Denn der Kerl hatte eins und das reichte, um mal unterwegs zu sein. Ich stieg vollständig auf die Öffentlichen und mein Fahrrad um. Denn obwohl ich immer ein Auto hatte, bin ich fast noch lieber mit dem Rad gefahren. Um aber unabhängiger zu sein und fahren zu können, wenn es auch regnet, die Kinder vom Fußball zum Trampolin zu chauffieren, stand wieder ein Auto vor meiner Tür.

Dieses Mal war es ein blaugrauer Golf. Das Auto, was ich nach meinem bestandenen Führerschein haben wollte. Hätte der Vater nicht einfach diesen Fiesta gekauft. Der Golf war groß genug für die Monster, den Kinderwagen und noch so einiges mehr. Ich konnte mit den Monstern an den See fahren, mit aufgeblasenem Schlauchboot im Kofferraum. Doch er hatte keine Kopfstützen auf der Rückbank. So lange die Blagen noch im Kindersitz saßen, kein Problem, aber sie wuchsen und brauchten nur noch kleine Sitzkissen. Außerdem hatte der Golf selber beschlossen, nicht mehr Bestandteil unserer Familie sein zu wollen.

Den hätte ich gerne gehabt

Ich machte mich auf die Suche nach einem Neuen. Wieder ein Fahrzeug aus dem Wolfsburger Werk. Ein  schwarzer Lupo, mit Faltdach. Weißt du, wie fein es ist mit offenem Verdeck zu fahren? Ich liebe es. Und die Monster saßen hinten und haben gejubelt, wenn ich das Dach aufgemacht habe. Nur, dass ich im Sommer immer noch mehr mit dem Rad unterwegs war, der Winter sich nicht zum offenfahren eignet und wenn es regnet, sich auch nicht gut anfühlt. Außerdem war das Dach irgendwann nicht mehr dicht. Es regnete massiv rein. Ein neues Faltdach hätte richtig Geld gekostet und dann bekam er auch noch irgendwelche Motorprobleme. Ich hatte in den Kleinen ziemlich lange und schon einiges in ihn hineingesteckt, aber jetzt musste er eben ausgetauscht werden.

Ich brauche heute ein Auto, um bei schlechten Wetter zur Arbeit zu fahren. Wenn ich zu meinen Schlemmerstrickerinnen reise und wenn es mich an die äußeren Enden unserer Stadt treibt. Ein kleines robustes Auto. Und somit zog ein schwarzer Fiat 500 bei uns ein und die Kinder aus.

Cinquecento in Gelb

Nein, das ist nicht meiner!

Der Monsterjunge passt da nicht mehr auf die Rückbank. Es sei denn er sitzt quer. Dafür finde ich viele Parkplätze und er verbraucht nicht allzu viel Benzin. Er ist regenfest und steht ohnehin viel rum und wartet…

Auto bedeutet für mich, beweglich zu sein, auch wenn das Wetter es nicht zulässt Rad zu fahren.. Auto ist eine gewisse Freiheit, die ich nutzen kann. Ich kann fahren, wann und wohin ich will.
Die Bilder stammen übrigens von einem Post über Oldtimer auf dem Kudamm, den ich vor zwei Jahren geschrieben habe. Kurz vor Toresschluss verlinke ich diesen Post noch bei Astrid

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