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Ich freue mich, dass dir meine Geschichten aus der Stadt so viel Freude machen. Vielleicht siehst du dich selber manchmal in den Geschichten wieder. Dann sei doch bitte so lieb und lese die Geschichten mit einem lachenden Auge. Du sollst Spaß an meinen Geschichten haben. Meine Stadt bietet viele Augenblicke, die eingefangen und belächelt werden wollen.

So auch diese Geschichte. Ich war diese Woche mit Magda auf dem Friedhof um Fotos zu machen. Wir trafen dort auch einen mittelalten Mann,  der sehr weiblich gekleidet war und mit seinem Rentnerschopper (oder auch Einkaufstrolli), einer Zeitung unter dem Arm und einem kecken Hütchen auf dem Kopf an uns schnurstracks vorbei marschierte. Wir sahen ihn noch ein paar mal. Er verschwand ab und zu aus unserem Blickfeld und tauchte an den unmöglichsten Stellen wieder auf. Plötzlich war er hinter uns und machte Magda darauf aufmerksam, das sie ihren Geldbeutel wohl besser nicht in der Hosentasche mit sich herumtragen sollte.

Naja, die Bewohner des Friedhofes werden nicht so verwegen sein und Magda ihr Geld stehlen. Sie werden Keines mehr brauchen. Aber er hat ja recht, man muss ja Einen nicht in Versuchung führen. Wir unterhielten uns kurz im Laufen mit ihm, über die Diebstahlrate in der Stadt und schon war er wieder verschwunden. Er tauchte wieder an einem Grab auf, an dem er es sich gemütlich gemacht hatte. Er saß auf einem Klappstuhl, in der Sonne und las seine Zeitung. Ich wollte ihn nicht stören, aber ich vermute, es war sein Freund, der dort ruhte.

Nach unserer Fototour brachte ich Magda noch zu ihrem Auto. Wir mussten eine Kreuzung überqueren. Auf der gegenüberliegenden Seite stand eine Frau, deren Alter schwer zu schätzen war. Jugendlich gekleidet, aber definitiv über 50. Sie schob ihr Fahrrad, besser sie stand mit ihrem Fahrrad. Denn ihr kleiner Begleiter, ein Vierbeiner, stand einige Meter hinter ihr. Sie versuchte den kleinen Kerl zu locken, aber der stand eisern auf dem selben Platz. Ich musste grinsen und fragte sie im Vorbeigehen, ob da ein Dackel drin sei, da er sehr eigensinnig wirkte. Sie guckte mich etwas irritiert an und meinte nur, das ist ein Pinscher!! “Ich dachte nur, dass er sich wie ein Dackel benimmt!” “Nee, ditt is een Hund mit Charakter!” Das erklärt Vieles. Sie stand übrigens noch ein Weilchen, bis der Charakterhund sich bequemte, mit ihr über die Straße zu laufen.

Meinen Freitagsstrauß habe ich von der Tante meines Kerls bekommen. Als Dankeschön, für meinen Einsatz beim Familientreffen. Mit einer wunderschönen dunkelroten Pfingstrose. Gerbera und weißen Rosen. Der Strauß stand eine Weile auf meinem Eßtisch. Inzwischen ist er schon verblüht. Aber ich habe immerhin noch die Erinnerung an diese liebe Geste von der Tante.

Helga von Holunderblütchen gibt uns jeden Freitag die Möglichkeit, unsere Blumen und Geschichten zu verlinken. 

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