Schnipp, Schnapp! So hat die Schere gemacht, als ich sie an meinem neuen Teststrickmodel angesetzt habe. Was ich nämlich nicht wusste, als ich mich dafür angemeldet habe war, dass ich steeken muss. Steeken heißt, man strickt einen Steg, der dann, nachdem das Strickstück fertig gestrickt ist, gesichert wird, um es dann aufzuschneiden. Dann kann man eine Kante daran stricken oder eine Knopfleiste oder was auch immer man dann mit dem im Rund gestrickten Teil anstellen möchte. War das jetzt verwirrend? Ja bestimmt.

Schnipp, Schnapp
Ich habe lange vor dem kleinen Nochpullover gesessen und mich darum gewunden, ob ich nun die Schere ansetze oder nicht. Ich habe das Teilchen hin und her geschoben und mich einfach nicht getraut. Einen Tag vorher war noch Carina bei mir und hat mich ermutigt die Häkelsicherung daran zu häkeln. Die Häkelnaht saß! Ganz fest und ganz sicher. Aber wenn ich jetzt die Schere ansetze, dann ist der Pullover, der eine Jacke sein soll einfach mal im Eimer. Jede Reihe wäre dann nur noch ein loser Faden. Jede Reihe wäre einfach mal umsonst gestrickt und alles landet im Müll oder als Füllung für ein Stricktier. Ich habe die kleine Strickarbeit hin und her geschoben und dann habe ich die Schere in die Hand genommen. Los jetzt! Das kannst du! 50 Jahre Strickerfahrung und dass soll dein Genickbruch sein?
Und dann ging es ganz leise: Schnipp … Schnapp … Schnipp … Schnapp. Die scharfe Schere schnitt durch die Fäden als würde ich das immer so machen. Immer mutiger ging das Schneiden und schon hatte ich den Pullover zu einer kleinen Jacke gemacht. Nun musste ich nur noch die Knopfblende anstricken. Fertig. Schwerer als einen Berg hinaufklettern, mühsamer als ein schweres Gewicht in das oberste Regal heben. Ich ließ die Luft raus, die ich bis zum letzten Schnitt angehalten habe. Aber ich habe es geschafft und werde es wohl wieder tun!

Letzte Woche
Ich habe nicht viel und doch sehr viel gemacht. Ich habe nämlich durchgeatmet. Mich von allem, was mir nicht guttut ferngehalten. Versucht die Nachrichten auszublenden. Dazu habe ich mich gefreut, mein Enkelmonsterchen zu knuddeln und zu staunen, wie schnell es an Gewicht zulegt. Haben meine Monster das auch so gemacht? Ich kann mich kaum erinnern. Dann kam endlich die Nachricht, dass die letzte Schwangere Kollegin auch endlich entbunden hat. Sie hat einen kleinen Sohn bekommen. (Es sind fast nur Jungen, die unserer Kolleginnen entbunden haben!) jetzt kann ich ihr auch endlich die zweite Gans übergeben. Platz für ein neues Projekt. Die kleine Jacke geht übrigens zunächst an mein Großneffenmonster. Wir wollten diese Woche auch schon eine Anprobe machen, aber bei 38° C im Schatten eine blöde Idee. Der Mini lief nur mit einem Hut herum, da kann man schlecht eine Wolljacke anprobieren.
Mit der Schere habe ich übrigens auch ein Sommershirt aufgeschnitten. Es hat mir nicht gepasst, es war mir an den Armausschnitten zu weit, der Ausschnitt zu tief. Mit der Schere habe ich es auf den Body reduziert und gestern habe ich mir ein passendes Knäuel gekauft, damit ich daraus nun ein Cècile Shirt machen kann. Mal sehen wie es am Ende aussehen wird. Ich muss mich jetzt fertig machen, denn ich muss zum Dienst. Hast du schon mal etwas zerschnitten um etwas neues daraus zu machen? Und was ist dein Plan an diesem Wochenende?
Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?
Hallo Andrea guten Morgen…das ist ein großartiger Erfolg Glückwunsch und macht Mut das Steeken auch endlich zu probieren..
Ja und durchatmen ist auch total angesagt nach dieser Hitze.
Viele Grüße
Carmen 😉
Nicht einmal im Zorn habe ich bei einem Strickwerk die Schere angesetzt, außer ich habe es zuerst gefilzt. Nach der Schrecksekunde – oje, was tut sie da? – sah ich das Bild vom Strickwerk und es machte absolut Sinn, nachdem ich kurz nachgedacht habe. Geniale Lösung bei Rundpassen!
Ich verstehe deine Freude über das Minimonster allzu gut. Ich freue mich so auf kommende Woche und mein jüngstes Lieblingsmenschlein.
Schönes Wochenende
mit vielen lieben Grüßen
Karin
Liebe Andrea, da warst du mutiger, als ich. Ich habe letztens auch ein Babyjäckchen gestrickt aus einem skandinavischen Strickbuch für Kinder. Das Elternpaar in spe hatte sich just diese Jacke mit Norwegerpasse ausgesucht. Als ich die Anleitung mal genau durchlas, war da auch von Steeken die Rede. Ich googlete, wog ab, überlegte eine MP mit der Technik zu machen …. Und änderte schließlich die Anleitung sonab, dass ich direkt eine Jacke gestrickt habe. 😉 Feigling, ich.
Du machst mir da aber echt Mut, es doch mal zu probieren!
Ja, ich habe schon öfter Sachen zerschnitten, nur eben nichts Gestricktes, um was Neues daraus zu machen.
Aus einem Kleid mit viel Erinnerungswert (da in NY gekauft), dass mich aber irgendwie extremst breit erschienen ließ, habe ich eine schöne Strandtasche genäht und einen vermaledeiten p, selbstgemachtem Rock aus gelbem Cord habe ich schließlich ein großes Kissen genäht.
Du siehst bei Stoff bin ich da weniger zögerlich.
LG und einen guten Start in den August.
LG, Monika (aka Lilamalerie)