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Dieses Mal stehen Pfingstrosen in meiner großen, vom Kerl geschenkten (verordneten), grünen Bodenvase. Ich habe sie wieder vor meiner wunderschönen  Heizung stehen, die Vase. Dort steht sie immer.
Die weißen Pfingstrosen stammen aus Papa’s Garten und sind einige der Wenigen, die nicht von der Gartenschere bedroht sind. Sie wachsen an der selben Stelle schon seit über 20 Jahren.  Nur die Mutter hat sich durchgesetzt und noch ein paar pinkfarbene gepflanzt. Das durfte sie aber auch nur in einem ordentlichen Abstand zu den Weißen. 
Wenn der Vater nicht hinsieht, was selten vorkommt,  bin ich aber mit der Schere an den Blumen. Als Entschuldigung zählt dann nur, dass ich sie vor dem Regen retten wollte. (Er schneidet jede Blüte ab, die anfängt ihre Blätter abzuwerfen, was bei Starkregen eben so passiert) Blöd ist nur, wenn es gar nicht regnet, noch eine Wolke am Himmel zu sehen ist. Wie auch immer, vier Stiele habe ich mir gemopst. 
Kannst du sie riechen? Die duften ungemein gut. Das ganze Wohnzimmer schnuppert nach Pfingstrosen. 

Stadtgeschichten

Letztens in einem Gartenlokal. Am Nebentisch eine Mutter mit ihren Freundinnen beim Frühstück. Der Sohnemann sitzt auf dem Schoß der Mutter und futtert alles, was die Mama zulässt. Ein kleiner Kerl, vielleicht 1 1/2 oder 2. Reden scheint noch nicht seine Stärke zu sein. Die Frauen schnattern und der Kleine hält sich an dem Spiegelei der Mutter gütlich. Es schmeckt ihm. Aber irgendwann, ist’s ihm langweilig. Er fordert vom Schoß zu rutschen und läuft in dem Gartenlokal unter den Tischen hindurch. Jedesmal, wenn er kurz vor dem “Tunnel” ist, zieht er den Kopf ein. Dabei ist er noch lange nicht so groß, dass er ihn sich stoßen könnte. Das sieht lustig aus. Und ich musste schmunzeln. 
Nachdem er sämtliche Tische unterlaufen hatte, fand er ein neues Spiel. Hinter einem Zaun befanden sich Hühner und Ziegen. Ein Sichtschutz aus Bambusstäben, der dort wohl schon länger befestigt war, es hatte sich eine Moosschicht gebildet, stand dem kleinen Entdecker im Weg. Machte aber gar nichts. Er steckte sein Näschen durch die Stäbe und beobachteten fasziniert die Hühner. Als er sich umdrehte, war das vorwitziges Näschen grün vom Moos. Niedlich! 
Einiger Männer standen ebenfalls an dem Hühner-/Ziegengehege. Das muntere Kerlchen stellte sich einfach dazwischen, die Hände, wie die Großen in die Seiten gestemmt und lauschte deren Unterhaltung. Witzig anzusehen war es, dass die Erwachsenen in die Knie gingen und sich mit dem kleinen Mann unterhielten. Sie zeigten ihm die Ziegen und erklärten ihm, dass die Brennnesseln nicht gut anzufassen sind. Immer wieder kehrte der Kleine zu den Männern zurück und fand sich als Teil von ihnen. 
Am anderen Ende des Hofes stand eine Pylone auf einem Gulli. Der junge Mann fand, dass dieses Hindernis an einem anderen Ort besser untergebracht werden sollte und trug es unter großen Mühen in die hintersten Ecke. Die Pylone war genauso hoch, wie er selber. Einer der Männer kam auf den kleiner Muskelprotz zu und erklärte ihm, dass dieses Hindernis unbedingt dort wieder hin müsse, denn da sei ein riesiges Loch, in das er sonst vielleicht hineinfallen könnte. Mit einem Schmollmund, trug der Kleine die Pylone wieder auf den Gullideckel zurück. Nachdem der Mann wieder gegangen war, kontrollierte der Kurze noch einige Male, ob das Warnhütchen auch richtig steht. 
Am Ende fand er es großartig, auf einer Metallplatte auf und ab zu wippen. Abgesehen davon, dass es laut war, schwang die Platte so richtig mit, hatte etwas von einem Trampolin. Die Mutter und ihre Freundinnen hatten inzwischen bezahlt und waren auf dem Weg nach draußen. Widerspruchslos wurde der Sportler auf den Arm genommen. Und nach drei Schritten, schlief er auf Mamas Armen ein. So ein Großstadtleben ist schon anstrengend. Dieses kleine Paradies findest du nämlich mitten in der Stadt. Ich habe es genossen, den Kleinen zu beobachten. Die Mutter hat übrigens ständig ein Auge auf das Kind gehabt und mehr als einmal habe ich sie schon fast stehen sehen… 
An diesem Vormittag, hat mir mein Kaffee besonders gut geschmeckt. Den Kleinen zu beobachten, war Balsam für die Seele. Was machst du, wenn dein Kopf überlastet ist? 
Die Blumen gehen wie immer am Freitag zu Helga’s Holuderblütchenblog