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Auf meinem Wohnzimmertisch steht eine Artischocke. In leuchtendem Blaulila. Sie verlockt zum kraulen. Irgendwie erinnert sie mich an einen kleinen Igel. Oder an eine Seeanemone. Inzwischen weiß ich auch, dass die Artischocke zu den Disteln zählt. Und Disteln gehören eindeutig zu meinen Lieblingsblumen.
Ich habe mir sie nicht alleine gekauft, ich habe sie geschenkt bekommen. Und geschenkte Blumen sind gleich noch einmal so schön. Die Freundin, die mir die Blume geschenkt hat meinte, ich könnte das gute Stück trocknen. Einfach so in die Vase gestellt, ohne Wasser, soll ich sehr lange was von dem Distelding haben. Hast du das schon mal probiert?

Stadtgeschichten

Letztens im Supermarkt…”Heeerbeeert! Hast du das hier in den Einkaufskorb getan?” Ich gucke mich verwundert über das Geschrei um. Eine kleine, alte Frau, höchstens 1,50 Meter hoch, schiebt wutschnaubend ihren Einkaufswagen durch den Gang hinter mir her. “Heeerbeeert? Wo steckst´e denn schon wieder?” Sie scheint nicht glücklich zu sein, mit ihrem Herbert. Ein dürrer, älterer Mann steht ganz still vor den Konserven und scheint von irgendetwas hypnotisiert. “Kannste nicht mal antworten, wenn ich dich rufe?”, steht die Alte vor dem hypnotisierten Herbert. Er dreht sich zu dem Schreihals um und guckt wie ein Reh.

Sie greift in den Wagen und hebt eine Flasche Champagner in die Luft. “Was willst du denn damit? Haben wir irgendwas zu feiern?”, keift sie ihn an. Er glotzt sie  mit großen Augen an. Dann endlich, kommt ein bisschen Leben in das Gesicht des Reglosen. Er flattert ein wenig mit den Augen und bekommt ein kleines Schmunzeln ins Gesicht. “Haben wir nicht Hochzeitstag?” Jetzt scheint ihr die Luft weg zu bleiben…

… Kurz darauf steht plötzlich ein junger Mann vor den Beiden. Er entschuldigt sich mehrmals dafür, dass er seine Flasche in den falschen Wagen abgelegt hat. Er dachte, dass wäre Seiner. Als er eben zur Kasse ging, stellte er fest, dass der Champagner abhanden gekommen sei und da hat er die kleine Frau mit der Flasche in der Hand vor ihrem Mann stehen sehen und wusste sofort, dass das Seine sei…

Der Alte stand nun doch etwas bedröbbelt da. Sie guckte zwischen Alt und Jung hin und her, hielt schließlich dem Alten die Flasche hin und sagte zu dem Jungen: “Sie müssen sich irren, wir haben Hochzeitstag!”
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