Ich sitze am Morgen in meinem Sessel und am Fenster geht es immerzu: Klopf, klopf. Es ist noch stockdunkel draußen und ich kann nicht sehen, was da an unsere Scheibe klopft. Irgendwie ist es unheimlich, hagelt es? Die Hagelkörner müssten schon richtig schräg herunterkommen, wenn die an unsere Scheiben schlagen. Und dann traue ich mich, die Balkontür zu öffnen.

Klopf, klopf ans Fenster
So richtig was sehen, kann ich nicht. Die Katze flitzt durch den Spalt der Tür und ich mache die Tür noch etwas weiter auf. Es summt plötzlich laut und es wird noch unheimlicher. Die Katze rennt wieder ins Zimmer zurück und ich schließe mal lieber wieder die Balkontür. Aber es ist schon zu spät: Es sind mindestens sieben Wespen in unserem Zuhause am Herumsummen. So ein Mist! Wenn die Katze erst einmal geschnallt hat, wer da unterwegs ist, dann möchte sie die Brummis fangen. Jagen zählt zu ihren größten Hobbys. Also mache ich mich auf die Jagd. Sie sind langsamer als im Spätsommer, wirken etwas verschlafen. Die Wespen setzen sich immer wieder ab und pumpen, als hätten sie eine riesige Beute ins Nest geflogen. Merkwürdig. Das Klopfen am Fenster wird auch nicht weniger und jetzt kann ich es mir auch erklären: Die Wespen sind aus ihrem Nest unter dem Dach ausgeflogen und versuchen, in das Licht zu fliegen. Es ist morgens schon recht kalt. Sie werden die Jungköniginnen in den Winterschlaf begleiten und das werden die Arbeiterinnen sein, die nicht mehr gebraucht werden.
Ich habe sieben Gefangene gemacht und die Katze hat mich sehr genau beobachtet. Sie hat fast so ausgesehen, als hätte sie den Kopf geschüttelt, weil ich sie nicht gefressen habe. Als die Sonne aufgegangen ist, habe ich meine Gefangenen begnadigt und sie nach draußen befördert. ich fürchte nur, sie werden es nicht überleben.

Herbst, Sonne und traurige Gedanken
Es ist in den letzten Tagen wirklich schön gewesen. Ich bin in dieser Woche viel spazieren gegangen, habe nachdenken können. Die Bäume haben ihre Kleiderfarbe gewechselt, alles sieht so schön aus und der Himmel gibt noch eine ordentliche Portion Blau dazu. Mir schmerzen die Beinmuskeln, weil ich wirklich viel gelaufen bin. Ich habe mich mit dem Monstermädchen getroffen und das Minimonster geknuddelt. Da sind dann die grauen Gedanken auch gleich nicht mehr so tragisch. Am vergangenen Dienstag haben wir unsere Mama, die Oma meiner Monster, beerdigt. Sie wollte es ganz still und heimlich haben. Ohne großes Drumherum, einfach nur eine Wiese und gut ist. Wir haben ihren Wunsch respektiert. Sind Beerdigungen schön? Unsere war wirklich sehr still. Weshalb wir uns heute noch einmal treffen und es nach Omamanier laut krachen lassen. Das hätte ihr gefallen.
Nun ist der alte Mann alleine und das macht uns noch viel mehr Kummer. Aber es wird einfach weitergehen müssen und wir werden eine Lösung für alles finden. Zum Glück hat sich meine Mutter durch ihre Kinder und Kindeskinder vervielfacht und die Last kann von vielen Schultern getragen werden. Sie fehlt halt trotzdem!
Jetzt weißt du, warum ich so trübe Gedanken hatte, den Urlaub in Schottland als Ablenkung angenommen habe und ich so wortkarg war. Manchmal müssen Gedanken einfach auch erst in dem eigenen Sein ankommen. Manchmal muss man eben abwarten, bis das Gegenüber bereit ist, zu reden.
Ich hoffe, deine Woche war schön. Konntest du das schöne Herbstwetter genießen? Hast du etwas Aufregendes gemacht? Oder war deine Woche eher gemütlich? Hast du auch schon die Wespen abfliegen sehen/gehört?
Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.
Still und heimlich…
Das tut mir sehr leid, auch wenn diese Worte hier von jemandem kommen, den Du eigentlich nicht kennst und alles ja nur digital rüber kommt. Da dürfen trübe Gedanken kommen. Und bleiben leider auch etwas länger. Das kleine Urenkelchen/Engelchen wird die Trauer etwas mildern, liebe weitere Menschen um Dich und die Zeit auch.
Fühl Dich gedrückt und sende liebe Grüße
nina
Mein herzliches Beileid. Lass dir Zeit zum Trauern und Lösungen finden. Alles Gute! Liebe Grüsse von Regula
Liebe Andrea, es tut mir sehr Leid, dass deine Mama gestorben ist aber wie tröstlich ist es doch, dass du mit dem Traurigsein und allem, was mit dem Tod eines lieben Menschen an Aufgaben einhergeht.
Ich hoffe ihr findet bei eurem Zusammentreffen Trost, könnt in schönen Erinnerungen schwelgen und Kraft für die bevorstehenden Herausforderungen sammeln.
Ganz liebe Grüße, Monika
Man sollte doch immer noch mal lesen, bevor man sendet:
Aber wie tröstlich ist es doch, dass du mit dem Traurigsein und allem, was mit dem Tod eines lieben Menschen an Aufgaben einhergeht, nicht allein ist.
Liebe Andrea,
mein herzlichstes Beileid.
So ein Verlust braucht seine Zeit.
Herzlichste Grüsse
Britta
Ach Andrea, das tut mir sehr leid und ich möchte dir mein Mitgefühl ausdrücken.
Es war zu vermuten dass es eine Beerdigung sein könnte, du hast immer wieder durchklingen lassen, dass deine Mutter nicht mehr fit ist.
Du hast dich nun erklärt aber die meisten deiner Leser wären empathisch gewesen ohne nachzubohren.
Die Trauer kommt oft in Wellen und ich wünsche dir, dass du sie bewältigen kannst ohne tief in ein Loch zu rutschen.
Fühle dich umarmt, Tina
Lass‘ Dich aus der virtuellen Ferne umarmen, liebe Andrea. Mein aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken.
…viel Kraft sende ich Dir in Gedanken, Heidrun