Seite wählen

Soziales Miteinander {Samstagsplausch 35/26}

29.08.2026 | Samstagsplausch

Soziales Miteinander wird gerade im Moment nicht so großgeschrieben, habe ich den Verdacht. Irgendwie pöbeln sich die Menschen gerade nur an. Es wird auf den Straßen wegen Kleinigkeiten gehupt oder wütend Gas gegeben. In den Supermärkten sind die Menschen wieder extrem angespannt, dabei haben wir doch noch gar nicht Weihnachten und die Sommerferien sind hier in Berlin auch wieder vorbei. Hatten die alle keinen schönen Urlaub? Brummelnd sitzen die Leute im Bus oder der U-Bahn. Und sogar meinen Alten Herren hat es erwischt! (Ok, der hat immer einen bösen Spruch auf den Lippen und ist kein Beispiel für positives Miteinander)

Soziales Miteinander

Ich staune wirklich wie aggressiv die Leute gerade miteinander umgehen. Woran das wohl liegen mag? An den schräg stehenden Sternen? Hängt der Mond im Uranus oder so? Oder kippt gerade die Stimmung in dieser Republik (wobei ich nur hier in Berlin einen Blick werfen kann. Ist es woanders anders?) Vielleicht habe ich auch nur zu viele Videos zum Thema gesehen. Vielleicht bin ich auch nur besonders sensibel zurzeit. Immer öfter höre und sehe ich Menschen die einen ordentlichen Rechtsruck wünschen. Die haben sich aber bestimmt nicht richtig mit den Programmen der Partei auseinandergesetzt. Ne, ich will hier nicht über Politik reden, nur dass mich dieser Missmut einfach ängstlich macht. Angst macht! Mir sind die meisten Menschen aber doch sehr wichtig, die mit dunkler Hautfarbe an meiner Seite arbeiten, die immer einspringen, auch wenn ihre Muttersprache eine andere ist und die mit Kopftuch, die mich schwer bei der Pflege auf unserer Station unterstützen. Ohne all diese Menschen, würden wir nur noch die Hälfte der derzeitigen Mitarbeiter auf unserer Station.

Aber es gibt es noch, das soziale Miteinander. In meinem Dunstkreis sind das meistens die Strickgruppen, die Menschen mit denen ich schon lange Erlebnisse teile. Gestern war ich zum Beispiel wegen der Mutter noch schnell mal in Tiergarten. Da kann ich doch noch schnell im Wollgenuss vorbeisehen hatte ich mir so gedacht. Als ich so am Wolle streicheln war, kam eine Person in den Laden, die ich vom Stricken kenne, mit der ich mich ab und an auch treffe. Das war lustig und wir haben uns dann noch einen Kaffee und Tee gegönnt, ein bisschen geklönt und gestrickt. Das war ein feiner Stricknachmittag. Danach war die Pöbelei auf den Berliner Straßen auch gar nicht mehr so übel.

Soziale Medien

Finde ich es gut, dass man sein soziales Leben in das Internet verlegt? Nein, tue ich nicht. Ich mag lieber den einen oder anderen Menschen in Natura sehen, mich mit ihm austauschen und wirklich kommunizieren, ihn in den Arm nehmen. Aber manchmal geht das eben nicht. Die Entfernung derzeit einfach zu ausgedehnt, der Andere nicht in der Lage das Haus zu verlassen oder zu sehr eingebunden. Da machen es die Medien einem leicht nicht ganz den Anschluss zu verlieren. Früher hatten wir nur das Telefon oder Briefe. Aber heute hat man einfach die abgefahrensten Möglichkeiten. Manchmal erinnere ich mich noch daran, wie lange man mir der besten Freundin am Telefon gehangen hat. Dass man unglaublich viele Briefe bekommen hat. Und heute, da bleibt der Briefkasten meistens leer oder es ist einfach nur doofe Werbung drinnen.

Wochenende, und nun?

Ich bin schon wieder arbeiten. Ich glaube, es ist jetzt das dritte Wochenende. Dann habe ich aber auch genug. Meinen Sonntag hatte ich gestern. Zumindest im ersten Teil des Tages. Was der Kerl und ich nach meinem Dienst unternehmen, das weiß ich noch nicht, mal sehen … Am Sonntag kommt die kleine Monsterfamilie vorbei, sie haben sich was zu uns nach Hause bestellt und müssen es nun noch aufbauen und ausprobieren. Na da bin ich aber mal gespannt. Vielleicht lese ich ein bisschen oder ich könnte auch einfach nichts machen. Oder ich schlage die eine neue Kinderjacke an. Was ist dein Plan? Wie war deine Woche? Hast du auch die Erfahrung gemacht, dass die Menschen immer rumpeliger geworden sind?

Mit bösen Worten, die man ungesagt hinunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben.

(Winston Churchill)

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter


14 Kommentare

  1. Bienenelfen

    Ja liebe Andrea, ich empfinde das leider auch so. Einen Grund kann ich dafür aber nicht erkennen. Wie gut dass es da noch solche Oasen wie Buchläden und Wollläden gibt. Das läßt mich auch oft das davor Geschehene schnell vergessen. Ich hoffe Dein Dienst ist nun zu Ende und Du kannst Dich Deiner Oasen widmen :-)))

    Herzliche Grüße kommen von Kerstin und Helga

    P.S. Wir haben enorme Probleme mit den Dashboard und der Leseliste. Der neue Post wird überhaupt nicht angezeigt :-((

    Antworten
    • Andrea Karminrot

      Ich muss noch 2 Tage arbeiten 😊
      Was das verlinken angeht, weiß ich auch keinen Rat. Ich sehe nicht, dass ihr euren Post verlinkt habt

      Antworten
  2. nina wippsteerts

    Erstenmal: Entschuldige, aus irgendeinem Grund gab es keine Fotos der Beiträge, unter denen ich verlinken konnte, nur Deinen Avatar. Bestimmt hat der Browser schon wieder ein Update…
    Zu Deinem Thema: einmal sieht man leider eher die pöbelnden, unangenehmen Menschen. Denn wenn man genauer hinschauen, gibt es viele, die das nicht tun, oder sogar sehr hilfsbereit sind. wir dürfen uns nur von all den Miesmacher*innen nicht in eine Ecke drängen lassen.
    der Weg von und zur Arbeit ist hier ganz oft eine Herausforderung und wird mit Ende der Ferien und mit mehr Regen und noch mehr Baustellen dann auch noch heftiger, da ticken dann mache einfach durch. Da ist man irgendwann selbst auch ziemlich emotional nah am Mittelfinger gebaut.
    also: Ooommmm
    Schönen Sonntag noch und liebe Grüße
    nina

    Antworten
  3. Carolyn Flickensalat

    Hallo Andrea,
    meiner Meinung nach lässt das soziale Miteinander schon lange zu wünschen übrig. Begriffe wie Höflichkeit, Respekt und Anstand scheinen völlig abhanden gekommen zu sein. Es wird nur gemeckert aber ohne konstruktive Verbesserungsvorschläge und dann wird dumm und blind rechts gewählt. Ich finde das sehr erschreckend und mir geht es wir dir: ich habe Angst davor. Ich bin kein Angsthase und so schnell auch nicht kleinzukriegen, aber die Auswirkungen die dann folgen werden… ich habe alle Erzählungen meiner Oma in den Ohren, aktuell stärker denn je. Das kann man nicht wollen.
    Soziale Medien nutze ich gerne, ist doch mein Freundeskreis im Laufe der Jahre über ganz Deutschland verteilt und für uns so die einfachste Möglichkeit zu kommunizieren. Allerdings schreiben wir auch gerne hübsche Karten. Bei Berichten in den sozialen Medien bin ich immer skeptisch, denn manchmal ist es tatsächlich nicht leicht Wahrheit und Fake auseinanderzuhalten, und da wo gepöbelt wird scrolle ich einfach weiter. Ich habe die Möglichkeit selbst zu bestimmen was ich lesen will und was nicht.
    Auf den Straßen ist es nach den Ferien immer voller, lauter, ruppiger – hier in NRW noch nicht spürbar, aber unsere Ferien enden auch gerade erst.
    Ich wünsche einen schönen Sonntag
    Liebe Grüße Carolyn

    Antworten
  4. C Stern

    Das, was in Deutschland beobachtet wird, kann ich auch in Österreich deutlich erkennen, vor allem die politischen Entwicklungen. Es erschreckt mich zutiefst. So sehen keine Lösungen aus, die Menschen einander wieder näherbringen.
    Die Medien sind voll von Berichten über Menschen, die aus ihrer Unzufriedenheit heraus mit Gewalt agieren.
    Lächeln ist mein Motto. Menschen auf der Straße, in den Öffis, in Geschäften, auf dem Arbeitsplatz anzulächeln ist eine Kleinigkeit, die nichts kostet und oft ein Lächeln einbringt.
    Ich bin viel bei meinen Eltern in ihren Pflegeheimen, jedes Mal denke ich mir, wenn es die zahlreichen pflegenden Mitarbeiter*innen mit Wurzeln aus anderen Ländern nicht gäbe, wäre das Pflegesystem schon längst zusammengebrochen. Ich erlebe dort ausnahmslos liebe Menschen und zeige meine Wertschätzung.
    Liebe Grüße, C Stern

    Antworten
  5. Britta

    Tief im Westen der Republik ist an meinem privaten, sozialen Miteinander nichts auszusetzen. In den sozialen Medien achte ich darauf, was ich lese. Es gibt einen guten Beitrag zum Thema Stadtbäume, gute Kommentare und dann wird auf einem gepöbelt. Ich scrolle nicht weiter und gehe raus. Draußen unterwegs war ich in den letzten Wochen nur mit dem Hund, zu Zeiten in denen sowieso niemand unterwegs ist. Ich habe den Urlaub in meiner friedlichen Blase verbracht.
    Es gibt aber auch gutes in den sozialen Medien zu berichten. Als es im Hürtgenwald brannte, wurde die Hilfe der Landwirte unter anderem über FB organisiert. Doch ich habe auch irgendwo gelesen, dass sie noch enger miteinander vernetzt sind. Zu lesen, wie gut das Miteinander, Beianderstehen klappte, macht auch Mut. Andere berichteten vom friedlichen Miteinander beim Beobachten der Sonnenfinsternis und dieser besonderen Stimmung. Ich denke, tief in den Herzen gibt es das gute soziale Miteinander noch.
    Doch es ist wie bei Momo. Die grauen Herren streuen Missgunst und Angst.
    Über das mögliche Wahlergebnis möchte ich heute noch nicht nachdenken und auch nicht, dass ich in zwei Tagen wieder eintauche, in meine toxische Arbeitswelt.
    Aber ja – auch lasse mich dann mitreißen. Werde unfähr, launisch und sozial ist dann anders.
    Viele Grüße
    Britta

    Antworten
  6. N. Aunyn

    Wir in der WG hier in Berlin-Kreuzberg sind sehr dankbar, dass wir im Hinblick auf sozialen Zusammenhalt und Anteilnahme diese Woche andere Erfahrungen machen durftn.

    Antworten
  7. Regula

    Ich stell mir vor, viele Menschen in Deutschland sind verzweifelt. Aber ob es mit den Wahlen besser wird?

    Umso wichtiger ist es, sich Gutes und anderen zu tun und wohltuende Oasen zu finden: den Balkon, das Wollgeschäft, ein Café. Vielleicht können wir ja selber Oasen sein.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Leibe Grüsse von Regula

    Antworten
  8. Ulla

    Die schönste Zeit in Berlin ist dann, wenn alle in den Ferien sind. Alles viieeelll entspannter. Ich genieße es immer sehr. Ich kann in den Park ohne geräuchert zu werden (Grill), in den Läden ists so schön das eine auch mal bummeln mag. Auf den Gehwegen ists nicht so bange mit den Fahrrädern und Rollern, herrlich. Ab der letzten Ferienwoche gehts dann langsam los und steigert sich sehr schnell. Und nun wieder ein Jahr warten. Ein schönes Wochenende!!!Ulla

    Antworten
  9. Bock

    Der Wollgenuss als gesellschaftliche Sofortmaßnahme. Das ist interessant.

    Draußen wird gehupt, gepöbelt und offenbar kollektiv an der Zündschnur gekürzt. Dann betritt man einen Wollladen, trifft zufällig jemanden, trinkt Kaffee, strickt ein bisschen – und plötzlich ist die Republik für zwei Stunden wieder bewohnbar.

    Das ist natürlich keine politische Lösung. Aber immerhin eine, die ohne Strategiepapier auskommt.

    Vielleicht wird soziales Miteinander ohnehin überschätzt, wenn man es zu groß denkt. Es beginnt womöglich gar nicht bei gesellschaftlichen Leitbildern, sondern bei sehr kleinen Dingen: jemand setzt sich dazu, jemand hört zu, jemand bleibt noch auf einen Tee.

    Der Rest ist dann vielleicht nur Maßstab.

    Und notfalls Maschenprobe. 🦌

    Antworten
  10. Anette Becker

    Finde das Aggressionslevel auch immer unerträglicher 🙁

    Antworten
  11. Angela

    Moin aus dem Norden! In den sozialen Medien ist das Miteinander wirklich ein Graus. Ich werde mich davon jetzt fern halten, macht schlechte Laune… Im richtigen Leben ist mir das bis jetzt zum Glück erspart geblieben, diese Pöbeln, anhupen etc. Wir sind aber ja auch erst drei Wochen wieder in Deutschland. Vorher habe ich die neue Art der Kommunikation sehr genossen. Via Whatsapp-Gruppe ein Video-Call mit Freundinnen führen zu können ist so toll! Und mit meiner Familie hatte ich auch über diverse Kanäle immer Kontakt, das hält zusammen 😉 Ich hoffe, ich kann mir unsere derzeitige entspannte Haltung noch lange bewahren. LG Angela

    Antworten
  12. Astridka

    Was dich da umtreibt, hat mich diese Woche auch beschäftigt, betrifft aber eher nicht die Menschen in meinem Umfeld, sondern im Netz. Ich sollte mich da auch wieder zurückziehen, weil es nicht gut tut.
    Ich freue mich auch immer wieder über zufälliges Aufeinandertreffen mit Menschen, mit denen ich mal zu tun hatte. Und grade freue ich mich über einen blankgeputzten Himmel. Ich hoffe, so ist er auch über Berlin.
    Viel Freude mit deinen Kindern!
    Astrid

    Antworten
  13. KArin Be

    In Ba-Wü sind noch Sommerferien und ich genieße die Ruhe in der Stadt, auf den Straßen und in den Geschäften. Selbst auf dem Kleingartengelände bin ich tagsüber fast alleine. Entsprechend entspannt ist auch das Miteinander der Daheimgebliebenen – wie es in den Freibädern aussieht weiß ich allerdings nicht und ich bin in den letzten Wochen auch nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs gewesen. Die Bauarbeiten von Stuttgart 21 wirken sich gerade sehr unangenehm auf die Verlässlichkeit aus und da liegen die Nerven vieler Pendler und Fahrgäste blank.
    Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße
    Karin

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert