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Rathaus Schöneberg, der 12tel Blick 2022 (Januar)

03.02.2022 | 12tel Blick 2022

Ich will es dieses Jahr noch einmal versuchen. Meine letzten 12tel Blicke habe ich nicht zu Ende geführt. Vielleicht geht mein neues Konzept aber auf. Es macht mir nämlich Spaß, dir etwas über meine Stadt zu erzählen. Und dieses Mal, soll es um den Bezirk Schöneberg gehen:

Schöneberg vor Berlin

Es war 1264 als der Markgraf Otto III. dem Nonnenkloster zu Spandau fünf Hufe Land im Dorf Schöneberg geschenkt hatte. „Villa Sconenberch“ wurde das Dorf genannt. Auch wenn das Dorf auf einem kleinen Hügel liegt, ist der Name Schöneberg wohl eher ein Wunschname. Es war typisch, sich hübsche Namen für kleine Dörfer und Städtchen auszudenken, damit die Zuwanderer an etwas schönes dachten, um sich eben dort nieder zu lassen. 1375 standen 13 Katen, einige Großbauernhöfe (abgabefreie Hufe), eine Pfarr- und Kirchhufe (Hufe s. Wikipedia) und einen Krug an der langgezogenen Straße mitten im Grünen auf einem kleinen Hügel, der wenig mit einem Berg gemein hatte. Die Spandauer Nonnen hatten bis 1652 die Rechte auf dieses Land.

Im großen Berlin wurde 1750 der Platz langsam etwas enger. Und weil die böhmischen Weber sich irgendwo niederlassen mussten (so wollte es Friedrich II.), ließ der König Neu-Schöneberg vor dem Dorf Schöneberg errichten. (Neu-Schöneberg zog sich bis zur heutigen Potsdamer Straße) Doch die Bewohner der Dörfer waren sich nicht besonders grün. Erst als im Siebenjährigen Krieg die russischen Truppen Schöneberg niederbrannten, halfen sich die Bewohner gegenseitig. Erst 1874 sorgte der Gemeindevorsteher Adolf Feurig für einen Zusammenschluss der beiden Dörfer.
Es gab ein „großes Feld“ auf dem meist Kartoffeln und Getreide angebaut wurde. Das wurde 1828 vom preußischen Militär aufgekauft und 1830 wurde dort eine Pferderennbahn gebaut, die aber wegen der entstehenden Eisenbahn 1841 schon wieder abgerissen wurde. (Heute steht dort der Bahnhof Südkreuz)

Kaum zusammengewachsen, wird man wieder getrennt

Kaum sind die Schöneberger zusammengewachsen, befiehlt König Wilhelm I. 1861, dass Schöneberg bis zur südlichen Potsdamer Straße zur Schöneberger Vorstadt (Berlin) gehören soll. Damit lebten in Schöneberg statt über 8000 Menschen nur noch 2.700 (sehr übersichtlich). Das hielt aber nicht lange an, denn nach Reichsgründung im Jahre 1871 stieg die Anzahl der Bewohner rasant an. Die Bauern verkauften teilweise ihr Land und es wurden große Mietshäuser gebaut. Die Schöneberger Bauer nannte man oft die „Millionenbauern“ Bis 1919 wohnten in dem schönen Schöneberg 175.000 Menschen. Und von dem Dorf, sah man nur noch wenig.

Das Schöneberger Rathaus

So viele Menschen brauchten unbedingt ein Rathaus (1874). Das wurde an dem heutigen Kaiser-Wilhelm-Platz als Amtshaus mit angeschlossenem Gefängnis, gleich neben der Dorfschule errichtet. Doch schon zwanzig Jahre später war das Rathaus schon wieder zu klein und wurde 1892 durch einen Neubau ersetzt. Doch auch dieser Bau wurde bald zu klein. So kaufte die Gemeinde das Grundstück „Rosenkessel’sche“, um das neue Rathaus zu errichten. Dummerweise mussten dafür aber erst das Armenhaus, die Desinfektionsanstalt, die Stadtgärtnerei und das Depot der Straßenreinigung weichen. Das dauerte natürlich mal wieder. Aber kaum waren einige Räume fertiggestellt, wurde dort auch schon getagt. Die offizielle Einweihung wurde aber auf nach dem ersten Weltkrieg verschoben.

Rathaus Schöneberg im Januar 2022

So, das sollte für’s Erste reichen. Ich will ja noch 11 weitere interessante Dinge über Schöneberg erzählen. In Schöneberg gab es, nach Berlin, eine Untergrundbahn. Schöneberg, die zweite Stadt in Deutschland, mit einer U-Bahn. Der Sportpalast wurde in Schöneberg errichtet. Kennedy sprach vor dem Rathaus. In Schöneberg saß der Rundfunksender RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) und auch das KaDeWe gehört noch zum Schöneberger-Kiez dazu. Das Bayrische Viertel birgt auch so manche Geschichte, denn dort wohnten viele bekannte Persönlichkeiten. Unter anderem: Nelly Sachs, Marlene Dietrich, Giséle Freund, Helmut Newton und noch viele mehr. Ich freue mich schon auf die Recherchen.

Wie immer verlinke ich diesen Post bei Eva in ihrem Blog Verfuchst und zugenäht, wo man noch viele andere schöne 12tel Blick Bilder und Geschichten findet.

6 Kommentare

  1. Rosi

    sehr interessant schon beim ersten Blick 😉
    ich bin gespannt was noch kommt

    liebe Grüße
    Rosi

    Antworten
  2. Anni

    Wie schön, liebe Andrea, ich hatte deine 12tel-Blicke mit den Erzählungen zur Stadt drumherum immer sehr genossen. Mein Herz hängt ja ein wenig an Berlin, da mein Mann dort jahrelang gelebt hat und wir immer wieder gerne zu Freunden nach Berlin fahren. ♥ Ich habe mich (auch) noch nicht durchringen können, ob ich 2022 wieder einen 12tel-Blick wage, im letzten Jahr ist es mir schwer gefallen, die Bilder (pünktlich und überhaupt) zu machen. Im Garten steht eine große Buche, vielleicht wird sie mein Blick für 2022 werden. Eigentlich hatte ich was anderes vor, aber das wäre nicht 12x der gleiche Blick, sodass es nicht zur Aufgabe passt. Ich überlege heute mal… Jedenfalls freue ich mich auf 11 weitere Blicke und bin gespannt, was sich am Rathaus Schöneberg übers Jahr hinweg tun wird.
    Herzensgrüße
    Anni

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  3. Bienenelfen

    Oh wie interessant liebe Andrea, ich bin immer interessiert an den schönen Gebäuden von Berlin und ihrer Geschichten. Danke für die Infos und gerne schaue ich wieder vorbei.

    Liebe Grüße
    Kerstin und Helga

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  4. Astridka

    Es war in Schöneberg im Monat Mai…ne, ich war mal im Juni dort und du hast diesmal ein Motiv gewählt, dass ich auch kenne. Jetzt kriege ich noch den Hintergrund geliefert, wunderbar!
    Alles Liebe!
    Astrid

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  5. Andrea/ die Zitronenfalterin

    So schön, dass du den Faden wieder aufnimmst. Es macht bestimmt viel Arbeit, alles zusammenzutragen. Dafür liest es sich für uns auch sehr spannend und interessant.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. nina. aka wippsteerts

    Ich finde es super, dass Du einen weiteren Anlauf machst, bzw die Stadtgeschichte weiter erzählst.
    Dankeschön
    Liebe Grüße
    Nina

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