Ich wünsche dir frohe Pfingsttage. Ich werde die Feiertage leider arbeiten müssen. Macht aber auch nüscht, ich habe immerhin Frühdienst und kann einfach nach dem Dienst etwas Schönes machen. Pläne habe ich die ganze Woche schon gehabt und das meiste auch gemacht. Umgesetzt, genossen und gelitten. Aber der Reihe nach.

Pfingsttage
An diesem Wochenende ist Pfingsten. Und durch die Stadt zieht wieder der Karneval der Kulturen zum 30. mal! Das Fest findet wieder auf dem Blücherplatz statt. Den kann ich einfach zu Fuß von meinem Krankenhaus erreichen. Der Umzug ist wie im letzten Jahr auf die Frankfurter Allee verlegt. Könnte ich hinfahren, aber ich bin schon wieder verabredet. Im Grunde wie die ganze letzte Woche. Da war zum Beispiel am Mittwoch Pilates. Das mache ich inzwischen wöchentlich mit meiner Schwester. Wir haben einen Trainer gefunden, der uns wirklich fordert. Es macht Spaß und es tut wirklich gut. Manchmal bin ich so fertig, dass ich den Rest des Tages schlafen gehen könnte. Aber an diesem Mittwoch musste ich noch bei den Eltern ein bisschen Gardinen machen, Betten abziehen und die Wohnung durchsaugen. Und weil es nicht genug ist, war ich am Abend noch mit Freunden stricken.
Am Donnerstag traf ich mich mit der Freundin auf dem Friedhof. Dort gibt es ein Café, welches unglaublich guten Kuchen anbietet und der Kaffee ist auch noch lecker. Dem Monstermädchen habe ich nach unserem Treffen auch noch ein bisschen bei ihrer Strickerei geholfen und erst dann konnte ich zu Hause die Füße hochlegen. Am Freitag habe ich mich schon wieder mit dem Monstermädchen getroffen, wir hatten einen wichtigen Termin. Und dann, schnell nach Hause, denn die Nachbarn warten schon zum Pizzaessen. Heute, am Samstag schon wieder rein Treffen nach der Arbeit und am Sonntag könnte ich mir tatsächlich den Umzug anschauen.

Straßenschläfer
Eigentlich wollte ich diese Straßenschläfer zu einem eigenen Thema machen. Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit radel, dann komme ich an Menschen vorbei, die auf der Straße leben. In meinem Heimatbezirk sind es sehr wenige, aber je mehr ich in die Mitte der Stadt komme, umso mehr werden es. Sie liegen manchmal einzeln, manchmal auch zu zweit. Manchmal zieht eine übelriechende Wolke zu mir rüber aber meistens bin ich zu schnell an ihnen vorbei, sodass ich sie nicht riechen muss. Sie liegen in Schlafsäcken, auf abgelegte Matratzen, sie schlafen in den schlimmsten Haltungen in den Bushaltestellen oder in Hauseingängen. In Berlin gibt es inzwischen wirklich viele solcher Menschen. Manche kommen aus den östlichen Ländern, dort ist das herumlungern auf den Straßen verboten. Hier wird es geduldet. Ich finde es manchmal sehr unangenehm an ihnen vorbeizufahren. Aber ich kann ihnen auch nicht helfen. Sie wünschen meistens auch nur in Ruhe gelassen zu werden. Ich kenne solche Menschen aus unserer Klinik. Maximal etwas Warmes zu essen, eine Dusche und ein Bett. Dann verschwinden sie auch schon wieder, entlassen sich gegen ärztlichen Rat oder einfach so, ohne jemandem etwas zu sagen.
Natürlich ist es in den Großstädten viel schlimmer als auf dem Land. Hier gibt es Unterkünfte für die, die es wollen oder eine warme Mahlzeit. Sogar einige Stellen, wo sie sich ärztlich versorgen lassen können. Mir geht gerade die junge Frau durch den Kopf, die richtig schwer krank ist und sich nach einem sehr langen Aufenthalt bei uns einfach auf und davon gemacht hat. Sie wollte endlich mal wieder feiern, so wie die anderen, wo es doch endlich so schönes Wetter hat in unserer großen Stadt.
Ach ich könnte Geschichten erzählen!
Ich werde jetzt einfach weiter arbeiten und den restlichen Tag genießen. Werde Morgen und am Montag auch noch arbeiten und dann kann ich mich wieder meinen Hobbys zuwenden. Ich kann eben auch nicht die ganze Welt retten! (Würde jetzt mein Kerl sagen), oder?
Arbeit ist das beste Mittel gegen Verzweiflung.
Liebe Andrea,
es ist wichtig, dass auch über das Thema der Obdachlosigkeit und der Menschen, die davon betroffen sind, gesprochen oder geschrieben wird. Da meine Tochter in Berlin lebt, habe ich in verschiedenen Bezirken gesehen, was das bedeutet. Es ist richtig, einige Menschen wollen auf der Straße bleiben, aber trotzdem ist es schrecklich mit anzusehen, wie die Matratzen unter den Brücken liegen. Ich wohne auf dem „Land“, da sieht man Obdachlosigkeit nicht so offensichtlich, obwohl es sie hier auch gibt. Menschen können schnell aus der Bahn geworfen werden, sei es durch Krankheit oder andere persönliche Schicksalsschläge. Und da ist es schon wichtig, dass die Gemeinden Unterkünfte anbieten und es Sozialarbeiter gibt, die vor Ort sind.
Einer von ihnen war Wulf, der am 26. Mai in der Fensternische der Thomaskirche verstorben ist. Mehr zu ihm und wie sehr er vermißt wird:
https://naunynblog.wordpress.com/2026/05/28/wulf-ist-gestorben/
Es geht so schnell auf der Straße zu landen, egal ob vorher gut situiert oder Schulabbrecher! Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen gibt es, doch die individuellen Probleme sind vielschichtig. Ich werfe grundsätzlich nichts mehr in einzelne Klingelbeutel entlang der Straßen, unterstütze lieber gezielt Ehrenamtliche und Organisationen.
Leises Pfingsten wird es bei mir sein, aber ich hatte heute Familientag mit Enkelin. 🥰
Ich wünsche dir schöne Pfingstnachmittage, genieße sie!
Mit vielen lieben Grüßen
Karin
Bei den obdachlosen Menschen ist es am Offensichtlichsten, wie viel schief läuft in dieser Gesellschaft. Insgesamt nimmt die Armut rasant zu und die Reichen werden reicher – ein gigantischer Umverteilungsprozess, der im Gang ist. Heute in Kreuzberg eine Initiative erlebt, die die Fragen der kleinen Leute an die zuständigen PolitikerINNEN bringt – und außerdem ist es eine Frage an jede/n von uns, was wir tun können und besser lassen sollen.
ein nachdenklicher post, liebe andrea. mich schmerzen solche bilder immer, aber ich persönlich weiß auch nicht, was ich tun kann, außer diese menschen freundlich zu behandeln. das teure leben, die wohnungsituation, trennungen etc treiben immer mehr auf die straße. da kann nur eine ganz andere politik helfen. aber wo ist die???
ich wünsche dir trotz arbeit gute pfingsttage, vielleicht klappt es ja noch mit dem besuch des karnevals der kulturen!
liebe grüße von mano
Hallo Andrea,
eine ausgefüllte Woche hast du hinter dir.
Die Obdachlosigkeit in Großstädten ist erschreckend, und die Obdachlosen werden immer jünger und es betrifft auch immer mehr Frauen mit Kindern.
Da hilft oft nur das Gelassenheitsgebet.
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Ursprünglich bat Niebuhrs Gebet eingangs um Mut, und zwar um die Dinge zu ändern, die geändert werden müssen und nicht nur geändert werden können:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet
Pass gut auf Dich auf, oft geraten hilfsbereite Menschen, selbst in hilflose Situationen und werden zu hilflosen Helfern.
Ich wünsche Dir ein schönes Pfingstwochenende.
Den Karneval der Kulturen habe ich mir früher auch immer gerne angesehen.
Liebe Grüße von Conny
Wir haben als Familie entschieden ,Vereine und Institutionen zu unterstützen, die diesen Menschen helfen. Und das tun wir. Konsequent und großzügig. Manchmal möchte ich darüberhinaus einzelnen Menschen auf der Strasse helfen, dann mache ich das.
Neu ist jedoch die Anzahl derer, die mir Angst machen: der Mann, der mit einem Messer im hochgereckten Arm durch die U-Bahn gestürmt ist, der andere, der uns als Gruppe agressiv und schipfend verfolgt hat. Auch die brauchen sicherlich Hilfe. Gleichzeitig verändern sie (für mich) die Stadt, auf eine Art, die ich bisher nicht kannte. All das macht mich traurig, ratlos und immer mal wieder auch wütend.
Ja. Ähnlich geht es mir auch
Hallo Andrea,
genau so ist es. Wir können nicht die ganze Welt retten und tun an unserem Platz das beste. Das erste Schuljahr neigt sich dem Ende zu und die Unterschiede zwischen den einzelnen Kinder sind so groß. Manchmal würde es reichen jeden Tag mit ihnen zu lesen. Der andere braucht einfach nur mal zehn Minuten Zeit, um ihm Mathematik in Ruhe zu erklären. Doch bei 20 Kindern in der Hausaufgabengruppe und 20 Minuten Zeit ( maximal 30 Minuten), bleibt dafür keine Zeit.
Anschließend geht es Hopp Hopp zum Essen. Auch dort sieht man in den Gesprächen mit den KIndern, wie wichtig genau diese Gespräche sind. Nicht jeder weiß mit Messer und Gabel zu essen. Einmal erklärt, sind sie so unendlich stolz , wenn es klappt.
Auch ich könnte Geschichten erzählen.
Nichtsdestotrotz – wir machen einfach weiter.
Liebe Grüße
Britta
Das kann ich mir lebhaft vorstellen! Gegen Ende meiner beruflichen Zeit wurde es auch immer unbefriedigender, weil ich nicht das hinbekam, was ich für die Kinder gerne gewollt hätte.
LG
Astrid
Hej Andrea,
ja ich denke mal man muss hinschauen, wenn jemand Hilfe braucht, aber oft ist es wirklich so, das sich diese Menschen nur bis zu einem gewissen Punkt helfen lassen wollen. Das muss man dann auch akzeptieren. Hier sieht man es nicht so oft, es gibt viele Anlaufstellen für Obdachlose. Und es ist halt auch nicht erlaubt. Ich muss auch arbeiten, hab dann aber die restliche Woche frei. Das Eis sieht lecker aus, da warst du aber gut eingespannt die ganze Woche :0) Frohe Pfingsten dann noch, in Aalborg ist heute auch Karneval, da bin ich froh das ich nicht in der Notaufnahme arbeite…..ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)
Guten Morgen! Deine vergangene Woche klingt aber echt vollgeladen. Für mich, die ich gerade ein Sabbatical absolviere, ermahnt es mich, nach der Auszeit auf meinen Termin-Kalender zu achten😃 Es waren für dich ja (fast) nur schöne Unternehmungen und Sport ist auch wichtig. Und jetzt, wo das schöne Wetter begonnen hat, muss man das auch genießen. Ich bewundere dich für deinen Elan mit dem du deine fordernde Arbeit und dein Privatleben „abarbeitest“ ! Die Obdachlosigkeit ist mir in meiner Heimat auch schon aufgefallen. In Spanien waren ebenfalls sehr viele Bettler unterwegs, gerade ältere Menschen. Eine Lösung dafür zu finden, ist glaube ich gerade nicht auf der Agenda unserer Regierung.
Da wir die Probleme der Welt zur Zeit wohl auch nicht lösen können, wünsche ich dir ein wundervolles Wochenende mit einfachen Diensten und tollen Erlebnissen! Liebe Grüße Angela
Tja, schlimm ist das. Eine beständige Ermahnung, dass was schief läuft. Liebe Grüsse zu dir. Regula
Nachdenklich lässt du mich zurück, denn ich nehme auch wahr, dass die Obdachlosigkeit zunimmt. Und ich fühle mich auch recht hilflos, auch gegenüber sämtlichen Situationen, wo es Menschen schlecht geht. Wie wenig man doch erreicht hat, solche Lebensbedingungen zu ändern. Wie idealistisch bin ich da doch in jungen Jahren gewesen.
Ich hoffe, der Karneval bringt dir was Spaß, nachdem du so dich um andere am Wochenende gekümmert hast.
Alles Liebe!
Astrid
Frohe Pfingsten für Dich und Deine Familie… gleich schlägt der Fliesenleger hier auf und rundet unsere Festtage ab 🌷 Was soll’s, das geht auch vorbei.
Muntere Grüße aus dem sonnigen Süden von Bayern, Heidrun